Darf Satire doch nicht alles?

Wenn man in der Vergangenheit die Karikaturen des Propheten Muhammad (s.) in westlichen Zeitungen kritisierte, kam als Entgegnung meist der Standardsatz, dass Satire eben alles dürfe. Dies sei im Westen ein Bestandteil der Toleranz, ein unverzichtbarer Teil der Presse- und Meinungsfreiheit – Muslime müssten das gefälligst akzeptieren. Dass das Ganze nur Heuchelei ist, zeigt sich gegenwärtig wieder einmal. Denn alles, was vorher zur Verteidigung der Beleidigungen des Propheten (s.) angeführt wurde, gilt nicht mehr, wenn es darum geht, jegliche Kritik an den geopolitischen Plänen des Westens zu unterbinden.

Seit gestern sorgt eine Karikatur von Pepsch Gottscheber in der „Süddeutschen Zeitung“ für einen Aufschrei der Empörung. Die Zeichnung zeigt den ukrainischen Präsidenten Selenskij, wie er übergroß vor dem Wirtschaftsforum in Davos spricht.

Da Selenskji jüdische Wurzeln hat und im Westen kurz vor der Heiligsprechung steht, bietet sich wieder einmal der Antisemitismus-Vorwurf an, um jede gefühlte Kritik im Keim zu ersticken. Michaela Engelmeier, Generalsekretärin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, griff auf Twitter direkt die Süddeutsche Zeitung an und unterstellte „Stürmer-Niveu“: „Eine antisemitische Karikatur a la „Stürmer“ in der SZ. Euer Ernst?“ Seitdem versuchen die deutschen „Qualitätsmedien“ immer neue „klassische antisemitische Stereotypen“ in die Zeichnung zu interpretieren bzw. „zu entdecken“, das man aus dem Staunen kaum mehr herauskommt.

Hält die SZ stand?

Noch wagt es die SZ, sich wie folgt zu verteidigen: „Diese Karikatur ist die zeichnerische Umsetzung der Fernsehbilder vom Montag. Der ukrainische Präsident auf der Videowand, und damit im XXL-Format, vor dem Publikum in Davos. Sie illustriert, wie dominierend das Thema Ukraine dort ist“. Wenn man sich die Bilder von Selenskij bei der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums ansieht, erscheint dies völlig plausibel. Man braucht allerdings kein Prophet sein um zu prognostizieren, dass die SZ das nicht lange durchhalten wird. Vor fast genau vier Jahren entließ die SZ ihren langjährigen Karikaturisten Dieter Hanitzsch, nachdem nach einer Netanjahu-Karikatur Antisemitismus-Vorwürfe aufgekommen waren. Satire darf nur dann alles, wenn es um die „gefühlten“ Feinde des Westens geht.


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