Warum scheiterte der Westen in Afghanistan?

In Afghanistan hat eine Armee mit einer gewaltigen Übermacht von über 300000 Regierungssoldaten – über 20 Jahre trainiert von den USA und ihren Komplizen, von ihnen mit Waffen vollgestopft und mit einer Luftwaffe ausgestattet – in nur wenigen Tagen den Kampf gegen 50000-75000 Taliban verloren und kapituliert.

Eine Marionettenregierung und der Kampf um Souveränität

Im Westen reibt man sich verdutzt die Augen und fragt sich, wie das möglich war. Man hatte damit gerechnet, dass sich die Regierungsarmee wenigstens noch eine Zeitlang an der Macht halten könnte. Der „Wertewesten“, der schon längst jeden Glauben verloren hat (einschließlich des Glaubens an sich selbst) konnte offenbar niemanden für seine Werte zum Kampf motivieren und die größere Kampfmoral und der Glaube der Taliban (unabhängig davon, was man von ihnen hält) führte zum raschen Zusammenbruch.

In Wirklichkeit ist der Westen auch in Afghanistan längst Opfer seiner eigenen Propaganda geworden. Die vom Westen an die Macht gebrachten Marionetten waren in der Realität nie souverän. Jeder in Afghanistan weiß um deren Korruptheit und Status als Handlanger einer fremden Großmacht und deren Interessen. In Deutschland kann man sich vielleicht nicht einmal mehr vorstellen, warum sich Menschen für die Souveränität ihres Landes interessieren und ein Leben in Würde vorziehen.

Rücksichtsloses Vorgehen der Besatzungssoldaten gegen die Zivilbevölkerung

Noch dazu musste die afghanische Bevölkerung miterleben, wie rücksichtslos die US-Armee gegen die Zivilbevölkerung vorging. Peter Scholl-Latour hatte schon frühzeitig auf die vielen von der US-Armee getöteten afghanischen Zivilisten aufmerksam gemacht. Er sagte auch das Scheitern des Einsatzes voraus aufgrund der Unbeliebtheit der westlichen Soldaten. Das wurde und wird jedoch im Westen nicht thematisiert, weil man ansonsten (zurecht) um die Akzeptanz des Afghanistan-Einsatzes in der eigenen Bevölkerung fürchtete.

Die westlichen Besatzungssoldaten wurden auch als solche empfunden. Sie waren dementsprechend verhasst – und mit ihnen die Regierung, die als deren Handlanger galt. Es durfte eigentlich klar gewesen sein, dass die Marionettenregierung in Kabul schnell fallen würde, wenn die westl. Besatzungssoldaten abziehen würden – wenn man nicht bereits ein Opfer der eigenen Propaganda geworden wäre.

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