Während die internationale Aufmerksamkeit momentan auf die Verhandlungen zwischen den USA und Iran gerichtet ist, hat Israels Sicherheitskabinett neue Maßnahmen beschlossen, die seine Kontrolle über das besetzte Westjordanland deutlich ausweiten.
Das israelische Kabinett genehmigte Regelungen, die israelischen Behörden größere Befugnisse in Verwaltungs- und Sicherheitsfragen verschaffen und faktisch den Weg für eine schrittweise Annexion ebnen. Die Maßnahmen stärken insbesondere die Rolle israelischer Ministerien bei Bauprojekten und Landentscheidungen in Gebieten, die bislang unter komplexen zivil-militärischen Strukturen verwaltet wurden.
Diese Entscheidung wird als Teil einer umfassenderen Strategie gesehen, Israels Präsenz im Westjordanland zu verfestigen. Kritiker warnen, dass dies nicht nur die Perspektive eines palästinensischen Staates weiter schwäche, sondern auch bestehende internationale Vereinbarungen untergrabe. Empörende Meldungen von westlichen Leitmedien findet man kaum. International hat diese Entscheidung scharfe Verurteilungen ausgelöst. Mehrere Stimmen bezeichnen die Schritte als de-facto-Annexion, selbst wenn der Begriff offiziell nicht verwendet wird. Während israelische Stellen von administrativer Effizienz und Sicherheitsnotwendigkeit sprechen, sehen palästinensische Akteure darin eine systematische Ausweitung der Kontrolle über besetztes Gebiet, denn der neue Beschluss bedeutet, dass es israelischen Siedlern erlaubt ist, von Israel besetztes Land zu kaufen.
Diese Entwicklung fällt in eine Phase, in der auch die Waffenruhen in Gaza und im Libanon zunehmend infrage stehen. Nach einigen Berichten wurde die Gaza-Waffenruhe am 122. Tag in Folge verletzt. Dabei seien erneut mehrere Zivilisten getötet worden. In einem weiteren Bericht wird argumentiert, dass es faktisch keine echte Waffenruhe gebe, sondern vielmehr eine Phase israelischer militärischer Fortsetzung unter anderem Namen. Diese Einschätzung steht im Kontrast zu offiziellen Darstellungen, die weiterhin von einer bestehenden Feuerpause sprechen. Die Opferzahlen sprechen allerdings eine deutliche Sprache, dass es von Seiten Israels keine Pause gibt.
Auch im Südlibanon halten die Spannungen an. Heute, am 09. Februar führte ein israelischer Angriff auf ein Fahrzeug in Yanouh zum Tod von drei Personen, das jüngste Opfer war 4 Jahre alt. Auch hier werden wiederholt Zivilisten Opfer der israelischen Angriffe. Trotz formeller Vereinbarungen stattfinden, setzt Israel seine Angriffe fort – weder der Wertewesten, noch die aktuelle libanesische Regierung sprechen sich gegen diese Angriffe aus und suchen nach Möglichkeiten, diese zu unterbinden. Israel begründet solche Operationen üblicherweise mit Sicherheitsargumenten – ein Scheinargument, denn seit der offiziellen Feuerpause zwischen der Hisbollah und Israel hat es keine Angriffe aus dem Südlibanon auf Israel gegeben.
Die Kombination aus politischer Expansion im Westjordanland und militärischem Druck in Gaza und im Libanon wirft grundsätzliche Fragen auf: Wenn parallel zu bestehenden Waffenruhen täglich Angriffe erfolgen und administrative Schritte zur territorialen Ausweitung beschlossen werden, wird der diplomatische Raum für eine nachhaltige Lösung spürbar enger. Beobachter sehen darin eine bewusste Strategie, Fakten zu schaffen – sowohl auf dem Boden als auch in der Sicherheitsarchitektur der Region.
Während internationale Reaktionen vor weiterer Destabilisierung warnen, bleibt die Lage vor Ort angespannt. Für die betroffene Zivilbevölkerung in Gaza und im Südlibanon bedeutet dies weiterhin Unsicherheit, tägliche Gewalt und das Ausbleiben einer verlässlichen Perspektive auf Sicherheit.
Inmitten wachsender Spannungen im Nahen Osten haben sich Vertreter der Islamischen Republik Iran und der Vereinigten Staaten heute, am 6. Februar 2026 in Muskat, Oman, zu einer neuen Runde indirekter Gespräche getroffen.
