Dem Westen ist das 7-jährige Kind egal

Es beginnt mit einem Klassenzimmer in der iranischen Stadt Minab. Ein Ort, der Sicherheit, Lernen und Zukunft versprechen sollte – und stattdessen zum Schauplatz des Todes wurde. Beim amerikanischen Angriff zu Beginn des Iran-Krieges wurden dort Kinder getötet. Kinder, die weder Soldaten waren noch politische Akteure. Kinder, deren einziger „Fehler“ es war, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Der Angriff auf die Schule in Minab steht sinnbildlich für ein globales Versagen: das Versagen, Kriegsverbrechen zu verhindern, und das noch größere Versagen, sie überhaupt als solche zu benennen. Kinder, unsere Zukunft, fallen der Machtgier einzelner westlicher Akteure zum Opfer – sei es im Nahen Osten, sei es auf den Karibik-Inseln dieser reichen Akteure.

Während westliche Regierungen von Stabilität, Sicherheit und strategischen Interessen sprechen, werden Kinder zur Randnotiz. Der moralische Anspruch, den der Westen so oft für sich reklamiert – Menschenrechte, Völkerrecht, Schutz der Schwächsten, Recht von Kindern auf Unversehrtheit und Bildung – wirkt angesichts solcher Ereignisse zunehmend wie eine selektive Erzählung, wie leere Floskeln.

Noch deutlicher wird diese Doppelmoral im Umgang mit den Ereignissen in Gaza. Berichte dokumentieren Fälle, die schwer zu ertragen sind:

Fall 1 – berichtet am 26.03.2026 – Das palästinensische Baby:

Ein einjähriges palästinensisches Baby, das misshandelt wurde, um ein Geständnis des Vaters zu erzwingen. Während des Verhörs sollen Soldaten Zigaretten auf dem Bein des Babys ausgedrückt, ihm mit scharfen Gegenständen Verletzungen zugefügt und vor den Augen des Vaters einen Nagel in das Bein des Kindes getrieben haben. – Eine Tat, die unglaublich scheint, jedoch in einer Reihe mit den schlimmen Taten der israelischen Armee steht.

Fall 2 – Hind Rajab: Ein sechsjähriges Kind, das gezielt mit ihrer Familie von einem israelischen Panzer   in Gaza erschossen wurde. Ihr Leichnam konnte erst Tage später geborgen werden. In den Aufzeichnungen des Notrufs von Hind heißt es: „Ich habe solche Angst, bitte kommt. Bitte ruft jemanden, der kommt und mich holt“ und „Sie schießen auf uns. Der Panzer ist neben uns“. Sie war verzweifelt am Weinen in dem Anruf. – Am Ende ist sie Tod. Konsequenzen für die Soldaten, die Armee? Keine. Der Fall vergessen von westlichen Medien und Politikern.  

Fall 3 – Jugendliche, die durch gezielte Schüsse dauerhaft verstümmelt wurden: Berichte von westlichen Ärzten, die in den Krankenhäusern von Gaza Leben retteten, zeigen auf: Scharfschützen schossen gezielt auf die Genitalien, Köpfe oder Herzen von Kindern. Konsequenzen? Keine. Weder von den deutschen oder westlichen Medien, noch von unseren Politikern.

Diese Vorfälle sind keine Einzelfälle, sondern Teil eines Musters, das immer wieder beschrieben wird. Am Ende steht eine erschütternde Zahl: Tausende Kinder wurden in Gaza getötet – eine Generation, ausgelöscht oder traumatisiert, bevor sie überhaupt eine Chance hatte zu leben.

Auch im Westjordanland setzt sich dieses Bild fort. Berichte sprechen davon, dass Kinder nicht nur Opfer von Gewalt werden, sondern gezielt ins Visier geraten. Zwei Kinder wurden nach dem diesjährigen Fest zum Fastenbrechen gemeinsam mit ihren Eltern gezielt in ihrem Auto getötet. Andere Jugendliche werden durch gezielte Schüsse auf ihre Kniescheiben so verletzt, dass sie dauerhaft behindert bleiben. Sind dies präzise militärische Operationen?

Doch die Frage, die sich daraus ergibt, ist grundsätzlicher: Warum lösen diese Fälle nicht die gleiche Empörung aus wie andere Konflikte? Warum bleiben Sanktionen, scharfe Verurteilungen und politische Konsequenzen aus?

Ein Blick auf parallele Entwicklungen liefert eine mögliche Antwort. Während Kriege eskalieren und Kinder sterben, geraten andere Skandale in den Hintergrund – etwa die neuen Enthüllungen rund um Jeffrey Epstein und US-Präsident Donald Trump. Berichte über missbrauchte Kinder, über Netzwerke von Macht und Einfluss, die jahrzehntelang ungestört agieren konnten, verschwinden aus den Schlagzeilen. Es entsteht der Eindruck, dass diese Themen nicht zufällig in Vergessenheit geraten, sondern bewusst verdrängt werden. Denn sie betreffen genau jene Eliten, die politischen und wirtschaftlichen Einfluss ausüben.

Das Muster ist erkennbar: Kinderleben haben keinen politischen oder wirtschaftlichen Wert. Sie sind keine strategische Ressource. Sie sind entbehrlich im Kalkül der Mächtigen.

