Azovstal und der „Wertewesten“

Inzwischen machen sich die deutschen Medien jeden Tag für einen freien Abzug der Kämpfer des Asow-Regiments im Stahlwerk Azovstal stark. Sie sprechen dabei aber wohlweislich fast nur noch von „eingekesselten ukrainischen Soldaten“, schildern dramatisch deren heldenhaften Kampf und verklären auf unglaubliche Weise ihr Leid.

Dabei gibt es keinen Zweifel daran, dass sich im Stahlwerk de facto ausschließlich Kämpfer des berüchtigten Asow-Regiments aufhalten. Der ukrain. Botschafter Melnyk twitterte z.B.: „Mariupol wird mutig verteidigt. Und zwar vom Asow-Regiment.“

Es ist erstaunlich, wie sich die Propaganda der deutschen Qualitätsmedien den neuen Erfordernissen anpasst. Größtenteils erwähnt man überhaupt nicht mehr, dass dort Kämpfer des Asow-Regiments sitzen, sondern die Sprachregelung lautet jetzt „ukrainische Soldaten“. Das wird offenbar als notwendig erachtet, denn schließlich haben dieselben Medien vor nicht allzu langer Zeit selbst berichtet, dass diese Asow-Kämpfer mit Hakenkreuzfahnen und Führerbilder posieren, obwohl auf die Vergesslichkeit des Glotzen-Durchschnittskonsumenten bisher eigentlich immer Verlass war. Wo dies noch nicht als ganz ausreichend erachtet wird, wird von einer „Wandlung“ der Asow-Kämpfer schwadroniert, die zwar früher einmal so etwas gemacht hätten, aber jetzt geläutert wären. Plötzlich können unsere Medien so gnädig mit den Neonazis dort umgehen – eine Gnade, in deren Genuss ein früherer Extremist gleich welcher Art in Deutschland nicht kommt.

Wenn aus Feinden Freunde werden

Die Antwort auf die Frage, wann denn diese Läuterung stattgefunden hat, bleiben sie allerdings schuldig. Denn das Zusammenspiel mit ihren Neonazi-Freunden vom „3. Weg“ und die Symbolik der Asow-Leute besteht nach wie vor. In ihrem Wappen ist die „Schwarze Sonne“ zu sehen, ein aus 12 Siegrunen bestehendes Hakenkreuz, das die SS in der Wewelsburg in den Boden meißeln ließ. In der Neonazi-Szene gilt das Symbol übrigens als Erkennungszeichen. Während in Deutschland inzwischen sogar das Mittragen der Flagge des Kaiserreichs bei Demos strafbar ist, zeigt man sich hier nachsichtig und kehrt es einfach unter den Tisch.

Das alles ist aber nicht neu. Die USA haben mit bin Laden einst in Afghanistan gegen die Russen kooperiert. Auch in Libyen und Syrien hatte man keinerlei Scheu, sogar die Strömungen zu finanzieren und auszurüsten, die man in der Heimat dem Publikum als böse radikale Salafisten oder Kopfabschneider vorführte. Um einen Regime Change in Kuba durchzuführen, kannte die US-Regierung keine Skrupel, bei den Plänen zur Ermordung Castros in den 1960er Jahren nachgewiesenermaßen sogar mit der Mafia zusammenzuarbeiten. Das ist das wahre Gesicht und die wahre Moral derer, die andere öffentlich über Menschenrechte belehren wollen. In Wirklichkeit sind sie bereit, sich mit jedem Teufel zu verbünden, um ihre geopolitischen Interessen durchzusetzen. Das Ganze verkauft man dann dem Publikum in einem Mäntelchen der Menschenrechte.

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