Die Verhandlungen finden in einer politisch hoch angespannten Zeit statt: US-Truppen und Kriegsschiffe sind in der Region verstärkt stationiert, während die Rhetorik zwischen Washington und Teheran in den letzten Monaten schärfer wurde als je zuvor.
Historischer Vorlauf: Misstrauen durch geplatzte Verträge und Krieg
Das gegenwärtige Gesprächsklima ist tief geprägt von historischem Misstrauen. Die USA hatten im direkten Auftrag von US-Präsident Donald Trump 2018 den internationalen Atomvertrag – offiziell „Joint Comprehensive Plan of Action“ (JCPOA) – einseitig aufgekündigt, obwohl der Iran über Jahre seine Verpflichtungen nachweisbar zuverlässig erfüllt hatte. Mit dieser Entscheidung wurde ein massiver Wiederaufbau von Sanktionen gegen den Iran aufgegeben und die tiefe Spaltung zwischen Teheran und Washington vorangetrieben.
Hinzu kommt die Eskalation im Sommer 2025: Kurz vor einer geplanten sechsten Runde von Atomgesprächen griff Israel den Iran an. Ziel der Angriffe waren führende Köpfe des iranischen Militärs und der Nuklearwissenschaft. Die gezielten Angriffe töteten die Zielpersonen und ihre Familien in ihren Wohnhäusern. Zivilisten wurden ebenfalls bei den Angriffen getötet. Das Resultat der Angriffe: Der 12-Tage-Krieg, bei dem der Iran primär Militärziele in Israel angriff. Ein Ende des Krieges ergab sich unter anderem nach einem US-Luftangriffen auf iranische Nuklearanlagen. Das brachte die diplomatischen Bemühungen zum Erliegen und verstärkte das iranische Misstrauen gegenüber westlichen Absichten erheblich.
Viele iranische Entscheidungsträger sehen nun die Notwendigkeit, irgendeine Sicherheit gegen wiederholte einseitige Aktionen der USA oder Verbündeten zu erreichen.
Muskat: Mediator Oman und das Format der Gespräche
Die Gespräche in Oman werden indirekt geführt, das heißt: Iranische und US-Vertreter treten nicht gemeinsam an einem Tisch auf, sondern konsultieren sich getrennt über den omanischen Außenminister Sayyid Badr bin Hamad Al Busaidi.
Iran betont, dass die Gespräche sich ausschließlich auf das Atomprogramm und damit verbundene Sanktionen konzentrieren sollen und keine weiteren Themen – etwa Irans Raketenprogramm oder regionale Politik – aufgenommen werden dürfen.
Offiziell führen Iranische Seite Außenminister Seyed Abbas Araghchi und sein Team die Gespräche; auf US-Seite sind der Sondergesandte Steve Witkoff und auch Jared Kushner, Berater des US-Präsidenten, beteiligt.
Misstrauen bleibt zentraler Konfliktpunkt
Ein grundlegendes Hindernis bleibt das tiefe Misstrauen des Iran gegenüber der US-Regierung. Tehran verweist wiederholt auf vergangene Erfahrungen, bei denen Washington Vereinbarungen gebrochen oder militärische Maßnahmen gegen iranische Interessen unterstützt hat – besonders im Zusammenhang mit der erwähnten israelischen Offensive im Vorjahr.
Für den Iran ist klar, dass jede künftige Vereinbarung nur dann Bestand haben kann, wenn sie dauerhafte Zusicherungen, verifizierbare Mechanismen und echte wirtschaftliche Vorteile für Teheran enthält.
Und der Krieg? Ein Damoklesschwert
Obwohl zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Eskalation zu einem erneuten Krieg erfolgt ist, ist der Kontext angespannt: Die massive Präsenz von US-Militäreinheiten und das Risiko weiterer militärischer Zwischenfälle legen nahe, dass ein Scheitern der Muskat-Gespräche die Region erneut destabilisieren könnte.
