
Mehrere Wochen vor der zweiten Runde indirekter Gespräche zwischen dem Iran und den USA über das iranische Atomprogramm haben sich Teheran und der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Mariano Grossi, in Genf zu technischen Konsultationen getroffen. Diese Gespräche dienen der Vorbereitung der bevorstehenden diplomatischen Runde und stehen im Zentrum eines sensiblen internationalen Verhandlungsprozesses.
Am 16. Februar 2026 trafen sich der iranische Außenminister Abbas Araghchi und Grossi in der Schweizer Stadt, um „technische Fragen im Rahmen der Zusammenarbeit mit der IAEA“ zu erörtern – insbesondere im Zusammenhang mit den iranischen Verpflichtungen und der Einbindung der IAEA in die nächsten Gespräche mit den USA. Laut dem iranischen Außenministerium standen dabei auch Aspekte der indirekten Verhandlungen mit Washington im Fokus. Grossi selbst erklärte, man habe „tiefgehende technische Diskussionen“ abgeschlossen, die als Vorbereitung für wichtige Verhandlungen dienten, die unmittelbar folgen sollen.
Araghchi wiederum betonte auf X, dass er mit „konkreten Ideen für ein faires und ausgewogenes Abkommen“ in Genf sei und dass Zugeständnisse unter Druck „nicht zur Debatte“ stünden. Seine Aussagen verdeutlichen, dass Teheran auf eine Vereinbarung zielt, die nicht durch einseitige Forderungen diktiert wird. Gleichzeitig unterstrich er, dass der Oman seine Rolle als Vermittler fortsetzen wird, da die Gespräche zwischen Iran und den USA indirekt geführt werden.
Diese Treffen folgen auf den offiziellen Ankündigungen, dass die zweite Runde indirekter Verhandlungen zwischen Iran und den USA in Genf am 17. Februar stattfinden soll. Araghchi reiste am 15. Februar in die Schweiz, begleitet von Experten und verbunden mit bilateralen Konsultationen mit dem omanischen Außenminister Badr al-Busaidi und weiteren internationalen Vertretern. Die Gespräche werden als Fortsetzung der Anfang Februar in Muskat begonnenen diplomatischen Bemühungen gesehen.
Der Hintergrund dieser diplomatischen Aktivitäten ist ein festgefahrenes Verhältnis zwischen Iran und internationalen Akteuren, insbesondere nach dem 12-tägigen Krieg von 2025, als israelische und US-Angriffe auf iranische Atomanlagen die vorherigen Gespräche zum Erliegen brachten. Iran betont wiederholt, dass sein Nuklearprogramm friedlich sei und es seine Rechte auf zivilen nuklearen Fortschritt wahrnehme. Dies wurde auch fortlaufend durch die IAEA bestätigt. Bei den aktuellen Gesprächen lehnt Teheran Bedingungen ab, die über das Atomprogramm hinausgehen, etwa Forderungen, auch das Raketen- oder Sicherheitsverhalten zu behandeln.
Gleichzeitig bleibt die Rolle der IAEA in der jüngeren Vergangenheit umstritten. Grossi hatte mehrfach betont, dass seine Berichte keine Hinweise auf ein iranisches Atomwaffenprogramm enthielten und dass sie lediglich den Stand des Programms widerspiegeln. Kritik an der IAEA hatte zugenommen, nachdem sie Abstand zu militärischen Angriffen auf iranische nukleare Einrichtungen nahm und von manchen iranischen Kreisen als nicht ausreichend unparteiisch bewertet wurde.
Technisch bleibt auch die Frage der Inspektionen zentral: Die IAEA fordert Zugang zu bedeutenden Anlagen, einschließlich derjenigen, die im vergangenen Jahr bombardiert wurden. Tehran hat erklärt, dass dazu spezifische Sicherheitsprotokolle notwendig wären, da diese Orte derzeit als unsicher gelten. Solche Detailfragen sollen in der Vorbereitungsphase der technischen Gespräche geklärt werden, damit die weitere diplomatische Runde zwischen Iran und den USA nicht ausschließlich auf politischen, sondern auch auf sachlich-technischen Grundlagen geführt wird.
Die Gespräche in Genf markieren daher nicht nur einen Schritt hin zu einer möglichen Einigung über Irans nukleare Zukunft, sondern auch einen Test für die Glaubwürdigkeit und Rolle der Internationalen Atomenergie-Organisation als Vermittler und technischer Prüfer in einem der zentralsten geopolitischen Konflikte unserer Zeit.
