Am Rand eines Großkriegs: USA und Iran erhöhen den Druck

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben Ende Januar 2026 ein gefährliches Niveau erreicht. Beide Seiten senden unmissverständliche Signale militärischer Bereitschaft – ein Szenario, das nicht nur den Nahen Osten, sondern die gesamte Welt in einen offenen Großkonflikt ziehen könnte. Während Washington massive militärische Kräfte rund um den Iran zusammenzieht, versetzt Teheran seine Verteidigung in höchste Alarmbereitschaft und richtet deutliche Warnungen an die USA sowie an deren regionale Verbündete. Sie sind bereit, den Iran mit allen Mitteln zu verteidigen und werden im Kriegsfall Militärbasen in allen umliegenden arabischen Staaten angreifen.

Die US-Marine hat eine große Kriegsflotte in den Persischen Golf und angrenzende Gewässer verlegt, darunter Flugzeugträger, Zerstörer und Begleitschiffe. US-Vertreter sprechen von „Abschreckung“, während iranische Offizielle diese Truppenbewegungen als klare Kriegsvorbereitung interpretieren und vor direkten und weitreichenden Konsequenzen im Falle eines Angriffs warnen. Parallel dazu berichten mehrere Quellen von der Prüfung sogenannter „präziser Militärschläge“ durch Washington, während die militärische Präsenz kontinuierlich ausgebaut wird.

Der Iran reagiert nicht isoliert. Laut The National und Press TV haben Irans regionale Verbündete und Alliierten – darunter bewaffnete Gruppen im Libanon, Irak und Jemen – ihre Einsatzbereitschaft erhöht. Die libanesische Hisbollah erklärte, dass jede ernsthafte Schädigung der iranischen Führung als Angriff auf die gesamte „Achse des Widerstands“ gewertet würde, was einen regionalen Flächenbrand nach sich ziehen könne.

Auffällig ist jedoch die Haltung vieler arabischer Golfstaaten. Entgegen gängiger westlicher Narrative warnen mehrere Regierungen offen vor einem US-Militärschlag. Mehrere Golfstaaten haben Washington eindringlich davon abgeraten, den Iran anzugreifen. Die Begründung: Ein Krieg würde ihre Länder unmittelbar destabilisieren, Handelsrouten gefährden und sie selbst zu Zielen iranischer Vergeltung machen, da sie US-Militärbasen in ihren Ländern unterhalten.

Besonders deutlich äußerten sich die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie erklärten offiziell, dass sie weder ihr Territorium noch ihren Luftraum für Angriffe auf den Iran zur Verfügung stellen würden. Ähnliche Signale kommen aus weiteren muslimischen Ländern der Region, die zwar politisch eng mit den USA verbunden sind, einen Krieg jedoch als unkalkulierbares Risiko betrachten.

Demgegenüber stehen Berichte der Jerusalem Post und Middle East Eye, die unter Berufung auf israelische Quellen behaupten, Jordanien und die VAE könnten einen US-Angriff stillschweigend unterstützen. Diese Darstellung widerspricht jedoch den offiziellen Erklärungen der betroffenen Staaten selbst – ein Widerspruch, der deutlich macht, wie stark Informationslagen politisch gefärbt sind und wie unterschiedlich Interessenlagen interpretiert werden.

Fest steht: Während Militärflotten auf Angriff positioniert und Drohungen lauter werden, wächst in der Region die Sorge, dass ein einzelner Zwischenfall ausreichen könnte, um einen großflächigen Krieg auszulösen. Viele muslimische Länder warnen deshalb nicht aus Sympathie für Teheran, sondern aus nüchterner Selbsterhaltung: Ein Krieg gegen den Iran würde nicht isoliert bleiben – und niemand in der Region wäre davor sicher.

Trump’s „Board of Peace“ für Gaza – Frieden oder Übernahme?

