Eid al-Fitr 2026 – Ein Fest zwischen Freude und Schmerz

Heute, am 20. März 2026, begehen Muslime weltweit das Eid al-Fitr, das Fest des Fastenbrechens und einen der bedeutendsten Tage im islamischen Kalender. Nach einem Monat des Verzichts, der Besinnung und der spirituellen Nähe zu Gott endet der Ramadan traditionell mit Gebeten, familiären Zusammenkünften und Momenten der Dankbarkeit.

Für viele ist Eid ein Tag der Freude: Kinder erhalten Geschenke, Familien kommen zusammen, Moscheen füllen sich mit Gläubigen in festlicher Kleidung. Es ist ein Moment, in dem Gemeinschaft, Barmherzigkeit und Hoffnung im Mittelpunkt stehen.

Doch in diesem Jahr liegt über dem Fest für viele Muslime ein spürbarer Schatten.

Auch in Deutschland, wo Muslime das Fest in relativer Sicherheit begehen können, sind die Gefühle gemischt. Während Tische gedeckt und Familien zusammenkommen, richtet sich der Blick vieler in andere Teile der Welt – dorthin, wo Angehörige und Freunde das Eid-Fest unter ganz anderen Umständen erleben müssen.

Im Iran, in Palästina und im Libanon ist das Fest für viele kein Tag der Ruhe. Stattdessen ist es geprägt von Unsicherheit, Angst und anhaltender Gewalt. Während hier Kinder lachen, müssen dort Familien jederzeit damit rechnen, dass Bomben fallen und sie oder ihre Lieben töten – auch am heutigen Tag, während sie und ihre Kinder lachen und feiern. Ein gemeinsames Festmahl wird heute bei vielen zur letzten Begegnung.

Für zahlreiche Familien bedeutet dieses Eid-Fest auch Verlust. Plätze am Tisch bleiben leer. Stimmen fehlen. Menschen, die im vergangenen Jahr noch Teil der Feier waren, wurden in den letzten Wochen und Monaten durch Angriffe getötet. Das Fest wird so zu einem Moment der Erinnerung – und der Trauer.

Gerade darin liegt jedoch auch eine tiefere Dimension dieses Tages. Eid ist nicht nur ein Fest des Feierns, sondern auch ein Fest der Verbundenheit. Es erinnert daran, dass die muslimische Gemeinschaft über Grenzen hinweg verbunden ist – im Glück wie im Leid.

So wird Eid al-Fitr 2026 für viele zu einem stillen Gleichgewicht: zwischen Dankbarkeit und Schmerz, zwischen Freude und Trauer. Ein Fest, das nicht nur gefeiert, sondern auch bewusst erlebt wird – mit Gedanken bei denen, die heute nicht in Sicherheit feiern können.

Ramadan beginnt – Zwischen spiritueller Erneuerung und Schatten des Krieges

Mit dem Einbruch der Mondsichel beginnt für Muslime weltweit der heilige Monat Ramadan. In den meisten Ländern fällt der erste Fastentag in diesem Jahr auf den 19. Februar, während einige Staaten den Beginn bereits auf den 18. Februar festlegen – abhängig von der jeweiligen Mondsichtung und religiösen Autoritäten.

Der Ramadan nimmt im Islam eine zentrale Stellung ein. Im Koran heißt es:

Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt wurde und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer von euch diesen Monat erlebt, der soll in ihm fasten.“ (Sure 2:185)

Damit feiern die Muslime den heiligen Koran im Monat Ramadan besonders. Viele nehmen sich vor, das heilige Manuskript in diesem Monat komplett durchzulesen, während einige bestimmte Suren und Verse studieren.

Ebenfalls heißt es im heiligen Koran:

O die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben, so wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werdet.“ (Sure 2:183)

Diese Verse betonen sowohl die spirituelle Dimension des Monats als auch sein ethisches Ziel: Gottesfurcht (Taqwa). Das Fasten gilt nicht allein als Verzicht auf Nahrung und Trinken von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang, sondern als umfassende Disziplinierung des Charakters. Geduld, Barmherzigkeit, Vergebung und Rücksichtnahme auf Mitmenschen stehen im Vordergrund.

