
Der Angriff der USA auf die Mädchenschule im iranischen Minab am 28. Februar 2026 wird in deutschen Medien bisher als möglicher „Fehler“ dargestellt. Doch eine genauere Betrachtung der Abläufe und verfügbaren Informationen wirft erhebliche Zweifel an dieser Darstellung auf. Ein weiterer Beleg, dass Menschenleben keinen Wert haben in den Augen der Mächtigsten der Welt.
Die Aussage der ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiterin Josephine Gilbo, beschreibt einen Angriff mit Tomahawk-Raketen im Detail. Demnach seien moderne Marschflugkörper wie Tomahawks mit Echtzeitkameras und präziser Echtzeit-Satellitenaufklärung ausgestattet, heißt: Durchgehend hatten die führenden Köpfe und die Zentrale einen genauen und klaren Blick auf das Ziel. Das Ziel – eine Schule, umgeben von farbigen Kindermalereien – sei demnach eindeutig und zweifelsfrei identifizierbar gewesen.
Hinzu kommt ein entscheidender struktureller Aspekt: Militärische Angriffe dieser Art durchlaufen mehrere Prüf- und Freigabeinstanzen. Laut Gilbo seien „mehrere Quellen, darunter Geheimdienstberichte, regionale Quellen und US-Beamte“ notwendig, um ein Ziel zu bestätigen.
Das bedeutet: Es handelt sich nicht um eine spontane Fehlentscheidung, sondern um einen Prozess mit mehreren Ebenen der menschlichen Verifikation. Die These eines „technischen Fehlers“, „alter Geheimdienstinformationen“ oder „KI-Fehler“ wie sie etwa in Diskussionen in den Medien aufkam, wirkt vor diesem Hintergrund unzureichend.
Auch der Ablauf des Angriffs selbst spricht gegen einen einmaligen Irrtum. Drei aufeinanderfolgende Einschläge trafen das Schulgelände: zunächst das Gebäude, dann den Raum, in den sich die Kinder geflüchtet hatten – den Gebetsraum. Ein wiederholtes Treffen desselben Ziels deutet eher auf eine bewusste Fortsetzung des Angriffs hin als auf ein Versehen. Die dritte Rakete schlägt nach Aussage neben der Schule ein.
Während internationale Organisationen wie Amnesty International eine umfassende Aufklärung fordern, bleibt die politische Reaktion in Deutschland auffallend zurückhaltend. Auch Berichte, etwa in Tagesschau oder Die Zeit, konzentrieren sich primär auf Forderungen nach Untersuchung – nicht auf klare Verurteilungen.
Diese Zurückhaltung steht im Kontrast zu der sonst betonten Rolle von Menschenrechten und Völkerrecht in der deutschen Außenpolitik. Während Verstöße durch geopolitische Gegner häufig scharf kritisiert werden, bleibt die Reaktion hier deutlich verhaltener. Kritiker sehen darin eine Form politischer Inkonsistenz, Doppelmoral und Heuchelei gegenüber den „eigenen gepriesenen Werten“. Das wirft Fragen nach der Glaubwürdigkeit westlicher Werte auf.
Auch international gibt es unterschiedliche Bewertungen. Während einige Berichte auf technische oder operative Fehler verweisen, sprechen andere – darunter Stimmen im Umfeld des UN-Menschenrechtsrat – von einer klaren Verletzung humanitärer Normen.
Die Ereignisse von Minab verdeutlichen damit nicht nur die Tragödie selbst, sondern auch ein grundlegendes Problem: Wenn ein Angriff auf eine Grundschule mit zahlreichen zivilen Opfern primär als „aufklärungsbedürftig“ und nicht als eindeutig zu verurteilen behandelt wird, stellt sich unweigerlich die Frage nach den Maßstäben, die angewendet werden. In dem über einem Monat andauernden illegalen Angriffskrieg der USA und Israels sind nach iranischen Aussagen mehr als 600 Schule und Lehrinstitute, 281 medizinische Einrichtungen, darunter mehrere Krankenhäuser, Universitäten während Unterrichtszeiten angegriffen und komplett oder teilweise zerstört worden.
Minab ist somit mehr als ein Einzelfall. Es ist ein Prüfstein für die Glaubwürdigkeit internationaler Normen – und für die Frage, ob diese universell gelten oder selektiv angewendet werden.