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben Ende Januar 2026 ein gefährliches Niveau erreicht. Beide Seiten senden unmissverständliche Signale militärischer Bereitschaft – ein Szenario, das nicht nur den Nahen Osten, sondern die gesamte Welt in einen offenen Großkonflikt ziehen könnte. Während Washington massive militärische Kräfte rund um den Iran zusammenzieht, versetzt Teheran seine Verteidigung in höchste Alarmbereitschaft und richtet deutliche Warnungen an die USA sowie an deren regionale Verbündete. Sie sind bereit, den Iran mit allen Mitteln zu verteidigen und werden im Kriegsfall Militärbasen in allen umliegenden arabischen Staaten angreifen.
Die US-Marine hat eine große Kriegsflotte in den Persischen Golf und angrenzende Gewässer verlegt, darunter Flugzeugträger, Zerstörer und Begleitschiffe. US-Vertreter sprechen von „Abschreckung“, während iranische Offizielle diese Truppenbewegungen als klare Kriegsvorbereitung interpretieren und vor direkten und weitreichenden Konsequenzen im Falle eines Angriffs warnen. Parallel dazu berichten mehrere Quellen von der Prüfung sogenannter „präziser Militärschläge“ durch Washington, während die militärische Präsenz kontinuierlich ausgebaut wird.
Der Iran reagiert nicht isoliert. Laut The National und Press TV haben Irans regionale Verbündete und Alliierten – darunter bewaffnete Gruppen im Libanon, Irak und Jemen – ihre Einsatzbereitschaft erhöht. Die libanesische Hisbollah erklärte, dass jede ernsthafte Schädigung der iranischen Führung als Angriff auf die gesamte „Achse des Widerstands“ gewertet würde, was einen regionalen Flächenbrand nach sich ziehen könne.
Auffällig ist jedoch die Haltung vieler arabischer Golfstaaten. Entgegen gängiger westlicher Narrative warnen mehrere Regierungen offen vor einem US-Militärschlag. Mehrere Golfstaaten haben Washington eindringlich davon abgeraten, den Iran anzugreifen. Die Begründung: Ein Krieg würde ihre Länder unmittelbar destabilisieren, Handelsrouten gefährden und sie selbst zu Zielen iranischer Vergeltung machen, da sie US-Militärbasen in ihren Ländern unterhalten.
Besonders deutlich äußerten sich die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie erklärten offiziell, dass sie weder ihr Territorium noch ihren Luftraum für Angriffe auf den Iran zur Verfügung stellen würden. Ähnliche Signale kommen aus weiteren muslimischen Ländern der Region, die zwar politisch eng mit den USA verbunden sind, einen Krieg jedoch als unkalkulierbares Risiko betrachten.
Demgegenüber stehen Berichte der Jerusalem Post und Middle East Eye, die unter Berufung auf israelische Quellen behaupten, Jordanien und die VAE könnten einen US-Angriff stillschweigend unterstützen. Diese Darstellung widerspricht jedoch den offiziellen Erklärungen der betroffenen Staaten selbst – ein Widerspruch, der deutlich macht, wie stark Informationslagen politisch gefärbt sind und wie unterschiedlich Interessenlagen interpretiert werden.
Fest steht: Während Militärflotten auf Angriff positioniert und Drohungen lauter werden, wächst in der Region die Sorge, dass ein einzelner Zwischenfall ausreichen könnte, um einen großflächigen Krieg auszulösen. Viele muslimische Länder warnen deshalb nicht aus Sympathie für Teheran, sondern aus nüchterner Selbsterhaltung: Ein Krieg gegen den Iran würde nicht isoliert bleiben – und niemand in der Region wäre davor sicher.
Der seit 2023 andauernde Krieg zwischen Israel und der Hamas hat unermessliches Leid über die Menschen im Gazastreifen gebracht. Trotz einer im Oktober 2025 vereinbarten fragilen Waffenruhe eskalierten die Gewalt und Angriffe weiterhin, darunter Luftangriffe und Schusswechsel, die erneut unzählige Todesopfer forderten — auch nach der Ankündigung des Board of Peace.
Vor diesem Hintergrund stellte der ehemalige US-Präsident Donald Trump diesen Januar den sogenannten „Board of Peace“ (deutsch: Friedensrat) für Gaza vor – eine Initiative, die als Herzstück seines 20-Punkte-Plans zur Beendigung des Gaza-Konflikts propagiert wird. Doch trotz der Namenswahl zeigt sich: Frieden bleibt auch nach Bildung dieses Gremiums unwirklich. Der Aufbau des Rats? Ohne Palästinenser.
