Der Tod als Brücke der Bewusstseinserweiterung

Der Tod als Brücke der Bewusstseinserweiterung

Der Tod nach islamischem Verständnis dient als Brücke der Bewusstseins- bzw. Wahrnehmungserweiterung. Der Tod ist zunächst einmal die Trennung von diesem irdischen Leben und stellt eine Art Übergang ins Jenseits dar. Er ist ein Hilfsmittel, um uns die Realität dieser Welt kenntlich zu machen. Er hilft uns dabei zu verstehen, dass diese Welt kein beständiger, sondern vielmehr ein vergänglicher Ort ist. Mit dem Tod geht eine Neuausrichtung des Weltlichen einher, also des irdischen Daseins. Es geht darum im Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit zu leben. Doch dieses Bewusstsein fehlt uns oft im Leben, was wiederum dazu führt, dass wir mit vielen Prüfungen im Leben nicht umzugehen wissen, bzw. diese uns sehr ein- und mitnehmen, sodass wir stagnieren oder gar resignieren.

Daher ist die ständige Erinnerung an den Tod bzw. die Jenseitslehre, ein wichtiger Aspekt im Leben von uns Menschen, weil wir dadurch eine innere Stärke entwickeln können, welche uns standhaft alles ertragen und geduldig unseren Weg weitergehen lässt. Der Tod ist für uns jedoch oft mit etwas Negativem konnotiert, jedoch ist es oftmals eine Frage mit welchen Augen wir auf etwas blicken, denn man kann in allem etwas Positives sehen.

Oft besteht aufgrund der fehlenden Einsicht bzw. der mangelnden Vorkehrungen, die wir für die kommende Welt getroffen haben, eine Angst vor dem Tod, wobei der Tod doch in Wahrheit die Begegnung mit Gott darstellt. Wenn es etwas gibt, was unausweichlich ist, dann, dass der Tod uns alle erreichen wird und die besten Vorbereitungen, die wir dafür tun können jene sind, für diese Welt so zu tun, als würden wir auf ewig in ihr leben und für unser Jenseits so zu tun, als würden wir morgen diese Welt verlassen. So lässt es sich dann auf dieser Welt friedlicher leben, weil die Welt nicht mehr in uns lebt. 

Barmherzigkeit auch gegenüber Tieren

Barmherzigkeit auch gegenüber Tieren

Die Bedeutung der Barmherzigkeit gegenüber allen Lebewesen im Islam ist leider viel zu wenig bekannt. Im Quran heißt es wiederholt, dass Gott der „Barmherzigste aller Barmherzigen“ (z.B. Sure 12,64) ist, am Anfang jeder Sure (bis auf eine) wird Er als „der Allerbarmer“, „der Barmherzige“ bezeichnet. Ein gläubiger Mensch wird die Barmherzigkeit Gottes nicht erfahren, wenn er (oder sie) nicht selbst barmherzig ist. Das geht aus zahlreichen Hadithen hervor. So heißt es bei Bukhari kurz und knapp: „Wer sich nicht erbarmt, dem wird sich nicht erbarmt.“ (Bukhari 22,107) In einem Hadith : „Den Barmherzigen ist Allah barmherzig. Seid barmherzig gegenüber denen, die auf Erden sind, dann sind auch die im Himmel (Allah und die Engel) euch gegenüber barmherzig.“ (Abû Dâwûd, Adab, 58)

Diese geforderte Barmherzigkeit gilt ausdrücklich gegenüber allen Lebewesen, d.h. auch gegenüber Tieren. So gilt im Islam das Verbot Tiere zu quälen, nicht einmal eine Ameise (z.B. An-Nawawi, Riyadus Salihin, 1610), Tiere aus Spaß oder „sportlichen Gründen“ als Zielscheibe zu missbrauchen (Ebenda, 1601) oder Tiere einzusperren, um sie zu töten (Ebenda, 1602). In einem anderen Hadith berichtet Ibn Masud, wie Gefährten des Propheten (saws) einem Vogel zwei Küken wegnahmen, als sich der Gesandte kurz entfernte. Daraufhin wurde der Prophet zornig und sagte: „Wer hat dieses (Rothuhn) mit seinen Kindern erschreckt? Bringt ihm seine Kinder zurück!“ (Ebenda, 1610).

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Maria (Maryam bint Imran), die Mutter Jesu

Maria (Maryam bint Imran), die Mutter Jesu

Viele Christen sind überrascht, wenn sie erfahren, dass im Koran weitaus mehr über Maria (Maryam) zu finden ist, als in der Bibel. Ihr ist sogar eine ganze Sure im Koran gewidmet bzw. nach ihr benannt, nämlich die Sure Maryam (19. Sure). Bestätigt wird u.a. die Jungfrauengeburt. Maria, die der Koran stets als „Mutter Jesu (Isa)“ bezeichnet, so ist sie im Christentum die „Muttergottes“ bzw. die „Gottesgebärerin“.