Der seit 2023 andauernde Krieg zwischen Israel und der Hamas hat unermessliches Leid über die Menschen im Gazastreifen gebracht. Trotz einer im Oktober 2025 vereinbarten fragilen Waffenruhe eskalierten die Gewalt und Angriffe weiterhin, darunter Luftangriffe und Schusswechsel, die erneut unzählige Todesopfer forderten — auch nach der Ankündigung des Board of Peace.

Vor diesem Hintergrund stellte der ehemalige US-Präsident Donald Trump diesen Januar den sogenannten „Board of Peace“ (deutsch: Friedensrat) für Gaza vor – eine Initiative, die als Herzstück seines 20-Punkte-Plans zur Beendigung des Gaza-Konflikts propagiert wird. Doch trotz der Namenswahl zeigt sich: Frieden bleibt auch nach Bildung dieses Gremiums unwirklich. Der Aufbau des Rats? Ohne Palästinenser.

Struktur und Mitglieder des Board of Peace

Das Board ist als dreistufiges Gremium angelegt und soll offiziell den Übergang von Krieg zu Stabilisierung und Wiederaufbau begleiten. Der Aufbau des Boards bringt aber bereits Zweifel auf, ob dies im Interesse und mit Beteiligung der Palästinenser geschehen wird.

1. Gründender Haupt-Board:
Dieses strategische Leitungsgremium umfasst mehrere prominente und politisch umstrittene Persönlichkeiten, darunter:

  • Donald Trump (Chair) mit Veto-Recht
  • Marco Rubio, US-Außenminister
  • Steve Witkoff, US-Sondergesandter
  • Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn
  • Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister
  • Marc Rowan, Investor
  • Ajay Banga, Weltbankpräsident
  • Robert Gabriel, US-Berater

2. Gaza Executive Board:
Dieses Untergremium soll die praktische Umsetzung vor Ort koordinieren. Es beinhaltet neben US-Vertretern auch Akteure aus der Region wie den türkischen Außenminister, den katarischen Diplomaten Ali Al-Thawadi, den ägyptischen Geheimdienstchef Hassan Rashad, die Emirati-Ministerin Reem Al-Hashimy und weitere internationale Akteure.

3. National Committee for the Administration of Gaza:
Ein rein technokratisch zusammengesetzter palästinensischer Ausschuss, der den täglichen Betrieb der öffentlichen Dienste in Gaza übernehmen soll.

Kritik aus verschiedenen Richtungen

Trotz dieses ausgefeilten Aufbaus gibt es breite Skepsis gegenüber dem Board:

  • Unklare Legitimität: Kritiker beschreiben das Board als stark von Washington dominiert oder sogar potenziell dazu geeignet, traditionelle multilaterale Strukturen wie die UNO zu untergraben.
  • Imperiale Tendenzen: Kommentatoren aus europäischen Medien kritisieren, dass der Rat eher einer „imperialen Kammer“ ähnelt als einem echten Friedensinstrument — insbesondere, weil die Ziele, Mandate und die Rolle Palästinenser kaum klar definiert seien und auch durch keine eigene Position vertreten wird.
  • Politisch umstrittene Mitglieder: Die Einbindung von Persönlichkeiten wie Tony Blair — der wegen seiner Rolle im Irak-Krieg stark umstritten ist — und Jared Kushner, der in der Region als Israel-nah gilt, trägt zur Kritik bei, dass das Gremium eine einseitige politische Ausrichtung habe. Ebenfalls ist der israelische Ministerpräsident Teil des Rats. Der Mann, der für die zehntausenden Toten Kinder, Frauen und Unschuldigen verantwortlich ist, soll mit über den Frieden und die Zukunft der Palästinenser in Gaza entscheiden.
  • Wenig Einfluss auf Realität vor Ort: Trotz des Namens „Board of Peace“ herrscht in Gaza weiterhin tägliche Gewalt, eingeschränkte humanitäre Versorgung und politische Unsicherheit; die vereinbarte Waffenruhe wird nicht durchgehend eingehalten und die humanitäre Lage bleibt kritisch. Medizinische Hilfsgüter werden weiterhin nur in stark begrenzter Stückzahl nach Gaza gelassen, obwohl mit der derzeitigen „Feuerpause“ notwendige Güter die Menschen sofort erreichen sollen.

Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Zusammensetzung des Boards, sondern auch gegen seine Zweckbestimmung: Während Trump und einige westliche Politiker das Gremium als mögliche Lösung für die Konflikte präsentieren, warnen Beobachter, dass es eher ein politisches Instrument als ein praktisches Friedenswerkzeug sei — eines, das weitreichende Macht in wenigen Händen bündelt und fundamentale politische Fragen vor Ort außen vor lässt.

Proteste im Iran – Die Doppelmoral des Westens

Iran: Vom legitimen Protest zur Gewalt und Doppelmoral des Westens

Die Proteste im Iran begannen – wie auch deutsche Regierungsstellen bestätigen – als legitime Reaktion auf eine dramatische Wirtschaftskrise und den Absturz der Währung Rial, der den Druck auf große Teile der Bevölkerung stark erhöhte. Laut der Bundesregierung löste der Einbruch der Wirtschaft und die daraus resultierende soziale Not die Demonstrationen aus, die sich binnen weniger Tage landesweit ausweiteten.

Was in vielen westlichen Medienberichten jedoch weitgehend fehlt, ist ein klarer Blick auf die Entwicklung der Unruhen: Zwar gab es zahllose friedliche Demonstrationen gegen Armut, Korruption und die sich immer weiter verschlechternde wirtschaftliche Lage im Land, doch die Dynamik vor Ort war komplexer. In mehreren Regionen übernahmen bewaffnete Gruppen Teile der Protestbewegung. Sie lieferten sich Schusswechsel mit Sicherheitskräften, töteten und verletzten Menschen, zündeten nicht nur staatliche Einrichtungen, sondern auch private Gebäude und Moscheen an und trugen so zur Eskalation bei.

Der Iran bestätigte selbst die Festnahme mehrerer ausländischer Akteure, darunter zwei mutmaßliche Mitglieder der Mujahedin-e Khalq Organisation (MKO), deren Handlungen laut iranischer Sicherheitsbehörden in direktem Zusammenhang mit auslandsgesteuerten Unruhen stehen. Diese und weitere Gruppen sollen unter anderem Waffen und Kommunikationsmittel beschafft haben, um gewaltsame Aktionen zu koordinieren, einschließlich Schießereien auf Sicherheitskräfte und versuchte Angriffe auf Polizeistationen.

Parallel zu diesen Festnahmen berichten iranische Kräfte von Agenten westlicher Geheimdienste vor Ort. Ein ranghoher israelischer Minister erklärte öffentlich, dass israelische Agenten innerhalb Irans aktiv seien und bekräftigte, dass solche Einsätze bereits während früherer Konflikte stattgefunden hätten.

Trotz dieser belegten Hinweise auf externe Einflussnahme und Gewalt werden in deutschen Berichten die Proteste überwiegend als friedliche Volksbewegung dargestellt. Von den Schusswechseln und der organisierten Gewalt gegenüber Sicherheitskräften und der Bevölkerung fehlt jedes Wort. Offizielle Statements der Bundesregierung betonen die friedlichen Protestierenden und verurteilen ausschließlich das harte Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte ohne differenzierte Analyse der lokalen Gewaltakteure. Statements, wie die des CIA-Direktors Mike Pompeo „Ein frohes neues Jahr an alle Iraner auf den Straßen. Ebenso an jeden Mossad-Agenten, der an ihrer Seite geht.“ Bleiben unbeachtet und könnten damit als Befürwortung und Legitimierung gedeutet werden.