Struktur und Mitglieder des Board of Peace
Das Board ist als dreistufiges Gremium angelegt und soll offiziell den Übergang von Krieg zu Stabilisierung und Wiederaufbau begleiten. Der Aufbau des Boards bringt aber bereits Zweifel auf, ob dies im Interesse und mit Beteiligung der Palästinenser geschehen wird.
1. Gründender Haupt-Board: Dieses strategische Leitungsgremium umfasst mehrere prominente und politisch umstrittene Persönlichkeiten, darunter:
Donald Trump (Chair) mit Veto-Recht
Marco Rubio, US-Außenminister
Steve Witkoff, US-Sondergesandter
Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn
Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister
Marc Rowan, Investor
Ajay Banga, Weltbankpräsident
Robert Gabriel, US-Berater
2. Gaza Executive Board: Dieses Untergremium soll die praktische Umsetzung vor Ort koordinieren. Es beinhaltet neben US-Vertretern auch Akteure aus der Region wie den türkischen Außenminister, den katarischen Diplomaten Ali Al-Thawadi, den ägyptischen Geheimdienstchef Hassan Rashad, die Emirati-Ministerin Reem Al-Hashimy und weitere internationale Akteure.
3. National Committee for the Administration of Gaza: Ein rein technokratisch zusammengesetzter palästinensischer Ausschuss, der den täglichen Betrieb der öffentlichen Dienste in Gaza übernehmen soll.
Kritik aus verschiedenen Richtungen
Trotz dieses ausgefeilten Aufbaus gibt es breite Skepsis gegenüber dem Board:
Unklare Legitimität: Kritiker beschreiben das Board als stark von Washington dominiert oder sogar potenziell dazu geeignet, traditionelle multilaterale Strukturen wie die UNO zu untergraben.
Imperiale Tendenzen: Kommentatoren aus europäischen Medien kritisieren, dass der Rat eher einer „imperialen Kammer“ ähnelt als einem echten Friedensinstrument — insbesondere, weil die Ziele, Mandate und die Rolle Palästinenser kaum klar definiert seien und auch durch keine eigene Position vertreten wird.
Politisch umstrittene Mitglieder: Die Einbindung von Persönlichkeiten wie Tony Blair — der wegen seiner Rolle im Irak-Krieg stark umstritten ist — und Jared Kushner, der in der Region als Israel-nah gilt, trägt zur Kritik bei, dass das Gremium eine einseitige politische Ausrichtung habe. Ebenfalls ist der israelische Ministerpräsident Teil des Rats. Der Mann, der für die zehntausenden Toten Kinder, Frauen und Unschuldigen verantwortlich ist, soll mit über den Frieden und die Zukunft der Palästinenser in Gaza entscheiden.
Wenig Einfluss auf Realität vor Ort: Trotz des Namens „Board of Peace“ herrscht in Gaza weiterhin tägliche Gewalt, eingeschränkte humanitäre Versorgung und politische Unsicherheit; die vereinbarte Waffenruhe wird nicht durchgehend eingehalten und die humanitäre Lage bleibt kritisch. Medizinische Hilfsgüter werden weiterhin nur in stark begrenzter Stückzahl nach Gaza gelassen, obwohl mit der derzeitigen „Feuerpause“ notwendige Güter die Menschen sofort erreichen sollen.
Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Zusammensetzung des Boards, sondern auch gegen seine Zweckbestimmung: Während Trump und einige westliche Politiker das Gremium als mögliche Lösung für die Konflikte präsentieren, warnen Beobachter, dass es eher ein politisches Instrument als ein praktisches Friedenswerkzeug sei — eines, das weitreichende Macht in wenigen Händen bündelt und fundamentale politische Fragen vor Ort außen vor lässt.
Iran: Vom legitimen Protest zur Gewalt und Doppelmoral des Westens
Die Proteste im Iran begannen – wie auch deutsche Regierungsstellen bestätigen – als legitime Reaktion auf eine dramatische Wirtschaftskrise und den Absturz der Währung Rial, der den Druck auf große Teile der Bevölkerung stark erhöhte. Laut der Bundesregierung löste der Einbruch der Wirtschaft und die daraus resultierende soziale Not die Demonstrationen aus, die sich binnen weniger Tage landesweit ausweiteten.
