Die Tötung Larijanis – gezielte Angriffe auf Staatsvertreter: Die Frage nach Doppelmoral

Die Tötung des iranischen Politikers und Sicherheitsfunktionärs Ali Larijani hat die Spannungen im Nahen Osten weiter verschärft. Larijani wurde im Rahmen einer US-israelischen Angriffswelle getötet. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie gezielter Angriffe auf hochrangige iranische Persönlichkeiten in den vergangenen Wochen.

Während solche Operationen von den beteiligten Staaten als militärisch notwendig oder strategisch gerechtfertigt dargestellt werden, wirft der Fall grundlegende Fragen auf: Seit wann gilt die gezielte Tötung von Staatsvertretern eines anderen Landes als legitimes Mittel internationaler Politik?

Nach Einschätzung iranischer Vertreter wird die Tötung Larijanis das politische System des Landes nicht destabilisieren. Vielmehr sei die Struktur des Staates darauf ausgelegt, Verluste in der Führungsebene zu kompensieren. Weitere Einschätzungen beschreiben, dass die Widerstandsstrukturen des Irans nicht an einzelne Personen gebunden seien und daher nicht durch gezielte „Enthauptungsschläge“ zerschlagen werden könnten.

Damit stellt sich die Frage nach der tatsächlichen Wirkung solcher Angriffe. Wenn die erklärten Ziele – etwa die Schwächung oder Destabilisierung eines Staates – nicht erreicht werden, bleibt vor allem ihre symbolische und politische Dimension. Kritiker sehen darin weniger eine militärische Notwendigkeit als vielmehr eine Machtdemonstration.

Gleichzeitig zeigt sich eine auffällige Zurückhaltung in der internationalen Reaktion. Eine breite und eindeutige Verurteilung dieser Praxis bleibt bislang aus. Dabei geht es nicht nur um einen Einzelfall, sondern um ein Muster: Die gezielte Tötung politischer und militärischer Führungspersonen anderer Staaten wird scheinbar zunehmend als akzeptiertes Instrument dargestellt – zumindest dann, wenn sie von bestimmten Akteuren durchgeführt wird. Wohin führt uns diese Doppelmoral in der politischen Welt? Vor allem, wenn die angegriffene Partei im Vorlauf der Tötung und des Krieges mehrfach konstruktiv und zielführend an diplomatischen Lösungen gearbeitet hat – auf Wunsch des Angreifers.

Die Ermordung Larijanis findet ihren Platz in einer Reihe von kriminellen Machenschaften und Plänen der Trump-Regierung. Von der Liquidierung von iranischen Wissenschaftlern und offiziellen Militärs im 12-Tage Krieg 2025, zur Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro, hin zur Ermordung des religiösen Oberhaupts von Millionen von Schiiten weltweit – Sayyid Ali Khamenei und seiner Familie, bis hin zur Ermordung von nun Dr. Ali Larijani. Als nächstes stehen weitere iranische Offizielle auf der Liste, genauso wie die kubanische Führung.

Diese Entwicklung wirft eine zentrale Gegenfrage auf: Wie würde die internationale Gemeinschaft reagieren, wenn Staaten wie China, Russland oder auch der Iran selbst gezielt Regierungsmitglieder westlicher Länder angreifen und töten würden – mit der Begründung, diese stellten eine Bedrohung dar?

Die Antwort darauf scheint klar: Ein solches Vorgehen würde im westlichen Diskurs sehr wahrscheinlich unmittelbar als „Terrorismus“ eingeordnet werden. Genau hier sehen Kritiker eine deutliche Doppelmoral in der Bewertung internationaler Gewaltanwendung.

Der Fall macht damit ein grundlegendes Problem sichtbar: Wenn internationale Normen selektiv angewendet oder nicht durchgesetzt werden, entsteht der Eindruck, dass nicht das Recht, sondern Macht darüber entscheidet, was erlaubt ist. Die Tötung eines Staatsvertreters wird so nicht nur zu einem militärischen Ereignis – sondern zu einem Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der internationalen Ordnung und des internationalen Völkerrechts.