Die Medienberichterstattung in Deutschland (vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk) reflektiert nicht immer diese Komplexität. Sie fokussiert stark auf staatliche Gewalt und mögliche Menschenrechtsverletzungen durch den Iran, verschweigt oder relativiert aber im gleichen Atemzug schwerwiegende Fakten über bewaffnete Unruhestifter und ausländische Agenten, die an der Eskalation beteiligt sind. Diese Tendenz führt zu einer einseitigen Wahrnehmung des Konflikts – und verstärkt so ein Narrativ, das der Realität vor Ort nur unzureichend gerecht wird. Der Eindruck wird geformt, dass westliche Medien und Politik die wahren Geschehnisse nicht fair betrachten und somit nicht aus Menschenrechtsinteressen einen Systemwechsel fordern, sondern aus eigenen Wirtschafts- und Machtinteressen. Dies stünde im Widerspruch mit ihren eigenen Worten und Werten.

Die Freude des Westens gilt nur Israel

Ein Geständnis der Komplizenschaft am Genozid

Der Sprecher der Bundesregierung begann die Bundespressekonferenz am Montag, den 13. Oktober mit Anteilname, die nur und ausschließlich den israelischen Geiseln und ihren Familien galt. Nicht mit einem Wort galt diese Anteilnahme den freigelassenen Palästinensern. Die meisten von ihnen muss man ebenfalls als Geiseln bezeichnen, denn sie wurden nicht anders ihrer Freiheit beraubt wie viele der israelischen Geiseln am 07. Oktober 2023. Ebenfalls wird keine Trauer bekundet gegenüber den über 70.000 getöteten Palästinensern, von denen die meisten Frauen und Kinder. Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft am Genozid?

Während das Thema Israel-Palästina in der Bundespressekonferenz besprochen wird, nennt der Sprecher immer wieder die Freilassung der 20 israelischen Geiseln als Grund zur Freude, jedoch nicht die Freilassung der vielen zu Unrecht inhaftierten/in Geiselhaft genommenen Palästinenser. Ein deutliches Muster in der westlichen Propaganda, aber auch in der geheuchelten Empathie gegenüber allen Menschen. Der Westen legte den Fokus in den vergangenen zwei Jahren fast ausschließlich auf die israelischen Geiseln, die nun endgültig von der Hamas freigelassen wurden. Die Geschichte von ihrer Freiheit und die ihrer Familien wird menschlich und umfangreich unter Tränen erzählt. Die Tränen der Freude über die Rückkehr palästinensischer Väter, Ehemänner und Söhne aus israelischer Folter- und Administrativhaft bleiben unbeschrieben und unbekannt. Diese Geschichten werden vor allem in Deutschland kaum beschrieben, fast bewusst ausgelassen und nicht wahrgenommen, obwohl viele Palästinenser, die in Deutschland leben, zu den direkten Betroffenen Familienmitgliedern gehören. Man nimmt das Leid eines Teils der eigenen Bevölkerung bewusst nicht wahr, erdrückt und erstickt es scheinbar, um den besten Freund Israel nicht zu erzürnen. Wem dient der Staat, wenn die Anteilnahme und Freude nur einer Seite gilt? Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft?

Auch wenn 2000 Palästinenser aus der israelischen Geiselhaft freigelassen wurden, verbleiben fast 11.000 weiterhin in israelischen Händen – die meisten von ihnen in so genannter Administrativhaft. Eine Haft ohne Anklage, ohne Prozess, ohne Zugriff auf einen Anwalt – entrissen aus ihren Häusern und von ihren Familien, weil sie Palästinenser sind, Erwachsene oder Kinder. Darüber kein Wort anklagendes Wort in deutschen Medien, kein Wort von Seiten der Regierung. Es klingt, als feiere man einen Frieden für Israel und die Palästinenser sollen mal glücklich sein, dass es ein Ende hat.

 Weiterhin „sollen alle ihren Verpflichtungen in diesem Frieden nachkommen“. Da kommt die Frage auf: Wird Israel sich an den Waffenstillstand halten? Das haben sie im Libanon von Tag 1 an nicht getan. Täglich wird der Waffenstillstand an der nördlichen Grenze Israels gebrochen, wöchentlich werden Menschen von israelischen Drohnen und Bomben umgebracht. Kaum ein Wort davon in deutschen Medien, keine Kritik von Regierungsseite. Es wird totgeschwiegen. Zudem sei gesagt, dass sie Israel auch zuvor nicht an Waffenruhen in Gaza gehalten hat. Wen muss man also zur Einhaltung der Verpflichtungen ermahnen?

