Ökonomischer Zusammenbruch

Ein „Research Report“ (vom 25.1.22) der „Rand Corporation“, einem US-Think Tank, der als inoffizielle Denkfabrik des Pentagon gilt, macht deutlich, dass die militärischen und politischen Verbündeten der USA auf dem Weltmarkt auch zugleich die ökonomischen Konkurrenten der USA sind. Dabei wird zunächst richtig festgestellt, dass sich „das derzeitige deutsche Wirtschaftsmodell … auf zwei Säulen [stützt]. Diese sind der unbegrenzte Zugang zu billigen russischen Energieressourcen und zu billigem französischem Strom… Die Bedeutung des ersten Faktors ist wesentlich höher. Ein Stopp der russischen Lieferungen kann durchaus eine Systemkrise auslösen, die für die deutsche Wirtschaft … verheerend wäre.“ Das heißt auf gut Deutsch ein ökonomischer Zusammenbruch.

In den nächsten Monaten werden wir den Nieder- und möglicherweise sogar den Untergang des deutschen Erfolgsmodells erleben, denn der explosionsartige Anstieg der Energiepreise, bei dem zudem kein Ende in Aussicht ist, macht den ehemaligen Exportweltmeister auf dem Weltmarkt einfach nicht mehr konkurrenzfähig.

Es gibt nur eine Lösung

Deutsche Spitzenpolitiker reisen verzweifelt nach Katar, Norwegen, Kanada und jetzt Mexiko, um Ersatz für das russische Gas zu finden. Doch selbst wenn es in unabsehbarer Zeit gelingen sollte, das russ. Gas durch LNG zu ersetzen (wofür Deutschland Terminals und ca. 2000 Tanker bräuchte, nicht einmal 500 stehen derzeit weltweit zur kurzfristigen Beschaffung zur Verfügung), würde das eine Verfünffachung des Preises bedeuten. Die Produktion in Deutschland wird zu teuer, Unternehmen gehen pleite oder verlassen das Land. Das setzt eine Kettenreaktion in Gang, Insolvenzen bedeuten Kreditausfälle bei den Banken, die ihrerseits ins Schleudern geraten. Der Staat, dessen Ausgaben durch höhere Arbeitslosigkeit und Steuerausfälle soundso explodieren, muss Billionen zur Stützung bereitstellen, um den Kollaps kurzfristig zu vermeiden, was aber die Inflation nach oben treibt. Das wiederum zerstört die Kaufkraft im Land.

Dazu erneut die „RAND Corporation“: „Die kumulierten Verluste der deutschen Wirtschaft lassen sich nur ungefähr abschätzen. Selbst wenn die Beschränkung der russischen Lieferungen auf das Jahr 2022 begrenzt ist, die Folgen dauern mehrere Jahre an, und die Gesamtverluste könnten 200 bis 300 Milliarden Euro erreichen. Dies wird nicht nur der deutschen Wirtschaft einen verheerenden Schlag versetzen, sondern die gesamte EU-Wirtschaft wird unweigerlich zusammenbrechen.“ Dass dies vom US-Think Tank nicht unbedingt negativ gesehen wird, dürfte kaum überraschen, denn Deutschland und die EU werden ja auch als ökonomische Konkurrenten gesehen. CIA-Chef William Webster sprach nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion davon, dass die „bisherigen Verbündeten und jetzigen wirtschaftlichen Konkurrenten, vor allem Deutschland und Japan“ auch strategische Gegner seien, was aber von der Bundesregierung nicht realisiert wird.

Ohne eine vollständige Herstellung der Souveränität, die die Voraussetzung der Öffnung von Nord-Stream 2 ist, wird sich der Niedergang kaum aufhalten lassen.

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