Weltweit bereiten sich muslimische Gemeinschaften intensiv vor. Häuser und Straßen werden geschmückt, Moscheen organisieren abendliche Gebete und gemeinsame Fastenbrechen (Iftar). Gemeinden planen religiöse Programme, Vorträge und soziale Initiativen. Der Ramadan ist traditionell auch ein Monat verstärkter Wohltätigkeit, familiärer Zusammenkünfte und gemeinschaftlicher Spiritualität, die im Westen auch nichtmuslimischen Nachbarn häufig in Form von Gaben und besonderer Aufmerksamkeit entgegengebracht werden.

Doch während in vielen Regionen festliche Lichterketten und Vorfreude das Bild prägen, ist die Atmosphäre in Teilen des Nahen Ostens von Unsicherheit überschattet. Die Menschen in Gaza begehen den Monat Ramadan inmitten einer fragilen Waffenruhe und der ständigen Sorge vor einer Wiederaufnahme intensiver Kampfhandlungen. Familien dekorieren trotz der Zerstörung ihre Häuser, oder was davon übrig ist, und ihre improvisierten Unterkünfte, um Kindern ein Gefühl von Normalität zu vermitteln. Gleichzeitig bleibt die Angst präsent, dass die Gewalt jederzeit erneut eskalieren könnte.

Viele Bewohner Gazas beginnen den Monat mit dem schmerzlichen Bewusstsein, dass Angehörige fehlen – getötet in den vergangenen Monaten durch Angriffe und Bombardierungen Israels. Das gemeinsame Fastenbrechen, das traditionell von großen Familienrunden geprägt ist, findet in diesem Jahr vielfach in verkleinerten Kreisen statt. Ähnliche Spannungen prägen auch Teile des Libanon, wo die Furcht vor erneuten Angriffen die spirituelle Besinnung begleitet. Das Fastenbrechen wird weiterhin vom Dröhnen der israelischen Drohnen über ihren Häusern begleitet.

So beginnt der Ramadan in diesem Jahr zwischen Hoffnung und Furcht: weltweit als Zeit der inneren Reinigung, der ethischen Selbstprüfung und der Gemeinschaft – und zugleich in einigen Regionen unter dem realen Eindruck von Krieg, Verlust und Unsicherheit. Ramadan Mubarak.

22. Bahman: Der Iran feiert seine Unabhängigkeit

Der Sieg der Islamischen Revolution von 1979. Der 22. Bahman ist ein offizieller Feiertag im Iran, der jährlich auf den 11. Februar fällt. Es war die Revolution, die zum Sturz der Monarchie und zur Gründung der heutigen Islamischen Republik führte.

Historisch fällt der 22. Bahman in die sogenannte „Fadschr-Dekade“ (Dahe-ye Fadschr). Dies beschreibt die zehn Tage zwischen der Rückkehr Ayatollah Ruhollah Khomeini aus dem Exil am 1. Februar und dem endgültigen Sieg über die Regierung des Schahs am 11. Februar.
In dieser Zeit vor 1979 hatten Massenproteste und Streiks die Autorität von Schah Mohammad Reza Pahlavi unterminiert, bis das Militär im Februar 1979 seine Loyalität aufgab und seine Herrschaft zerbrach.

Heute ist der 22. Bahman sowohl Nationalfeiertag als auch Anlass für großangelegte Versammlungen und Kundgebungen in Städten und Dörfern im ganzen Land. Die Veranstaltungen werden regelmäßig von landesweit tausenden Medienvertretern begleitet. Laut iranischen Nachrichtenagenturen werden es in diesem Jahr über 7 700 Journalisten und Fotografen dieses Ereignis begleiten.

Was wird gefeiert?