Kinder als Opfer moderner Kriege: Die unbeantwortete Frage nach Verantwortung

Kinder gehören zu den tragischsten Opfern bewaffneter Konflikte. Doch mehrere aktuelle Berichte über militärische Operationen der USA und Israels im Nahen Osten werfen eine schwerwiegende Frage auf: Warum bleiben viele dieser gezielten Tötungen von Kindern international weitgehend ohne juristische Konsequenzen oder umfassende Aufarbeitung?

Im Angriff auf die Schule im iranischen Minab am ersten Tag des aktuellen Krieges wurden über 160 Kinder getötet. Ein Paradebeispiel für das Versagen der internationalen Gemeinschaft, Kriegsverbrechen konsequent zu verfolgen und anzuklagen. Ermittlungen und Sanktionen? Scheinbar fehl am Platz. Auch Verurteilungen westlicher Regierungen gibt es kaum – vor allem die deutsche Regierung verhielt sich gegenüber seinen Verbündeten still. Dies fördert das Gefühl von Straflosigkeit der Mächtigen bei solchen Taten. Kommen Israel und die USA wirklich mit allen Völkerrechtsverbrechen davon?

Auch im Gazastreifen zeigen mehrere dokumentierte Fälle, wie Kinder in Konflikten zu direkten Opfern werden. Der Tod der sechsjährigen Hind Rajab erregte weltweit Aufmerksamkeit. Das Mädchen befand sich mit Familienangehörigen in einem Fahrzeug, das unter Beschuss geriet. Laut Berichten hatten die israelischen Soldaten im Panzer direkten Sichtkontakt zu dem Fahrzeug. Dies hinderte sie nicht daran, die Familie mit kleinen Kindern zu töten. Der Leichnam von Hind Rajab wurde erst Tage später gefunden. Der Vorfall löste internationale Empörung aus und führte zu Fragen nach der Verantwortung der beteiligten militärischen Einheiten. Bis heute wurde allerdings weder der israelische Staat, noch die verantwortlichen Soldaten zur Rechenschaft gezogen.

Parallel dazu dokumentieren Recherchen die systematische Zerstörung von Bildungsinfrastruktur im Gazastreifen. Schulen und Universitäten seien wiederholt Ziel von Angriffen geworden oder durch Bombardierungen zerstört worden. Familien berichteten, dass es für Kinder in vielen Teilen des Gazastreifens praktisch keinen sicheren Ort mehr gebe – selbst Bildungseinrichtungen, die traditionell als Schutzräume gelten, seien nicht mehr sicher.

Diese Ereignisse werfen grundsätzliche Fragen nach der internationalen Reaktion auf. Während Kriegsverbrechen weltweit verurteilt werden sollen, kritisieren einige Beobachter, dass geopolitische Machtverhältnisse beeinflussen könnten, wie schnell und entschieden internationale Institutionen reagieren.

Diese Kritik wird auch in kulturellen und politischen Foren aufgegriffen. Bei der Verleihung des Goldenen Bären auf der Berlin International Film Festival erinnerten Redner an das Leid von Kindern in Gaza und im Libanon und forderten größere Aufmerksamkeit für die humanitären Folgen der Konflikte. Auch im Libanon wurden in den letzten drei Jahren immer wieder Familien mit Kindern unter Beschuss genommen, auch nach dem Waffenstillstandsabkommen. Von Verurteilung und Strafverfolgung fehlt bisher jede Spur.

Die zentrale Frage bleibt jedoch bestehen: Wenn Kinder zu Opfern militärischer Gewalt werden – unabhängig davon, wer die Angriffe ausführt – wer sorgt für Aufklärung und Verantwortung? Solange diese Frage unbeantwortet bleibt, warnen Beobachter, könnte die Wahrnehmung entstehen, dass internationale Normen zwar existieren, ihre Durchsetzung jedoch stark von politischer Macht und globalen Interessen abhängt. Die Mächtigen bleiben ungestraft. Dies gilt nicht nur für die militärischen Konflikte, sondern offenkundig auch für Macht-Eliten in zivilen Strukturen – Stichwort Epstein-Files.