Nach einem Hadith des Propheten Muhammad (saws) gehört Maria, die Mutter Jesu, zu den besten vier Frauen im Paradies. So heißt es: „Die besten Frauen der Angehörigen des Paradieses sind Chadidscha bint Chuwailid, Fatima bint Muhammad, Asia bint Muzahim und Maryam bint Imran.“ 

Die drei Hirtenkinder

Das Maria eine der höchsten Positionen im Paradies genießt und auch im Hinblick auf das Verhältnis von Islam und Christentum eine besondere Funktion innezuhaben scheint, weil sie in beiden Religionen eine große Rolle spielt, zeigen u.a. die sonderbaren Ereignisse im portugiesischen Ort Fatima im Jahr 1917. Während Lenin mit dem plombierten Zug auf dem Weg nach St. Petersburg war, um dort die Oktoberrevolution zu entfachen und einen atheistischen Staat zu gründen, erschien eine „Frau aus dem Paradies“ drei Hirtenkindern und warnte vor „Irrlehren“, die bald aus Russland kämen. Was konnten drei Hirtenkinder in diesen Tagen von den sich anbahnenden Ereignissen in Russland wissen? Ein folgendes „Sonnenwunder“ sahen Zehntausende und ist gut bezeugt; es ist ein großes Rätsel.

Maria – eine Brücke zwischen den Religionen

Mir kam bei der Beschäftigung mit dem Thema das „Wunder der Mondspaltung“ (Sure 54, 1-3) des Propheten Muhammad (saws) folgendes in den Sinn. In beiden Fällen vollzogen Himmelskörper (ob nur in den Augen der Menschen oder tatsächlich) scheinbar außergewöhnliche Bewegungen. Ist es Zufall, dass sich diese Ereignisse ausgerechnet an einem Ort abspielten, der den Namen Fatima trägt? Der gleiche Name wie der Prophet Muhammad (saaw) seine Tochter nannte. Für den ehemaligen Papst Johannes Paul II. war dies kein Zufall. So nimmt Maria doch in gewisser Weise eine Brückenfunktion zwischen Islam und Christentum ein, denn in keiner anderen Weltreligion spielt sie überhaupt eine solche Rolle (im Judentum wird Jesus als Messias abgelehnt und die Jungfrauengeburt ebenso).

Verblüffend fand ich bei der näheren Beschäftigung mit dem Thema auch, dass die Kinder vor der Erscheinung der „Frau aus dem Paradies“ von einer Erscheinung eines Engels berichteten. Dieser Engel zeigte ihnen, wie sie beten sollen – niederzuknien und mit der Stirn den Boden zu berühren. Weiterhin lehrte Fatima 5 Gebete.

Diese Gemeinsamkeiten zeigen, das man das Verbindende und Gemeinsame nicht außer Acht lassen darf. Nur so verhindert man keinen Hass zwischen den Religionen zu säen.

Allah – der Name Gottes

Allah – der Name Gottes

Immer wieder wird der islamische Name für Gott, „Allah“, im Westen so verwendet, als ob damit ein anderer Gott oder gar ein  Götze (Mondgott) gemeint ist. Wer aber eine arabische Bibel zur Hand nimmt, wird dort auch das Wort „Allah“ für Gott finden. 

Den Beweis dafür, dass „Allah“ mit „Gott“ zu übersetzen ist, kann man auf der Mittelmeerinsel Malta finden, wo eine fasst ausschließlich katholische Bevölkerung lebt, die zu Gott „Alla“ sagt, weil das Maltesische mit dem Arabischen verwandt ist. Das aramäische Wort für Gott ist „Alaha“ – dabei handelt es sich um die Sprache, die Isa bzw. Jesus gesprochen hat. Die Verwandtschaft zu den biblischen Wörtern „eloah“ und „elohim“  ist offensichtlich.  Der katholische Theologe Hans Küng hat daher darauf aufmerksam gemacht, dass das arabische Wort Allah „kein Eigenname wie Zeus (ist), sondern ein Appellativ wie ‚theos, Deus, Dieu’ und daher mit Gott zu übersetzen“ ist. Der Koran macht an vielen Stellen deutlich, dass „Allah“ mit dem Gott der Bibel identisch ist. So heißt es beispielsweise in der Sure al-ʿAnkabūt:

„Unser Gott [der Gott der Muslime] und euer Gott [der Gott der Christen] ist ein und derselbe.“ (29:46)