Am 22. Bahman wird nicht nur der Sturz einer politischen Ordnung gewürdigt, sondern die Revolution selbst wird gefeiert. Verstanden als eine Errungenschaft des unterdrückten Volkes gegenüber dem tyrannischen Oberhaupt. Die islamische Republik betont demnach in ihrer offiziellen Darstellung, dass dieser Tag die Befreiung von „ausländischer Einmischung“ und das Ende eines autoritären Regimes bedeutet. Ein Machtapparat, der langjährige Verbindungen zu westlichen Mächten, insbesondere den Vereinigten Staaten, pflegte.

Die 22-Bahman-Rallyes in den Straßen des gesamten Landes werden genutzt, um „die Entschlossenheit und den kollektiven Willen der Nation zu demonstrieren“, und in den offiziellen Erklärungen symbolisieren sie „die Kontinuität des Widerstands gegenüber äußeren Bedrohungen“.

Auch historisch hinterfragt wird, ob der revolutionäre Impuls weit über die iranischen Grenzen hinaus wirkte: Die Islamische Revolution entfachte ab 1979 eine Welle von Bewegungen in Südasien, Afrika und darüber hinaus, deren gemeinsame Themen Gerechtigkeit, Einheit und Widerstand gegen Unterdrückung waren.

Form und Stimmung der heutigen Feiern

Die Art und Weise, wie der 22. Bahman begangen wird, variiert über die Jahre. Jährlich ziehen große Fußmärsche mit Millionen von Menschen, von jung bis alt, in Kundgebungen und öffentlichen Zusammenkünften durch die Straßen der Städte im ganzen Land. In vielen Jahren, so auch zuletzt, tragen Menschen ihre Nationalflaggen, religiöse Symbole und politische Botschaften durch die Straßen. Teilweise werden auch militärische Errungenschaften oder Errungenschaften „der Revolution“ hervorgehoben – wie Technologie oder sozialer Fortschritt – je nach Schwerpunkt der offiziellen Feierprogramme.

Dabei dient der Tag sowohl der Erinnerung an das historische Ereignis von 1979 als auch der politischen Kommunikation: Regierung und staatliche Institutionen nutzen ihn, um aktuelle Perspektiven auf nationale Einheit, Unabhängigkeit und geopolitische Positionen zu vermitteln.

Der 22. Bahman bleibt ein zentrales Datum im politischen Kalender Irans: ein Tag, der den historischen Sieg der Revolution markiert und zugleich eine Bühne für aktuelle nationale Nachrichten und politische Botschaften bietet.

30 Jahre Srebrenica – Genozid in Bosnien 1995

Heute, der 11. Juli ist der Jahrestag des Gedenkens an das Massaker von Srebrenica in Bosnien. In diesem Jahr betrauern wir genau 30 Jahre nach dem Genozid.

Im Bosnienkrieg haben im Jahr 1995 serbische Soldaten in Srebrenica 8.372 Bosniaken systematisch umgebracht. Sie trennten erst die Frauen und Mädchen von den Männern und Jungen und töteten diese dann. Die Verbrechen in diesem Krieg an der muslimischen Bevölkerung können kaum gezählt werden.

Es gibt unzählige Augenzeugenberichte von Männern, die dem Tod entrinnen konnten, von Frauen, die ihre Kinder verloren haben oder andere Verbrechen wie Vergewaltigungen oder Verstümmelungen erleiden mussten.

Es finden sich kaum Worte für die Taten die in diesem Krieg begangen wurden und es ist wichtig, dass diese Erinnerungen weitergetragen werden, damit sie eine Lehre für die Folgegenerationen bleiben.