Was in vielen westlichen Medienberichten jedoch weitgehend fehlt, ist ein klarer Blick auf die Entwicklung der Unruhen: Zwar gab es zahllose friedliche Demonstrationen gegen Armut, Korruption und die sich immer weiter verschlechternde wirtschaftliche Lage im Land, doch die Dynamik vor Ort war komplexer. In mehreren Regionen übernahmen bewaffnete Gruppen Teile der Protestbewegung. Sie lieferten sich Schusswechsel mit Sicherheitskräften, töteten und verletzten Menschen, zündeten nicht nur staatliche Einrichtungen, sondern auch private Gebäude und Moscheen an und trugen so zur Eskalation bei.
Der Iran bestätigte selbst die Festnahme mehrerer ausländischer Akteure, darunter zwei mutmaßliche Mitglieder der Mujahedin-e Khalq Organisation (MKO), deren Handlungen laut iranischer Sicherheitsbehörden in direktem Zusammenhang mit auslandsgesteuerten Unruhen stehen. Diese und weitere Gruppen sollen unter anderem Waffen und Kommunikationsmittel beschafft haben, um gewaltsame Aktionen zu koordinieren, einschließlich Schießereien auf Sicherheitskräfte und versuchte Angriffe auf Polizeistationen.
Parallel zu diesen Festnahmen berichten iranische Kräfte von Agenten westlicher Geheimdienste vor Ort. Ein ranghoher israelischer Minister erklärte öffentlich, dass israelische Agenten innerhalb Irans aktiv seien und bekräftigte, dass solche Einsätze bereits während früherer Konflikte stattgefunden hätten.
Trotz dieser belegten Hinweise auf externe Einflussnahme und Gewalt werden in deutschen Berichten die Proteste überwiegend als friedliche Volksbewegung dargestellt. Von den Schusswechseln und der organisierten Gewalt gegenüber Sicherheitskräften und der Bevölkerung fehlt jedes Wort. Offizielle Statements der Bundesregierung betonen die friedlichen Protestierenden und verurteilen ausschließlich das harte Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte ohne differenzierte Analyse der lokalen Gewaltakteure. Statements, wie die des CIA-Direktors Mike Pompeo „Ein frohes neues Jahr an alle Iraner auf den Straßen. Ebenso an jeden Mossad-Agenten, der an ihrer Seite geht.“ Bleiben unbeachtet und könnten damit als Befürwortung und Legitimierung gedeutet werden.
Die Medienberichterstattung in Deutschland (vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk) reflektiert nicht immer diese Komplexität. Sie fokussiert stark auf staatliche Gewalt und mögliche Menschenrechtsverletzungen durch den Iran, verschweigt oder relativiert aber im gleichen Atemzug schwerwiegende Fakten über bewaffnete Unruhestifter und ausländische Agenten, die an der Eskalation beteiligt sind. Diese Tendenz führt zu einer einseitigen Wahrnehmung des Konflikts – und verstärkt so ein Narrativ, das der Realität vor Ort nur unzureichend gerecht wird. Der Eindruck wird geformt, dass westliche Medien und Politik die wahren Geschehnisse nicht fair betrachten und somit nicht aus Menschenrechtsinteressen einen Systemwechsel fordern, sondern aus eigenen Wirtschafts- und Machtinteressen. Dies stünde im Widerspruch mit ihren eigenen Worten und Werten.
Der Sprecher der Bundesregierung begann die Bundespressekonferenz am Montag, den 13. Oktober mit Anteilname, die nur und ausschließlich den israelischen Geiseln und ihren Familien galt. Nicht mit einem Wort galt diese Anteilnahme den freigelassenen Palästinensern. Die meisten von ihnen muss man ebenfalls als Geiseln bezeichnen, denn sie wurden nicht anders ihrer Freiheit beraubt wie viele der israelischen Geiseln am 07. Oktober 2023. Ebenfalls wird keine Trauer bekundet gegenüber den über 70.000 getöteten Palästinensern, von denen die meisten Frauen und Kinder. Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft am Genozid?