Ontologie

Ontologie

Die Existenz ist das Einzige, das nicht bewiesen werden muss und das jeder instinktiv, entweder in seiner Essenz oder durch Versuch und Erfahrung wahrnimmt. Es gibt nichts Offensichtlicheres als die Existenz und alles wird in ihrem Lichte wahrgenommen.[1] Die Existenz steht mit „Licht“ in Verbindung. Wenn Licht etwas bescheint, dann erhellt und bestimmt es dieses Objekt und bewirkt, dass dieses Objekt von den umliegenden Objekten hervorgehoben wird. Mulla Sadra, einer der bedeutendsten islamischen Philosophen, hat durch seine Lehren bis heute eine Wirkung auch auf nicht muslimische Intellektuelle. Er genießt sowohl in religiöser, als auch in philosophischer Hinsicht große Anerkennung. Die Basis seiner Lehren basieren teilweise auf philosophische Lehren, die bis zum 9. Jahrhundert zurückgehen.

Islamische Philosophen

Große Denker des 9. und 10. Jahrhunderts wie Kindi und Farabi beschäftigten sich mit der Philosophie der griechischen Antike und trugen dazu bei, dass dieses Wissen durch Übersetzungen in die arabische Sprache für die islamische Welt zugänglich ist.

Abu Ali Ibn Sina, latinisiert „Avicenna“, trug ab dem 11. Jahrhundert dazu bei, dass philosophische Überlegungen eine Antwort auf wichtige Fragen der Menschen sein könnten. Im Zentrum seiner Philosophie stehen die Ontologie, die Theologie und die Psychologie, Themen die sein Vorgänger Farabi zurückstellte.

Die Ursachenkette

Ibn Sinas Ontologie basiert auf der Feststellung, dass die Existenz jedes „Dinges“ nachweisbar ist. Seine Philosophie geht dabei nicht von einer evidenten Sinneserfahrung aus (wie bei früheren muslimischen Denkern üblich), sondern er betont die Autonomie des Intellekts. Eine weitere wichtige Frage in seiner Philosophie war, ob das Sein eine Notwendigkeit oder nur eine Möglichkeit ist? Die durch reines Nachdenken gefundenen Begriffe wie „Sein“ und  „Ding“ gewinnen im weiteren Denkprozess zusammen mit Beobachtungen und Erfahrungen an Bedeutung und beantworten Ibn Sinas Frage. Alle Dinge, die wir mit den Sinnen wahrnehmen können, verändern sich. Mehr noch: Jedes Ding entsteht und vergeht. Demnach ist ihre Existenz, für sich betrachtet, nur möglich.[2] Die Frage nach dem Grund ihres Seins, führt auf den Beweis für die Existenz Gottes zurück. Anhand der Ursachenkette können wir das Konzept erklären. Das Seiende: A ist nur möglich durch eine Ursache. Diese Ursache bezeichnen wir als B. B ist somit für die Existenz für A notwendig, gleichzeitig kann es auch die Begründung für die Nichtexistenz von A sein. Dasselbe kann man auf B übernehmen. Es kann entweder notwendigerweise existieren oder möglicherweise.

Beispiel 1.: A <- B :  A= Möglich (mumkin al-wudjud) ; B= Notwendig-Seiende (wadjib al-wudjud)

Beispiel 2.: A <- B <- C => A= Möglich (mumkin al-wudjud); B= Möglich (mumkin al-wudjud); C= Notwendig-Seiende (wadjib al-wudjud)

Man kann dieses Beispiel gedanklich beliebig wiederholen für D, E, F, G…

Die notwendige Existenz

Die Ursachenkette kann nicht endlos fortgeführt werden, denn es muss einen Anfang geben. Dieser Anfang ist die Existenz, die von sich aus existieren muss, das ist das Notwendig-Seiende (wadjib al-wudjud), das alles andere hervorbringt und in der religiösen Sprache „Gott“ genannt wird.

Das Ziel in der Überlegung Ibn Sinas war, die Differenz zwischen Gott und den Geschöpfen in ihrem Sein heraus zu arbeiten und begrifflich schärfer zu unterstreichen.

Die treffende Aussage Mulla Sadras, dass alles im Licht der Existenz wahrgenommen wird, wird mit Hilfe unserer Ursachenkette ein wenig deutlicher. Das Licht wird mit Gott bzw. dem Notwendig-Seienden verglichen. Die Dinge, auf die das Licht fällt, gelangen durch das Licht in unseren Sichtbereich, wir sehen sie und wissen, sie existieren. Ohne das Licht, wüssten wir nichts von ihnen im Dunkeln und folglich, wüssten wir nicht, dass sie existieren. Ähnlich wie Gott die Ursache jeder Existenz ist und somit jede andere mögliche Existenz hervorbringt. Nur durch seine notwendige Existenz kommt jede andere Existenz zustande.


[1] Mulla Sadra, Transzendete Philosophie, Prof.S.M. Chamene’i Seite 59

[2] Ulrich Rudoloh, islamische Philosophie, Seite 46