Auch der Deutsche Bundestag erinnerte heute an den Genozid von Srebrenica.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sagte zu diesem Anlass:
„Mit brutaler Gewalt trennten die Angreifer Familien und deportierten Frauen Kinder und Alte. Männer und Jungen behielten sie zurück, um sie in den folgenden Tagen systematisch zu ermorden“

„Srebrenica war das schlimmste Kriegsverbrechen auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Völkermord war auch ein Scheitern der Vereinten Nationen, deren Friedenstruppen den Schutzsuchenden eben genau das nicht boten – Schutz.“

„Srebrenica steht daher auch für die Einsicht, dass die Durchsetzung von Menschenrechten konkretes, sehr konkretes Handeln verlangt.“

Diese Worte entsprechen durchaus der Wahrheit, jedoch wirken sie aus dem Mund deutscher Politiker am heutigen Tage wie dreiste Heuchelei von Mitgefühl und Menschlichkeit. Es sind leere Worte, von denen jedes einzelne ein Stich in jedes bosnische und palästinensische Herz ist. Es wirkt angesichts der Tatsache, dass in Palästina gerade Massaker an der palästinensischen Bevölkerung stattfindet, wie ein Schauspiel im Bundestag. Nach 5 Minuten Gedenkens und Worten der Anteilnahme, scheint das Thema Menschlichkeit abgehakt ist und meint damit, den Ermordeten, ihren Familien und dem grausamen Erbe des Genozids gerecht geworden zu sein. Doch was sehen wir im gleichen Atemzug heute?

Menschen werden in diesem Moment auf der Suche nach Nahrung gezielt erschossen, Kinder werden in Massen von Bomben ermordet, die von israelischen Drohnen und Kampfjets über Schulen und Zelten in Schutzzonen abgeworfen werden.

Nebenbei spricht die selbsternannte beste Demokratie der Welt – USA – den Gründer der al-Nusra-Front, einer Untergruppe von Al-Qaida in Syrien, Ahmad al-Scharaa (al-Jolani) und die syrische Regierung frei von Sanktionen und Strafverfolgung. Einen Mann, der Befehle gab, jesidische Frauen in Syrien zu versklaven und zu vergewaltigen und wahrscheinlich für den Tod und die Enthauptung von unzähligen Menschen verantwortlich ist.

Auf der anderen Seite sehen wir, wie Francesca Albanese, die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten Gebiete in Palästina, jetzt von den USA sanktioniert wird, weil sie auf den Genozid in Palästina hinweist, der von Israel verübt wird.

Das Fazit: Menschen, die sich gegen Gewalt, gegen Mord an Unschuldigen einsetzen, werden in der demokratischen westlichen Welt sanktioniert und nicht selten werden sie und ihre Familien bedroht (Chef-Ankläger Khan) und wird auch gewaltsam gegen sie vorgegangen.

Man ignoriert die Stimmen der Unterdrückten, die Seelen der Ermordeten und wird später, wenn es längst zu spät ist, von einem tragischen und grausamen Verbrechen sprechen, bei dem die internationale Gemeinschaft nicht gehandelt hat. Gaza ist schon heute ein zweites Srebrenica und jedes Opfer in Bosnien und Gaza wird die gleiche Geschichte erzählen: Wir riefen um Hilfe, riefen nach Nahrung und die Welt schaute zu, wie sie uns töteten.

Islam ist Nummer 1 an Schulen in Wien

Fast jedes zweite Kind in den Schulen von Wien gehört dem islamischen Glauben an. Mit 41,2 Prozent machen Muslime damit die größte religiöse Gruppe in den Schulen aus.1 Die Schlagzeile? Man stört sich an angeblich wachsender Intoleranz. Über wachsende Feindlichkeit gegenüber Muslimen gibt es hingegen keine Bedenken.2

Nur 34,5 Prozent der Schüler in Wien bekennen sich zum christlichen Glauben. Dem Judentum gehören 0,1 Prozent der Schüler an, ohne Bekenntnis sind 23 Prozent. Der Anteil muslimischer Schüler ist im Vergleich zum Vorjahr um knapp 2 Prozent gestiegen. Da muslimische Familien im Schnitt mehr Kinder zur Welt bringen als christlich geprägte Familien, wird der muslimische Anteil in der österreichischen Gesellschaft in Zukunft wahrscheinlich weiter steigen. In einigen Bundesländern in Deutschland teilt man dieses „Leid“. In vielen deutschen Großstädten wie Hamburg und Berlin ist ein großer Teil der Schülerschaft muslimisch, in wenigen öffentlichen Schulen liegt der prozentuale Anteil sogar bei 96 Prozent.3