Iran ernennt Ayatollah Sayyid Mojtaba Khamenei zum neuen Führer

Der Iran hat einen neuen Obersten Führer: Sayyid Mojtaba Khamenei wurde von der Versammlung der Experten zum dritten Führer der Islamischen Republik ernannt. Die Entscheidung erfolgte wenige Tage nach dem Tod seines Vaters Sayyid Ali Khamenei, der nach Berichten während der ersten Angriffswelle des Krieges mit den USA und Israel getötet wurde.

Die Wahl markiert einen historischen Moment für die Islamische Republik. Seit der Revolution von 1979 ist Sayyid Mojtaba Khamenei erst der dritte Führer des Landes, nach Sayyid Ruhollah Khomeini und seinem Sayyid Vater Ali Khamenei. Auch wenn sein Vater zuvor diese Position inne hatte, ist seine Ernennung keine Erbfolge und auch nicht auf den Wunsch seines Vaters erfolgt.

Öffentliche Loyalitätsbekundungen im ganzen Land

Unmittelbar nach der Ernennung kam es zu landesweiten Kundgebungen, bei denen Bürger ihre Unterstützung und Treue für den neuen Führer erklärten. Die Menschen sammelten sich in zahlreichen Städten in großen Mengen, darunter Teheran, Shiraz, Esfahan, Ahvaz, Tabriz und Hamedan.

Auch staatliche Institutionen signalisierten rasch Loyalität. Mitglieder des iranischen Parlaments erklärten, Sayyid Mojtaba Khamenei sei die „am besten geeignete Persönlichkeit“, um das Land in der aktuellen Krisensituation zu führen.

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian begrüßte die Ernennung ebenfalls und äußerte die Hoffnung, dass das Land unter der neuen Führung eine Zukunft mit „nachhaltiger Unabhängigkeit, wissenschaftlichem Fortschritt und umfassender Entwicklung“ erreichen werde.

Wer ist Sayyid Mojtaba Khamenei?

Der neue Führer ist ein schiitischer Geistlicher und wurde 1969 geboren. Er studierte islamische Theologie in Qom und Teheran und war bereits seit Jahren eine einflussreiche Figur innerhalb der politischen und religiösen Strukturen des Landes. In theologischen Kreisen ist er bekannt für seine starken analytischen Fähigkeiten und seine innovative Herangehensweise.

Während des Iran-Irak Kriegs, meldete er sich 1987 freiwillig als 17-Jähriger sein Land und Volk an der Front zu verteidigen. Nach dem Krieg setzte er sein theologisches Studium fort.

Beobachter beschreiben ihn als einen Akteur, der lange im Hintergrund politischen Einfluss ausübte und enge Beziehungen zu konservativen religiösen Kreisen und sicherheitspolitischen Institutionen aufgebaut hat.

Westliche Medien waren bereits vor seiner Ernennung sehr fokussiert darauf, seine Person öffentlich zu verunglimpfen. Dieses Ereignis bereitet dem Westen scheinbar mehr Sorge als die Epstein-Files und die Fakten, dass Präsident Trump besondere Nähe zu dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein pflegte.

Führung in einer Phase intensiver regionaler Spannungen

Die Ernennung erfolgt in einer besonders angespannten Phase. Der aktuelle militärischen Konflikt mit den Vereinigten Staaten und Israel, der bereits zahlreiche Opfer gefordert hat und die geopolitische Lage im Nahen Osten massiv beeinflusst, erfordert besonderes politisches Geschick.

Vor diesem Hintergrund rief die Versammlung der Experten, sowie hohe religiöse Autoritäten des Landes die Bevölkerung zur Einheit und Unterstützung der neuen Führung auf. Einheit sei der wichtigste Faktor, die Aggression der USA und Israels erfolgreich zu überstehen.

Die Zukunft wird zeigen, in welche Richtung sich der Iran mit der neuen Führung entwickelt. Sicher ist, dass US-Präsident Trump mit der Entscheidung nicht glücklich sein dürfte. Der Zorn des US-Präsidenten bringt die Gefahr, dass die USA bereits daran arbeiten, auch Sayyid Mojtaba Khamenei auf schnellstem Weg umzubringen. Der Mord an Ayatollah Khamenei und der Krieg sorgten dafür, dass das gespalten geglaubte iranische Volk Einheit auf den Straßen demonstriert. Ein weiterer Mord könnte diese Einheit weiter bestärken. Ein schnelles Ende des Krieges rückt damit in weite Ferne.