Und in der Freude spricht der Bundeskanzler wieder darüber, Kriegswaffen an Israel zu liefern, obwohl die Waffenruhe noch keine Woche gilt. Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft?

Donald Trump gab zudem am 13. Oktober in der Knesset eine Ansprache. Darin bat er den amtierenden israelischen Präsidenten Isaac Herzog, den wegen Korruption angeklagten Präsidenten Benjamin Netanjahu zu begnadigen, „weil es einfach so viel Sinn ergibt. Er (Netanjahu) ist einer der großartigsten Präsidenten in Zeiten des Krieges“. Dieser Bitte folgte stehender Applaus und „Bibi“-Rufe von Seiten der anwesenden Minister. Eine Verhöhnung der Menschenrechte, der Palästinenser und aller Opfer auf syrischer, libanesischer, iranischer und jemenitischer Seite.

US-Präsident Trump betonte in seiner Rede ebenfalls, wie oft Netanjahu ihn anrief, um verschiedenste Waffen zu bestellen, die man, „weil sie wahrlich die besten sind“, immer lieferte. „Und ihr habt sie gut genutzt. Dazu braucht es natürlich Personen, die wissen, wie man sie nutzt und du (Netanjahu) hast sie offensichtlich sehr gut genutzt“, ergänzte Trump daraufhin. Mindestens 70.000 tote Zivilisten, viele darunter Frauen und Kinder, über 90% von Gazas gesamter Infrastruktur zerstört, nennt der US-Präsident und gute Freund Netanjahus „gute Nutzung“. Eine weitere verhöhnende Aussage, die in der Knesset mit Applaus und Gelächter gefeiert wird. „Das ist, was Israel so stark und mächtig machte und was am Ende zu Frieden führte.“

Ein deutliches Geständnis der Komplizenschaft am Genozid.

Mehr als ein Jahr seit dem Mord an Hind Rajab

Erinnerung an ein ungelöstes Verbrechen

Am 29. Januar 2024 wurde die damals sechsjährige Hind Rajab auf der Flucht aus Gaza Stadt ermordet – beschossen von einem israelischen Panzer. Die Szenen ihres letzten Hilferufs gingen um die Welt: ein Kind gefangen in einem Auto unter Beschuss, weinend, flehend und voller Angst zwischen ihren bereits toten Verwandten. Ihre Stimme hallt bis heute als Zeugnis eines unfassbaren Verbrechens nach. Nicht jedoch in den Ohren der Politik. Das Verbrechen scheint vergessen.

Die Tragödie und ihre filmische Aufarbeitung

Was war geschehen? Die israelische Armee rief zur Evakuierung von Gaza Stadt auf. Alle Zivilisten müssen bestimmte Bereiche verlassen, die nun als aktive Kriegszonen gelten. Die Route von Hinds Familie war durch ein zusammengefallenes Gebäude blockiert. Der Onkel drehte das Auto, fuhr einige hundert Meter nach Norden. Dann geschah es. Das Auto wurde zusammen mit Hind und mehreren Familienmitgliedern von einem israelischen Panzer beschossen. Ihre Cousine Layan überlebte den ersten Einschlag, rief die Palestine Red Crescent Society, doch der Kontakt brach ab. Layan starb neben ihrer Cousine Hind. Hind blieb am anderen Ende der Leitung, allein – Stunden vergingen. Die Sanitäter klärten die Route und die Rettungsaktion mit dem israelischen Militär ab und bekommen grünes Licht. Als sie sich dem Auto von Hind nähern, schießt der Panzer erneut. Erst nach zwölf Tagen wurden Hind und die eingesetzten Sanitäter tot aufgefunden. Untersuchungen deuten auf eine gezielte Tötung hin: das Fahrzeug war von hunderten Kugeln durchlöchert, der Rettungswagen durch eine amerikanische Panzergranate zerstört. Ein mögliches Kriegsverbrechen, so unabhängige Experten des UN-Menschenrechtsbüros (OHCHR).