Während das Thema Israel-Palästina in der Bundespressekonferenz besprochen wird, nennt der Sprecher immer wieder die Freilassung der 20 israelischen Geiseln als Grund zur Freude, jedoch nicht die Freilassung der vielen zu Unrecht inhaftierten/in Geiselhaft genommenen Palästinenser. Ein deutliches Muster in der westlichen Propaganda, aber auch in der geheuchelten Empathie gegenüber allen Menschen. Der Westen legte den Fokus in den vergangenen zwei Jahren fast ausschließlich auf die israelischen Geiseln, die nun endgültig von der Hamas freigelassen wurden. Die Geschichte von ihrer Freiheit und die ihrer Familien wird menschlich und umfangreich unter Tränen erzählt. Die Tränen der Freude über die Rückkehr palästinensischer Väter, Ehemänner und Söhne aus israelischer Folter- und Administrativhaft bleiben unbeschrieben und unbekannt. Diese Geschichten werden vor allem in Deutschland kaum beschrieben, fast bewusst ausgelassen und nicht wahrgenommen, obwohl viele Palästinenser, die in Deutschland leben, zu den direkten Betroffenen Familienmitgliedern gehören. Man nimmt das Leid eines Teils der eigenen Bevölkerung bewusst nicht wahr, erdrückt und erstickt es scheinbar, um den besten Freund Israel nicht zu erzürnen. Wem dient der Staat, wenn die Anteilnahme und Freude nur einer Seite gilt? Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft?
Auch wenn 2000 Palästinenser aus der israelischen Geiselhaft freigelassen wurden, verbleiben fast 11.000 weiterhin in israelischen Händen – die meisten von ihnen in so genannter Administrativhaft. Eine Haft ohne Anklage, ohne Prozess, ohne Zugriff auf einen Anwalt – entrissen aus ihren Häusern und von ihren Familien, weil sie Palästinenser sind, Erwachsene oder Kinder. Darüber kein Wort anklagendes Wort in deutschen Medien, kein Wort von Seiten der Regierung. Es klingt, als feiere man einen Frieden für Israel und die Palästinenser sollen mal glücklich sein, dass es ein Ende hat.
Weiterhin „sollen alle ihren Verpflichtungen in diesem Frieden nachkommen“. Da kommt die Frage auf: Wird Israel sich an den Waffenstillstand halten? Das haben sie im Libanon von Tag 1 an nicht getan. Täglich wird der Waffenstillstand an der nördlichen Grenze Israels gebrochen, wöchentlich werden Menschen von israelischen Drohnen und Bomben umgebracht. Kaum ein Wort davon in deutschen Medien, keine Kritik von Regierungsseite. Es wird totgeschwiegen. Zudem sei gesagt, dass sie Israel auch zuvor nicht an Waffenruhen in Gaza gehalten hat. Wen muss man also zur Einhaltung der Verpflichtungen ermahnen?
Und in der Freude spricht der Bundeskanzler wieder darüber, Kriegswaffen an Israel zu liefern, obwohl die Waffenruhe noch keine Woche gilt. Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft?
Donald Trump gab zudem am 13. Oktober in der Knesset eine Ansprache. Darin bat er den amtierenden israelischen Präsidenten Isaac Herzog, den wegen Korruption angeklagten Präsidenten Benjamin Netanjahu zu begnadigen, „weil es einfach so viel Sinn ergibt. Er (Netanjahu) ist einer der großartigsten Präsidenten in Zeiten des Krieges“. Dieser Bitte folgte stehender Applaus und „Bibi“-Rufe von Seiten der anwesenden Minister. Eine Verhöhnung der Menschenrechte, der Palästinenser und aller Opfer auf syrischer, libanesischer, iranischer und jemenitischer Seite.
US-Präsident Trump betonte in seiner Rede ebenfalls, wie oft Netanjahu ihn anrief, um verschiedenste Waffen zu bestellen, die man, „weil sie wahrlich die besten sind“, immer lieferte. „Und ihr habt sie gut genutzt. Dazu braucht es natürlich Personen, die wissen, wie man sie nutzt und du (Netanjahu) hast sie offensichtlich sehr gut genutzt“, ergänzte Trump daraufhin. Mindestens 70.000 tote Zivilisten, viele darunter Frauen und Kinder, über 90% von Gazas gesamter Infrastruktur zerstört, nennt der US-Präsident und gute Freund Netanjahus „gute Nutzung“. Eine weitere verhöhnende Aussage, die in der Knesset mit Applaus und Gelächter gefeiert wird. „Das ist, was Israel so stark und mächtig machte und was am Ende zu Frieden führte.“
Ein deutliches Geständnis der Komplizenschaft am Genozid.
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