Wer führt die USA? Israel oder der US-Präsident?

Hat Israel die USA erfolgreich zum Krieg gegen den Iran gedrängt? Die Frage, warum die Vereinigten Staaten den Krieg gegen den Iran begonnen haben, steht zunehmend im Zentrum der internationalen Debatte. Mehrere Aussagen führender US-Politiker sowie mediale Analysen legen nahe, dass die Entscheidung nicht ausschließlich aus eigenständigen amerikanischen Sicherheitsinteressen heraus getroffen wurde, sondern eng mit israelischen Planungen verknüpft war.

US-Außenminister Marco Rubio erklärte bei einer Pressekonferenz, Iran habe die USA in Verhandlungen „hingehalten“ („playing us“) und die Angriffe seien aus Selbstverteidigung erfolgt. In einem weiteren Beitrag betonte Rubio, die Militärschläge seien notwendig gewesen, um einer Bedrohung zuvorzukommen (Präventivschlag). Gleichzeitig räumte Rubio ein, dass der Zeitpunkt der US-Angriffe zumindest teilweise von israelischen Planungen beeinflusst gewesen sei. Diese Aussage verstärkte Spekulationen, Washington habe sich in seiner militärischen Entscheidung eng an Tel Aviv orientiert.

US-Präsident Donald Trump widersprach später der Darstellung, Israel habe ihn „gezwungen“, den Krieg zu beginnen. In einem weiteren Video erklärte er, die Entscheidung sei seine eigene gewesen. Damit stehen zwei Narrative nebeneinander: Während Rubio einen Zusammenhang mit israelischen Planungen andeutet, weist Trump jede Darstellung zurück, wonach Israel maßgeblich Druck ausgeübt habe.

Auch innenpolitisch wächst Kritik. Mehrere US-Senatoren kritisierten, es habe „keine unmittelbare Bedrohung“ gegeben; vielmehr sei die Eskalation im Interesse einer israelischen Agenda erfolgt. Diese Darstellung steht im Kontrast zur offiziellen Begründung der US-Regierung, die auf präventive Selbstverteidigung verweist.

In der Bundespressekonferenz wich der Pressesprecher der Bundesregierung auf die Frage, ob der Angriff der USA völkerrechtswidrig mehrfach aus, indem er die Behauptung in den Vordergrund stellte, dass der Iran in der Vergangenheit mehrfach das Völkerrecht gebrochen habe. Die Kritik geht wie so oft nur in eine Richtung. Gegenüber den eigenen Partnern Israel und USA wird bei völkerrechtswidrigem Verhalten jedoch geschwiegen, ausgewichen und die Situation als „schwierig einzuordnen ohne eigene Erkenntnisse“ kategorisiert.

Die Eskalation zeigt erneut die enge außenpolitische Verflechtung Washingtons mit israelischen Interessen. Dort wird die These vertreten, dass unter der aktuellen US-Administration Israels strategische Prioritäten faktisch maßgeblichen Einfluss auf amerikanische Entscheidungen ausüben. Hat dies eventuell auch mit den Epstein-Files zu tun, in denen der US-Präsident häufig mit dem überführten Pädophilen Jeffrey Epstein in Verbindung gebracht wird? Denn starke Vermutungen legen nahe, dass Epstein für den israelischen Geheimdienst gearbeitet habe.

Fest steht: Die öffentliche Kommunikation der US-Führung wirkt widersprüchlich. Rubio spricht von Selbstverteidigung und verweist zugleich auf israelische Planungen; Trump betont eigenständige Entscheidungsgewalt. Ob die USA aus eigenem strategischem Kalkül handelten oder ob israelische Sicherheitsinteressen den Ausschlag gaben, ist in für die amerikanische Bevölkerung von Bedeutung. Wird US-Präsident Trump die Kinder von US-Amerikanern für israelische Interessen in einem möglicherweise langanhaltenden Krieg opfern?

