Der seit 2023 andauernde Krieg zwischen Israel und der Hamas hat unermessliches Leid über die Menschen im Gazastreifen gebracht. Trotz einer im Oktober 2025 vereinbarten fragilen Waffenruhe eskalierten die Gewalt und Angriffe weiterhin, darunter Luftangriffe und Schusswechsel, die erneut unzählige Todesopfer forderten — auch nach der Ankündigung des Board of Peace.

Vor diesem Hintergrund stellte der ehemalige US-Präsident Donald Trump diesen Januar den sogenannten „Board of Peace“ (deutsch: Friedensrat) für Gaza vor – eine Initiative, die als Herzstück seines 20-Punkte-Plans zur Beendigung des Gaza-Konflikts propagiert wird. Doch trotz der Namenswahl zeigt sich: Frieden bleibt auch nach Bildung dieses Gremiums unwirklich. Der Aufbau des Rats? Ohne Palästinenser.

Struktur und Mitglieder des Board of Peace

Das Board ist als dreistufiges Gremium angelegt und soll offiziell den Übergang von Krieg zu Stabilisierung und Wiederaufbau begleiten. Der Aufbau des Boards bringt aber bereits Zweifel auf, ob dies im Interesse und mit Beteiligung der Palästinenser geschehen wird.

1. Gründender Haupt-Board:
Dieses strategische Leitungsgremium umfasst mehrere prominente und politisch umstrittene Persönlichkeiten, darunter:

  • Donald Trump (Chair) mit Veto-Recht
  • Marco Rubio, US-Außenminister
  • Steve Witkoff, US-Sondergesandter
  • Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn
  • Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister
  • Marc Rowan, Investor
  • Ajay Banga, Weltbankpräsident
  • Robert Gabriel, US-Berater

2. Gaza Executive Board:
Dieses Untergremium soll die praktische Umsetzung vor Ort koordinieren. Es beinhaltet neben US-Vertretern auch Akteure aus der Region wie den türkischen Außenminister, den katarischen Diplomaten Ali Al-Thawadi, den ägyptischen Geheimdienstchef Hassan Rashad, die Emirati-Ministerin Reem Al-Hashimy und weitere internationale Akteure.

3. National Committee for the Administration of Gaza:
Ein rein technokratisch zusammengesetzter palästinensischer Ausschuss, der den täglichen Betrieb der öffentlichen Dienste in Gaza übernehmen soll.

Kritik aus verschiedenen Richtungen

Trotz dieses ausgefeilten Aufbaus gibt es breite Skepsis gegenüber dem Board:

  • Unklare Legitimität: Kritiker beschreiben das Board als stark von Washington dominiert oder sogar potenziell dazu geeignet, traditionelle multilaterale Strukturen wie die UNO zu untergraben.
  • Imperiale Tendenzen: Kommentatoren aus europäischen Medien kritisieren, dass der Rat eher einer „imperialen Kammer“ ähnelt als einem echten Friedensinstrument — insbesondere, weil die Ziele, Mandate und die Rolle Palästinenser kaum klar definiert seien und auch durch keine eigene Position vertreten wird.
  • Politisch umstrittene Mitglieder: Die Einbindung von Persönlichkeiten wie Tony Blair — der wegen seiner Rolle im Irak-Krieg stark umstritten ist — und Jared Kushner, der in der Region als Israel-nah gilt, trägt zur Kritik bei, dass das Gremium eine einseitige politische Ausrichtung habe. Ebenfalls ist der israelische Ministerpräsident Teil des Rats. Der Mann, der für die zehntausenden Toten Kinder, Frauen und Unschuldigen verantwortlich ist, soll mit über den Frieden und die Zukunft der Palästinenser in Gaza entscheiden.
  • Wenig Einfluss auf Realität vor Ort: Trotz des Namens „Board of Peace“ herrscht in Gaza weiterhin tägliche Gewalt, eingeschränkte humanitäre Versorgung und politische Unsicherheit; die vereinbarte Waffenruhe wird nicht durchgehend eingehalten und die humanitäre Lage bleibt kritisch. Medizinische Hilfsgüter werden weiterhin nur in stark begrenzter Stückzahl nach Gaza gelassen, obwohl mit der derzeitigen „Feuerpause“ notwendige Güter die Menschen sofort erreichen sollen.

Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Zusammensetzung des Boards, sondern auch gegen seine Zweckbestimmung: Während Trump und einige westliche Politiker das Gremium als mögliche Lösung für die Konflikte präsentieren, warnen Beobachter, dass es eher ein politisches Instrument als ein praktisches Friedenswerkzeug sei — eines, das weitreichende Macht in wenigen Händen bündelt und fundamentale politische Fragen vor Ort außen vor lässt.