Der Muezzin ruft öffentlich in Köln zum Gebet

Seit dem gestrigen Freitag, den 14.10.2022, ist der Ruf des Muezzins in Köln-Ehrenfeld auch außerhalb der Moschee zu hören. Dies geschieht im Rahmen eines zweijährigen Modellprojekts, bei dem seit dem Herbst 2021 die 35 Moscheen der Stadt beantragen können, dass der Muezzin öffentlich zum Freitagsgebet ruft.

Nur die Kölner Zentralmoschee, in der sich etwa 1.200 Gläubige versammeln können, hat bislang einen solchen Antrag gestellt. Gestern war der Gebetsruf vom Muezzin nun zum ersten Mal auf der Straße zu hören. Man muss sich dabei dennoch an behördliche Auflagen halten – so ist z.B. lediglich eine Lautstärke von 60 Dezibel erlaubt, die dem Geräuschpegel des normalen Straßenverkehrs entspricht.

Wie bereits im Vorfeld des Modellprojekts kam es zu heftiger Kritik. Diese kam jedoch nicht von den Anwohnern, die das nach deren Bekundungen wenig stört. Die meisten wissen dabei wohl auch nicht, was die Bedeutung des Gebetsrufes ist.

Die Kritik entzündete sich dieses Mal hauptsächlich daran, dass es sich bei der Moschee um ein Gotteshaus des islam. Verbandes DITIB, eines Ablegers der DIYANET, der staatlichen türkischen Religionsbehörde für religiöse Angelegenheiten in Ankara, handelt. Die DITIB ist die mit Abstand größte islamische Organisation in Deutschland und hat nach eigenen Angaben ca. 200.000 Mitglieder in Deutschland und vertritt mit deren Familienangehörigen etwa 80000 türkische Muslime. Das hauptsächliche Problem scheinen die Imame zu sein, die als Beamte der DIYANET von der Türkei nach Deutschland kommen.

Das Argument ist, dass dies keine unabhängigen Geistliche seien, sondern „der lange Arm Erdogans“, der nach Deutschland greife und hier Einfluss auf die Erziehung der jungen Muslime ausübe. So kam die DITIB in Deutschland immer wieder wegen angeblicher Antisemitismus-Vorwürfe in die Schlagzeilen, wenn sich ein regionaler Leiter bei der Israel-Kritik zu weit vorwagte.

Das wahre Problem

Eine muslimische Kritik an der Politik Erdogans und/oder der DIYANET muss sich allerdings von der von Politik und Medien in Deutschland vorgetragenen Kritik unterscheiden. Letzteren stört v.a. jede Kritik an der Politik des Staates Israel, die als Antisemitismus verunglimpft wird, aber auch der Einfluss einer konservativeren Organisation, die traditionelle Werte und damit auch ein traditionelles Familienbild vermittelt, auf die Erziehung von Kindern, womit z.B. die staatlichen deutschen Bestrebungen zur Durchsetzung der LGBT-Ideologie konterkariert werden. Mit dem öffentlichen Ruf des Muezzins, der die Menschen daran erinnert, dass es einen Gott gibt, hat dies herzlich wenig zu tun.

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