Ramadan beginnt – Zwischen spiritueller Erneuerung und Schatten des Krieges

Mit dem Einbruch der Mondsichel beginnt für Muslime weltweit der heilige Monat Ramadan. In den meisten Ländern fällt der erste Fastentag in diesem Jahr auf den 19. Februar, während einige Staaten den Beginn bereits auf den 18. Februar festlegen – abhängig von der jeweiligen Mondsichtung und religiösen Autoritäten.

Der Ramadan nimmt im Islam eine zentrale Stellung ein. Im Koran heißt es:

Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt wurde und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer von euch diesen Monat erlebt, der soll in ihm fasten.“ (Sure 2:185)

Damit feiern die Muslime den heiligen Koran im Monat Ramadan besonders. Viele nehmen sich vor, das heilige Manuskript in diesem Monat komplett durchzulesen, während einige bestimmte Suren und Verse studieren.

Ebenfalls heißt es im heiligen Koran:

O die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben, so wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werdet.“ (Sure 2:183)

Diese Verse betonen sowohl die spirituelle Dimension des Monats als auch sein ethisches Ziel: Gottesfurcht (Taqwa). Das Fasten gilt nicht allein als Verzicht auf Nahrung und Trinken von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang, sondern als umfassende Disziplinierung des Charakters. Geduld, Barmherzigkeit, Vergebung und Rücksichtnahme auf Mitmenschen stehen im Vordergrund.

Weltweit bereiten sich muslimische Gemeinschaften intensiv vor. Häuser und Straßen werden geschmückt, Moscheen organisieren abendliche Gebete und gemeinsame Fastenbrechen (Iftar). Gemeinden planen religiöse Programme, Vorträge und soziale Initiativen. Der Ramadan ist traditionell auch ein Monat verstärkter Wohltätigkeit, familiärer Zusammenkünfte und gemeinschaftlicher Spiritualität, die im Westen auch nichtmuslimischen Nachbarn häufig in Form von Gaben und besonderer Aufmerksamkeit entgegengebracht werden.

Doch während in vielen Regionen festliche Lichterketten und Vorfreude das Bild prägen, ist die Atmosphäre in Teilen des Nahen Ostens von Unsicherheit überschattet. Die Menschen in Gaza begehen den Monat Ramadan inmitten einer fragilen Waffenruhe und der ständigen Sorge vor einer Wiederaufnahme intensiver Kampfhandlungen. Familien dekorieren trotz der Zerstörung ihre Häuser, oder was davon übrig ist, und ihre improvisierten Unterkünfte, um Kindern ein Gefühl von Normalität zu vermitteln. Gleichzeitig bleibt die Angst präsent, dass die Gewalt jederzeit erneut eskalieren könnte.

Viele Bewohner Gazas beginnen den Monat mit dem schmerzlichen Bewusstsein, dass Angehörige fehlen – getötet in den vergangenen Monaten durch Angriffe und Bombardierungen Israels. Das gemeinsame Fastenbrechen, das traditionell von großen Familienrunden geprägt ist, findet in diesem Jahr vielfach in verkleinerten Kreisen statt. Ähnliche Spannungen prägen auch Teile des Libanon, wo die Furcht vor erneuten Angriffen die spirituelle Besinnung begleitet. Das Fastenbrechen wird weiterhin vom Dröhnen der israelischen Drohnen über ihren Häusern begleitet.

So beginnt der Ramadan in diesem Jahr zwischen Hoffnung und Furcht: weltweit als Zeit der inneren Reinigung, der ethischen Selbstprüfung und der Gemeinschaft – und zugleich in einigen Regionen unter dem realen Eindruck von Krieg, Verlust und Unsicherheit. Ramadan Mubarak.

Irans Außenminister Araghchi trifft IAEA-Chef Grossi

Mehrere Wochen vor der zweiten Runde indirekter Gespräche zwischen dem Iran und den USA über das iranische Atomprogramm haben sich Teheran und der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Mariano Grossi, in Genf zu technischen Konsultationen getroffen. Diese Gespräche dienen der Vorbereitung der bevorstehenden diplomatischen Runde und stehen im Zentrum eines sensiblen internationalen Verhandlungsprozesses.