Als filmisches Gedenken entstand “The Voice of Hind Rajab” unter der Regie von Kaouther Ben Hania. Der Film lässt fast ausschließlich Hind’s letzten Anruf in einem PRCS-Callcenter und die Reaktionen der Rettungskräfte hören – ein dokumentarisches Drama ohne visuelle Darstellung der Gewalttat. Er feiert seine Premiere beim Festival von Venedig 2025 und wurde als Tunesiens Oscar-Beitrag eingereicht.

Initiativen gegen Straflosigkeit

In Brüssel hat die Hind Rajab Foundation Klage beim Internationalen Strafgerichtshof (ICC) eingereicht – gegen jene Militärangehörigen, die den Angriff befohlen haben sollen. Bisher bleiben geforderte Untersuchungen und Aufklärungen ohne Ergebnis. Ein grausames Zeichen gegen die Menschlichkeit und ein Freibrief für Israel.

Während Kunst und Zivilgesellschaft aktiv werden, bleibt die Regierung in Berlin – wie auch die internationale Politikgemeinschaft – bei milden Worten stehen. Im gleichen Atemzug, in dem Menschenrechtsorganisationen eine sich zuspitzende Katastrophe dokumentieren, verweigert sich die Politik konsequenter Maßnahmen. Die Opferstatistik ist klar: In Gaza werden im Schnitt 28 Kinder täglich getötet – seit Beginn des Krieges über 18.000.

Unaufgeklärtes Verbrechen: Ein Kriegsjahrestag ohne Gerechtigkeit

Mehr als ein Jahr nach dem Mord an Hind Rajab steht fest: Niemand wurde für ihr Todesopfer zur Verantwortung gezogen. Diese Untätigkeit steht in scharfem Kontrast zu globalen Slogans wie „Nie wieder“ oder „Waffenstillstand jetzt“. Deutschland könnte gerade an dieser Stelle politischen Druck aufbauen, etwa durch Handelsstopps oder Sanktionen – doch bislang bleibt es bei Appellen.

Hind Rajab ist mehr als nur ein weiteres Opfer: Sie ist ein Symbol für das Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung – und zugleich ein Mahnmal, wie unzureichend Rechenschaft hergestellt wird. Solange führende Staaten schweigen oder sich mit unverbindlichen Formulierungen begnügen, bleibt der Eindruck: Ein Blankocheck für das Töten ist erlaubt – für Israel und solange es politisch opportun ist. Und damit setzt sich der Kreislauf fort.

Global Sumud Flotilla: Von Barcelona nach Gaza

Von Barcelonas Hafen aus ist am Sonntag die Global Sumud Flotilla in See gestochen. Es ist der bislang größte Versuch, die seit 18 Jahren bestehende Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Rund 5.000 Menschen aus über 30 Ländern unterstützen die Mission. An Bord der Schiffe befinden sich humanitäre Güter, medizinische Hilfsmittel und symbolische Delegationen, darunter auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie betonte vor der Abreise, dass es darum gehe, „das Schweigen zu brechen“ und den eingeschlossenen Menschen in Gaza Hoffnung und konkrete Hilfe zu bringen.

Die Initiative wird von Aktivisten als „globales Symbol des Widerstands“ beschrieben. Sie ist die größte Flottille, die jemals den Versuch unternahm, Israels Abriegelung von Gaza zu überwinden. Unter den Teilnehmenden finden sich Vertreter von Menschenrechtsgruppen, Ärzte, Geistliche und Politiker.