Kritisiert wird auch in Deutschland, dass die Wert, die von den religiösen Schülern vertreten werden, teils nicht mit den Werten der Politik und Gesellschaft übereinstimmen würden. Das Problem wird hier aber typisch Deutsch fast ausschließlich bei den Kindern, ihren Familien und ihrer Religion gesucht und nicht bei der Politik, den Medien und dem Umgang mit den Muslimen und ihrer Religion. Dass den Muslimen ihre Religion sehr wichtig ist und sie die Werte ihrer Religion ernst nehmen sollte mit der vierten Generation Muslimen in Deutschland und Österreich nun kein Geheimnis mehr sein. Hier treffen zwei Gegenspieler aufeinander, die explosiv sind. Extremismus und Feindlichkeit in der gesamten Gesellschaft sind vorprogrammiert. Hier treffen „ernste Liebe zur Religion“ auf „Propaganda gegen den Islam in Politik und Medien“. Öl wird dann ins Feuer gekippt, wenn man die Doppelmoral der Führungsriege in Sport, Politik und Medien sieht. Sie streiten darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört, beanspruchen dann aber bei Erfolgsgeschichten junger Muslime in Sport und Gesellschaft den Erfolg fürs eigene so tolerante und vielfältige Land. In den Tagesthemen folgt dann die Schlagzeile steigender Kriminalität von Muslimen – Titelbild eine Frau mit Kopftuch oder ein Halbmond.

Hinzu kommt der Konflikt in Gaza/Palästina und im Libanon, in dem Deutschland eng an der Seite Israels steht und alle kritischen Stimmen gewaltsam und drohend Mundtot macht. Wenn muslimische Jugendliche durch diesen Stand extremistische Aussagen treffen und Positionen vertreten, sollte man sich nicht wundern. Eher sollte man sich ernsthaft die Frage stellen, wie sich Deutschland und Österreich demographisch in den kommenden 15 bis 20 Jahren entwickeln werden. Bekannt ist, dass die deutsche Bevölkerung älter wird, deutsche Familien weniger Kinder bekommen, muslimische Haushalte hingegen deutlich gebärfreudiger sind. Mit dem aktuellen politischen Kurs droht tatsächlich ein Kampf der Kulturen, statt einer florierenden Zukunft, in der alle Kulturen voneinander profitieren. Wahrscheinlich liegt das Problem hier auch beim Islam, oder?


  1. https://www.heute.at/s/in-wiens-klassen-ist-fast-jedes-zweite-kind-muslimisch-120102876 ↩︎
  2. Muslimfeindlichkeit hat auch Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung von Musliminnen und Muslime. So stimmen der Aussage „Muslime werden in Deutschland nicht als Teil der Gesellschaft anerkannt“ 14 % der muslimischen Religionsangehörigen voll und ganz zu und weitere 30 % eher zu. Es ist außerdem auffällig, dass Angehörige der zweiten Generation mehr Diskriminierung wahrnehmen als Angehörige der ersten Generation. Dieser Befund lässt sich u.a. dadurch erklären, dass die in Deutschland geborenen Musliminnen und Muslime sehr viel selbstverständlicher gesellschaftliche Akzeptanz erwarten und ihre Gleichbehandlung einfordern. Es gibt unter ihnen eine höhere Sensibilität gegenüber bleibenden Benachteiligungen. – https://www.deutsche-islam-konferenz.de/DE/DatenFakten/daten-fakten_node.html ↩︎
  3. https://www.focus.de/politik/deutschland/diesterweg-gymnasium-96-muslime-berliner-schule-kaempft-fuer-integration-unter-schwierigsten-umstaenden_id_10048130.html ↩︎

Ist Auschwitz Teil unserer Identität?

