Da die Memoiren des britischen „Prinzen“ Harry mit dem Titel «The Spare» in Spanien fünf Tage vor dem eigentlichen Erscheinungstermin in die Geschäfte kamen, wurden bereits zahlreiche Details daraus verbreitet. Diese Memoiren dürften nicht nur dafür sorgen, dass der Herzog von Sussex viele Sympathien verliert und der König und seine restliche Familie (vorläufig?) mit ihm bricht. Die von ihm ausgebreiteten Details über sein Sexleben sind auch nicht nur zum Fremdschämen.

Einige Aussagen werfen vielmehr ein bezeichnendes Bild auf die im Westen verbreitete Doppelmoral. So prahlt Prinz Harry in seinen Memoiren damit, während seiner Dienstzeit als Soldat in Afghanistan 25 Taliban-Kämpfer mit einem Hubschrauber getötet zu haben. Die Art und Weise, wie der „Prinz“ über Menschenleben spricht, lässt erahnen, dass er Muslime als Menschen 2. Klasse betrachtet. Doch dies interessiert die deutschen „Qualitätsmedien“ bezeichnenderweise weniger als andere schlüpfrigen Details aus dem Privatleben des Prinzen.

Der britische Generalmajor Chip Chapman bezeichnete Prinz Harrys Prahlereien lediglich als „naiv“ und „dumm“. Aus den Reihen der Taliban und von afghanischen Bürgern wurden Harry inzwischen Kriegsverbrechen vorgeworfen, wobei der Verdacht plausibel erscheint, dass die getöteten Menschen – wie so oft bei derartigen Einsätzen – keine Taliban-Kämpfer waren, sondern Zivilisten gewesen sind: „Wir haben es überprüft und festgestellt, dass es an den Tagen, an denen Prinz Harry die Tötung von 25 Mudschaheddin erwähnte, keine Opfer in Helmand gab“, sagte das hochrangige Taliban-Mitglied Anas Haqqani am Freitag im Gespräch mit Al Jazeera.

Während westliche Politiker fast täglich von einer „regelbasierten Ordnung“ schwafeln und sich als „die Guten“ und moralische Saubermänner darstellen, wird wieder einmal deutlich, für wen die „regelbasierte Ordnung“ gilt und für wen nicht.

USA pfeift aufs Völkerrecht

Die USA beantragten am 12. September 2001 zwar beim UN-Sicherheitsrat ein Mandat für einen Angriff auf Afghanistan, doch der Sicherheitsrat verweigerte eine derartiges Mandat. Damit fehlte auch dem Beschluss der NATO am 12. Oktober, mit dem sie den Bündnisfall nach Art. 5 NATO-Vertrag ausrief, die rechtliche Grundlage. Die USA waren von Afghanistan nicht militärisch angegriffen worden, die NATO konnte sich also nicht auf die Legitimation „kollektiver Selbstverteidigung“ nach Art. 51 UNO-Charta berufen. Am 28. September 2001 versuchte George W. Bush noch einmal, die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates zur Anwendung militärischer Gewalt zu bekommen, scheiterte aber erneut. Am 7. Oktober teilte Botschafter Negroponte dem Sicherheitsrat mit, dass die USA nunmehr ihr „Recht auf Selbstverteidigung“ ohne Zustimmung des Sicherheitsrates „wahrnehmen würden“, d.h. sie erklärten im Klartext, dass sie auf das Völkerrecht pfeifen, wenn die UNO ihnen nicht folgt (wie auch ca. 2 Jahre später gegen den Irak).

Dass sich ein britischer Prinz heute damit brüstet, 25 Menschen – womöglich unschuldige Zivilisten – bei einem völkerrechtswidrigen Einsatz getötet zu haben und es dabei keinen Aufschrei und die Überstellung an die Justiz gibt, ist nur bezeichnend für die Arroganz der Herrscher der jetzigen Weltordnung.