Die Realität in Gaza: Zerstörung, Hunger, Tod

Die Dringlichkeit dieser Mission wird durch die aktuelle Lage im Gazastreifen unterstrichen. Allein in den letzten 24 Stunden töteten israelische Angriffe mindestens 78 Menschen in verschiedenen Teilen des Gazastreifens. Gaza-Stadt werde Stück für Stück „zu Feldern aus Schutt“ reduziert. Scheinbar ein Unternehmen der israelischen Regierung, um den Menschen in Gaza weiter die Hoffnung zu rauben. Je wieder zurück in ihre Häuser und in ihr normales Leben zurückzukehren.

Noch dramatischer: Laut Ärzte ohne Grenzen wurde ein Wassertransporter beschossen, während Zivilisten in der Hitze Wasser sammelten. Mehrere Menschen starben, andere wurden verletzt. Ein Vertreter der Organisation sprach von einem „brutalen Schlag gegen Menschen, die um das nackte Überleben kämpfen“. Solche gezielten Angriffe auf lebensnotwendige Infrastruktur lassen den Begriff „humanitäre Krise“ längst unzureichend erscheinen. In den deutschen Medien findet sich zu diesem grausamen Vorfall kein Bericht und keine Empörung. Auch deutsche Politiker verurteilten diesen Angriff nicht. Die Masse an Angriffen und Gräueltaten scheint bereit ein Fakt zu sein, über den man nicht mehr berichten braucht und den man täglich einfach hinnimmt.

Opferzahlen der vergangenen Woche

Die Zahlen der letzten sieben Tage verdeutlichen die systematische Dimension der Gewalt:

  • Montag: 70 Tote
  • Dienstag: 61 Tote
  • Mittwoch: 144 Tote
  • Donnerstag: 69 Tote
  • Freitag: 82 Tote
  • Samstag: 120 Tote
  • Sonntag: 51 Tote

Diese erschütternden Zahlen wurden von unabhängigen Beobachtern dokumentiert und verbreitet. Sie machen deutlich: In Gaza sterben Tag für Tag dutzende Zivilisten, viele davon Kinder und Frauen, teils unter den Augen der Weltöffentlichkeit.

Politische Reaktionen – oder das Fehlen derselben

Während die Schiffe der Global Sumud Flotilla Kurs auf Gaza nehmen, bleibt die internationale Staatengemeinschaft bei reinen Appellen. Al Jazeera spricht von einem „Schweigen der Mächtigen“, das an Zynismus grenzt. Zwar äußern Regierungen Besorgnis, doch keine Sanktionen, kein politischer Druck folgen den Erklärungen. Auch die EU bleibt bei Mahnungen, während die Lage vor Ort täglich eskaliert.

Hier entsteht ein deutlicher Widerspruch: Während Aktivisten aus aller Welt ihre körperliche Unversehrtheit riskieren, um humanitäre Hilfe durchzubringen, beschränken sich Regierungen darauf, Israels Vorgehen rhetorisch „kritisch zu begleiten“, ohne Konsequenzen folgen zu lassen. Völkermord geht demnach einfach durch. Die internationale Politik versagt in ihrem Grundsatz der Gerechtigkeit und des Schutzes der Menschen.

Fazit: Hoffnung und Doppelmoral

Die Global Sumud Flotilla ist ein starkes Symbol für internationalen Widerstand gegen eine Blockade, die längst als kollektive Bestrafung und damit als Bruch des Völkerrechts gilt. Doch während die Schiffe aus Barcelona auslaufen, sterben in Gaza täglich Menschen – durch Bomben, Hunger oder gezielte Angriffe auf Hilfslieferungen.

Die Botschaft der Flottille lautet: Die Welt darf nicht länger zuschauen. Doch die Realität zeigt: Bisher tut sie genau das. Sie schauen zu, Live im Fernsehen und auf ihren Smartphones. Die westliche Politikgemeinschaft schweigt oder rechtfertigt – und überlässt es mutigen Aktivisten, den Versuch zu unternehmen, wenigstens einen Hoffnungsschimmer nach Gaza zu tragen.