Für den Deutschen wird das jüdische Leben heiliger als das eigene und auch heiliger als jedes andere Leben. Ist das der richtige Weg? Unsere Politiker reiten uns mit ihren Aussagen Woche um Woche tiefer in eine angebliche Verantwortung, die in unseren Generationen keinen Platz hat.

Selbstverständlich ist es eine Katastrophe, wenn junge Menschen in Deutschland nicht angemessen über die Verbrechen Nazideutschlands aufgeklärt sind. Das zeigt nicht nur, wie wenig sich die deutsche Jugend für die eigene Geschichte interessiert, sondern auch deutlich, wie schlecht das deutsche Bildungssystem mittlerweile ist. Immerhin behandelt ein großer Teil des Geschichtslehrplans die NS-Zeit intensiv. Wenn allerdings regelmäßig in einigen Schulen Deutschlands Unterrichte wegen Lehrermangels ausfallen müssen, dann leidet sicher auch die Motivation, das Interesse und die allgemeine Bildung der Schüler darunter. Statt die Schuld ausschließlich bei der „so desinteressierten und verantwortungslosen Jugend“ zu suchen, sollte die deutsche Regierung darüber nachdenken, das Bildungssystem wieder aufzubauen – am besten mit finanziellen Mitteln – denn darin liegt unter anderem die Zukunft des Landes.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte bei der Holocoust-Gedenkveranstaltung dieses Jahr, was in den Konzentrationslagern passiert ist, sei „Teil unserer Geschichte und damit auch Teil unserer Identität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen“. Diese schrecklichen Taten sind definitiv Teil der deutschen Geschichte, aber absolut kein Teil der Identität der einzelnen Menschen. Das ist vor allem nicht der Fall, wenn dieser Satz allein auf Juden und Jüdinnen und Israel bezogen ist. „Nie wieder ist jetzt!“ darf nicht nur auf das jüdische Leben in dieser Welt bezogen sein. Wenn uns diese grausame Geschichte eines gelehrt haben sollte, dann, dass jede systematische Auslöschung von Menschenleben, jedes getötete Kinderherz, jede Vertreibung, jede Form von bewusst verursachten Traumata und jede Form von Terrorismus keinen Platz in dieser Welt haben – nie wieder nach 1945! Das sollte Teil unserer Identität sein.

Deutschland befindet sich damit in einem großen Drama. Auf der einen Seite die selbstauferlege unendliche und uneingeschränkte Unterstützung für Israel, auf der anderen Seite die eigenen Ansprüche des Festhaltens am internationalen Völkerrecht. Innerhalb der Bevölkerung wird aufgrund Israels Krieg in Gaza Kritik gegen Israel laut. Diese Kritik kann dank der am 7. November 2024 beschlossenen Antisemitismus-Resolution in jedem Fall als Antisemitismus gewertet werden. Wie sollen Muslime jedoch, mehr noch Palästinenser und Libanesen mit dem Verlust ihrer unschuldigen Familienmitglieder durch israelische Bomben umgehen? Wie sollen Jugendliche mit muslimischem Glauben mit dem Krieg umgehen? Ist die Erwartung der deutschen Regierung realistisch, dass dieser Teil der deutschen Bevölkerung sich nicht emotional an Demonstrationen gegen den Krieg beteiligt und keine Kritik an Israel und Deutschlands Politik äußert?

Der aktuelle Status der deutschen Migrationsgesellschaft ist ein deutliches Zeichen dafür, wie wenig Muslime sich als Teil der deutschen Gesellschaft sehen. So sehr deutsche Politiker den Migranten diesen Schuh anziehen wollen, so sind 65 Jahre Migrationsgeschichte und der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund, die Führungspositionen in Politik und Industrie besetzen ein Beweis dafür, dass Deutschland ein weiteres Mal komplett am Ziel vorbeigeschossen ist.