Am 16. Februar 2026 trafen sich der iranische Außenminister Abbas Araghchi und Grossi in der Schweizer Stadt, um „technische Fragen im Rahmen der Zusammenarbeit mit der IAEA“ zu erörtern – insbesondere im Zusammenhang mit den iranischen Verpflichtungen und der Einbindung der IAEA in die nächsten Gespräche mit den USA. Laut dem iranischen Außenministerium standen dabei auch Aspekte der indirekten Verhandlungen mit Washington im Fokus. Grossi selbst erklärte, man habe „tiefgehende technische Diskussionen“ abgeschlossen, die als Vorbereitung für wichtige Verhandlungen dienten, die unmittelbar folgen sollen.

Araghchi wiederum betonte auf X, dass er mit „konkreten Ideen für ein faires und ausgewogenes Abkommen“ in Genf sei und dass Zugeständnisse unter Druck „nicht zur Debatte“ stünden. Seine Aussagen verdeutlichen, dass Teheran auf eine Vereinbarung zielt, die nicht durch einseitige Forderungen diktiert wird. Gleichzeitig unterstrich er, dass der Oman seine Rolle als Vermittler fortsetzen wird, da die Gespräche zwischen Iran und den USA indirekt geführt werden.

Diese Treffen folgen auf den offiziellen Ankündigungen, dass die zweite Runde indirekter Verhandlungen zwischen Iran und den USA in Genf am 17. Februar stattfinden soll. Araghchi reiste am 15. Februar in die Schweiz, begleitet von Experten und verbunden mit bilateralen Konsultationen mit dem omanischen Außenminister Badr al-Busaidi und weiteren internationalen Vertretern. Die Gespräche werden als Fortsetzung der Anfang Februar in Muskat begonnenen diplomatischen Bemühungen gesehen.

Der Hintergrund dieser diplomatischen Aktivitäten ist ein festgefahrenes Verhältnis zwischen Iran und internationalen Akteuren, insbesondere nach dem 12-tägigen Krieg von 2025, als israelische und US-Angriffe auf iranische Atomanlagen die vorherigen Gespräche zum Erliegen brachten. Iran betont wiederholt, dass sein Nuklearprogramm friedlich sei und es seine Rechte auf zivilen nuklearen Fortschritt wahrnehme. Dies wurde auch fortlaufend durch die IAEA bestätigt. Bei den aktuellen Gesprächen lehnt Teheran Bedingungen ab, die über das Atomprogramm hinausgehen, etwa Forderungen, auch das Raketen- oder Sicherheitsverhalten zu behandeln.

Gleichzeitig bleibt die Rolle der IAEA in der jüngeren Vergangenheit umstritten. Grossi hatte mehrfach betont, dass seine Berichte keine Hinweise auf ein iranisches Atomwaffenprogramm enthielten und dass sie lediglich den Stand des Programms widerspiegeln. Kritik an der IAEA hatte zugenommen, nachdem sie Abstand zu militärischen Angriffen auf iranische nukleare Einrichtungen nahm und von manchen iranischen Kreisen als nicht ausreichend unparteiisch bewertet wurde.

Technisch bleibt auch die Frage der Inspektionen zentral: Die IAEA fordert Zugang zu bedeutenden Anlagen, einschließlich derjenigen, die im vergangenen Jahr bombardiert wurden. Tehran hat erklärt, dass dazu spezifische Sicherheitsprotokolle notwendig wären, da diese Orte derzeit als unsicher gelten. Solche Detailfragen sollen in der Vorbereitungsphase der technischen Gespräche geklärt werden, damit die weitere diplomatische Runde zwischen Iran und den USA nicht ausschließlich auf politischen, sondern auch auf sachlich-technischen Grundlagen geführt wird.

Die Gespräche in Genf markieren daher nicht nur einen Schritt hin zu einer möglichen Einigung über Irans nukleare Zukunft, sondern auch einen Test für die Glaubwürdigkeit und Rolle der Internationalen Atomenergie-Organisation als Vermittler und technischer Prüfer in einem der zentralsten geopolitischen Konflikte unserer Zeit.