
Am 28. März 2026 wurden die Journalistin Fatima Ftouni und ihr Bruder bei einem israelischen Angriff in Südlibanon getötet. Gemeinsam mit ihnen fiel auch der Journalist Ali Shoaib. Die beiden Angriffe richteten sich direkt gegen Medienvertreter, die ihrer Arbeit nachgingen – ein gezieltes Vorgehen, das nach Völkerrecht und der Genfer Konvention als illegal gilt. Doch während die Morde an Ftouni, Shoaib und weiteren Kollegen dokumentiert und verifiziert sind, bleiben die Berichterstattung und die öffentliche Empörung in westlichen Medien auffallend aus.
Die Reaktionen auf vergleichbare Taten wären anders: Würde der Iran oder Russland westliche Journalisten in Kriegsgebieten töten, wäre die Empörung groß. Schlagzeilen würden von Verletzung der Menschenrechte, Bruch der Genfer Konvention und gezieltem Angriff auf die Pressefreiheit sprechen. Sanktionen, diplomatischer Druck und mediale Empörung würden folgen. Die gezielte Tötung von Journalisten durch Israel jedoch bleibt weitgehend unkommentiert, im Iran, in Gaza und im Libanon – eine deutliche Doppelmoral, die Fragen nach der politischen Gewichtung von Menschenleben aufwirft.
Die getöteten Journalisten sind keine Einzelfälle. Seit Beginn des Gaza-Krieges, der auch den Libanon umfasst, sind insgesamt mindestens 129 Journalisten weltweit getötet worden. Israel ist für zwei Drittel dieser Todesfälle verantwortlich. Besonders besorgniserregend ist, dass Israel diese Praxis systematisch fortsetzt: Während des 12-Tage-Krieges mit dem Iran griff Israel 2025 eine iranische Fernsehanstalt während einer Live-Ausstrahlung an, tötete Mitarbeiter und beschädigte die Infrastruktur. Auch im aktuellen Konflikt werden ähnliche Taktiken angewendet: Berichte belegen Angriffe auf das iranische Staatsfernsehen in Teheran in den letzten Wochen, wiederholt während laufender Sendungen. Diese Angriffe gefährden nicht nur Journalisten, sondern verletzen gezielt das Recht auf freie Berichterstattung. Empörung oder Berichterstattung darüber in deutschen Medien oder aus der deutschen Politik finden sich keine. Man toleriert das aggressive und illegale Verhalten des Partners Israel. Vielleicht befürwortet man nach den Worten des Bundeskanzlers auch diese „Drecksarbeit“ des israelischen Partners.
Die Opfer – Ftouni, Shoaib und viele andere – waren nicht nur Berichterstatter, sie waren Stimmen der Zivilbevölkerung. Ihre Arbeit dokumentierte Krieg, Leid und die täglichen Realitäten der Menschen in Konfliktgebieten. Ihre gezielte Tötung signalisiert nicht nur Verachtung für die journalistische Arbeit, sondern auch eine bewusste Instrumentalisierung von Gewalt, um Informationen zu kontrollieren und die öffentliche Wahrnehmung zu steuern.
Berichte von Kollegen heben hervor, dass Ftouni eine unerschrockene, engagierte Journalistin war, deren Arbeit über den Libanon hinaus Wirkung zeigte, genauso wie die mutige Berichterstattung ihres Kollegen Ali Shoaib. Diese Morde sind daher nicht nur Verluste für die betroffenen Familien, sondern für die gesamte Medienlandschaft und die freie Berichterstattung im Nahen Osten.
Die westliche Stille in diesen Fällen spricht Bände. Solange Journalisten wie Ftouni oder Shoaib Opfer gezielter Angriffe werden, ohne dass dies international geahndet oder breit thematisiert wird, bleibt die Botschaft klar: In bestimmten geopolitischen Konflikten zählen Menschenleben weniger – insbesondere, wenn es um Machtinteressen und strategische Allianzen geht. Die Stimmen werden lauter gegen den Westen: Wenn es um Muslime geht, ist das Leben, ganz gleich ihrer Arbeit, deutlich weniger Wert als das eines israelischen Lebens.
