Es gibt keinen Zweifel, dass wir uns derzeit in einem globalen Kulturkampf befinden. Wir sehen es aktuell bei der Fußball-WM in Katar, wie sich westliche Staaten unter dem Deckmantel der „Menschenrechte“, die universell seien, in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischen und fortwährend moralische Belehrungen erteilen. Zu diesen Menschenrechten (die auch oft nur instrumentalisiert werden, um eigene Interessen durchzusetzen) wird hierzulande inzwischen die Ehe für alle, die Gleichstellung homosexueller Paare mit der traditionellen Ehe verstanden, die mit der Abschaffung der Begriffe Vater und Mutter einhergeht, Liberalisierung der Abtreibung, Frühsexualisierung von Kindern, Geschlechtsumwandlungen bei Jugendlichen und die Gabe von Hormonblockern usw. verstanden.

Der russische Philosoph Alexander Dugin nennt die Vertreter dieser Strömung, die in der Ökonomie und bei den gesellschaftlichen Werten für einen Ultraliberalismus eintreten, „Atlantiker“. Auf der globalen Ebene sind die „Atlantiker“ durch die USA und ihre willigen Helfer vertreten, die eine unipolare Hegemonie der USA befürworten. Sie vertreten die Auffassung, dass die universellen Menschenrechte über der Souveränität der Nationalstaaten stehen, was ihnen angeblich das Recht auf Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder verleiht, was bis zu einer militärischen Intervention unter Missachtung des Völkerrechts geht. Während die „Atlantiker“ somit eine unipolare Weltordnung unter Führung der USA anstreben, streben die „Eurasier“ (Dugins Bezeichnung für die entgegengesetzte Strömung) eine multipolare Weltordnung an.

Eurasier?

Letztlich geht es für ihn um die Notwendigkeit, dass sich jedes Land, jede Kultur in Übereinstimmung mit den eigenen Werten, die maßgeblich von der Religion vorgegeben wird, entwickeln kann – frei von jeder Einmischung von außen und von moralischer Belehrungen. Dugin zufolge wird das 21. Jahrhundert entscheidend durch den Konflikt zwischen „Atlantikern“ und „Eurasiern“ geprägt sein.

Dugin hat die Bedeutung des Konfliktes zwischen diesen beiden Strömungen gut erkannt, auch wenn sich dieser Kampf zwischen „Ultraliberalen“ und „Konservativen“ (wie man sie auch nennen kann) inzwischen in jedem Land vollzieht – westliche Liberale gibt es auch in der arab. Welt, im Iran, in Rußland oder in China, Konservative gibt es auch in den USA und dominieren z.B. in Ungarn oder Polen. Ein entscheidender Faktor scheint dabei der Bedeutungsverlust oder -gewinn der Religion zu sein.

Bild: Putin und Kadyrow – Pakt gegen die „Atlantiker“