Gestern, am 1. Weihnachtsfeiertag, spendete Papst Franziskus seinen traditionellen Segen „Urbi et Orbi“. Auffällig waren die Versuche der deutschen „Qualitätsmedien“, seine Weihnachtsbotschaft propagandistisch zu interpretieren und dementsprechend zu nutzen. Glaubt man den ersten Nachrichtensendungen, so hat der Papst hauptsächlich den „russischen Angriffskrieg“ gegen die Ukraine gegeißelt.

Doch man findet auch in dieser Weihnachtsbotschaft weder die Propagandafloskel vom „russischen Angriffskrieg“ noch eine Schuldzuweisung. Wortwörtlich sagte der Papst im Hinblick auf den Ukraine-Krieg: „Unser Blick möge die Gesichter unserer ukrainischen Brüder und Schwestern aufnehmen, die dieses Weihnachten im Dunkeln, in der Kälte oder weit weg von ihrem Zuhause erleben – aufgrund der Zerstörung, die zehn Monate Krieg verursacht haben“. Auch bat er Gott, „den Verstand jener zu erleuchten, die die Macht haben, die Waffen zum Schweigen zu bringen und diesem sinnlosen Krieg ein sofortiges Ende zu setzen.“ Bemerkenswerterweise sprach er von „anderen Schauplätzen dieses dritten Weltkriegs“ und er erinnerte u.a. an Syrien, Palästina oder den Jemen.

Druck wächst

Seit geraumer Zeit wird im Westen ein immenser Druck auf den Papst aufgebaut, das westliche Narrativ von der Alleinschuld Putins, das die Vorgeschichte des Konfliktes ausklammert, am Ukraine-Krieg zu übernehmen, sich dementsprechend zu erklären und sich somit auf die Seite der NATO zu stellen. Bisher hat er auch den Forderungen widerstanden nach Kiew zu reisen, um sich mit Selenski zu treffen und somit die Waffenlieferungen des Westens de facto „abzusegnen“ bzw. die Kriegsbeteiligung des Westens propagandistisch zu unterstützen.

Das Oberhaupt der Katholischen Kirche verwies vielmehr auf die Vorgeschichte des Konfliktes, indem er im Mai der NATO vorwarf, durch das „Bellen vor Russlands Tür“ Moskau provoziert zu haben. Doch der Druck wächst weiter. Vor einem Monat hatte er in einem Interview mit der US-amerikanischen Zeitschrift „America Magazine“, wo er wieder mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, warum er „den Aggressor“ bisher nicht eindeutig benannt habe, Tschetschenen und Burjaten für die Brutalität im Krieg in der Ukraine verantwortlich gemacht: „Wenn ich über die Ukraine spreche, dann spreche ich über die Grausamkeit, denn ich habe viele Informationen über die Grausamkeit der Truppen, die hierher kommen. Im Allgemeinen sind die Grausamsten vielleicht diejenigen, die zu Russland gehören, aber nicht der russischen Tradition angehören, wie die Tschetschenen, die Burjaten usw.“

Opfer der Propaganda

Tschetscheniens Präsident Kadyrow nannte die Aussagen von Franziskus daraufhin „eine Schande“. Der Papst sei ein „Opfer der Propaganda und der Beharrlichkeit ausländischer Medien“ geworden, so Kadyrow. „Es ist eine Schande für eine weltberühmte religiöse Persönlichkeit, die Haltung der Muslime gegenüber dem Feind nicht zu kennen.“ Für die Aussagen des Papstes hat sich der Vatikan inzwischen entschuldigt.

In der Tat scheint sich der Papst der westlichen Propaganda immer weniger entziehen zu können – hinzu kommt sein fortgeschrittenes Alter und wohl keine unabhängigen Informationsquellen.

Wie viele Divisionen hat der Papst?, hatte Stalin einst gefragt und damit ausdrücken wollen, dass der Papst nicht so bedeutend sei, womit er zur damaligen Zeit den geistigen Einfluss der Römischen Kirche unterschätzte. Die Bedeutung des Papstes mag zwar heutzutage in der Tat in Europa stark gesunken sein, dies trifft aber nicht unbedingt für Amerika, Teile Afrikas oder Asiens zu.