Gleichzeitig zeigt sich ein bemerkenswerter Widerspruch. Sobald wirtschaftliche Interessen bedroht sind, sobald Märkte reagieren oder geopolitische Risiken zu groß werden, wächst plötzlich die Bereitschaft zu Verhandlungen. Auch Akteure wie US-Präsident Donald Trump drängen dann auf Gespräche und Deeskalation mit dem Feind. Frieden wird erst dann zur Option – nicht aus humanitären Gründen, sondern aus scheinbar ökonomischer Notwendigkeit.

Das Fazit ist ernüchternd: Es ging offenbar nie primär um den Schutz von Menschenleben. Für einige Akteure stehen wirtschaftliche Interessen und Macht im Vordergrund, für andere – wie im Fall Israels – territoriale Kontrolle und Expansion. Kinderleben hingegen nimmt man als Kollateralschaden willentlich in Kauf.

Das siebenjährige Kind von Minab ist kein Einzelfall. Es ist ein Symbol. Ein Symbol für eine Weltordnung, in der Moral oft endet, wo Macht beginnt.

Ramadan beginnt – Zwischen spiritueller Erneuerung und Schatten des Krieges

Mit dem Einbruch der Mondsichel beginnt für Muslime weltweit der heilige Monat Ramadan. In den meisten Ländern fällt der erste Fastentag in diesem Jahr auf den 19. Februar, während einige Staaten den Beginn bereits auf den 18. Februar festlegen – abhängig von der jeweiligen Mondsichtung und religiösen Autoritäten.

Der Ramadan nimmt im Islam eine zentrale Stellung ein. Im Koran heißt es:

Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt wurde und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer von euch diesen Monat erlebt, der soll in ihm fasten.“ (Sure 2:185)

Damit feiern die Muslime den heiligen Koran im Monat Ramadan besonders. Viele nehmen sich vor, das heilige Manuskript in diesem Monat komplett durchzulesen, während einige bestimmte Suren und Verse studieren.

Ebenfalls heißt es im heiligen Koran:

O die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben, so wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werdet.“ (Sure 2:183)

Diese Verse betonen sowohl die spirituelle Dimension des Monats als auch sein ethisches Ziel: Gottesfurcht (Taqwa). Das Fasten gilt nicht allein als Verzicht auf Nahrung und Trinken von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang, sondern als umfassende Disziplinierung des Charakters. Geduld, Barmherzigkeit, Vergebung und Rücksichtnahme auf Mitmenschen stehen im Vordergrund.

Weltweit bereiten sich muslimische Gemeinschaften intensiv vor. Häuser und Straßen werden geschmückt, Moscheen organisieren abendliche Gebete und gemeinsame Fastenbrechen (Iftar). Gemeinden planen religiöse Programme, Vorträge und soziale Initiativen. Der Ramadan ist traditionell auch ein Monat verstärkter Wohltätigkeit, familiärer Zusammenkünfte und gemeinschaftlicher Spiritualität, die im Westen auch nichtmuslimischen Nachbarn häufig in Form von Gaben und besonderer Aufmerksamkeit entgegengebracht werden.

Doch während in vielen Regionen festliche Lichterketten und Vorfreude das Bild prägen, ist die Atmosphäre in Teilen des Nahen Ostens von Unsicherheit überschattet. Die Menschen in Gaza begehen den Monat Ramadan inmitten einer fragilen Waffenruhe und der ständigen Sorge vor einer Wiederaufnahme intensiver Kampfhandlungen. Familien dekorieren trotz der Zerstörung ihre Häuser, oder was davon übrig ist, und ihre improvisierten Unterkünfte, um Kindern ein Gefühl von Normalität zu vermitteln. Gleichzeitig bleibt die Angst präsent, dass die Gewalt jederzeit erneut eskalieren könnte.

Viele Bewohner Gazas beginnen den Monat mit dem schmerzlichen Bewusstsein, dass Angehörige fehlen – getötet in den vergangenen Monaten durch Angriffe und Bombardierungen Israels. Das gemeinsame Fastenbrechen, das traditionell von großen Familienrunden geprägt ist, findet in diesem Jahr vielfach in verkleinerten Kreisen statt. Ähnliche Spannungen prägen auch Teile des Libanon, wo die Furcht vor erneuten Angriffen die spirituelle Besinnung begleitet. Das Fastenbrechen wird weiterhin vom Dröhnen der israelischen Drohnen über ihren Häusern begleitet.

So beginnt der Ramadan in diesem Jahr zwischen Hoffnung und Furcht: weltweit als Zeit der inneren Reinigung, der ethischen Selbstprüfung und der Gemeinschaft – und zugleich in einigen Regionen unter dem realen Eindruck von Krieg, Verlust und Unsicherheit. Ramadan Mubarak.

Israels Ausweitung der Kontrolle im Westjordanland

Während die internationale Aufmerksamkeit momentan auf die Verhandlungen zwischen den USA und Iran gerichtet ist, hat Israels Sicherheitskabinett neue Maßnahmen beschlossen, die seine Kontrolle über das besetzte Westjordanland deutlich ausweiten.

Das israelische Kabinett genehmigte Regelungen, die israelischen Behörden größere Befugnisse in Verwaltungs- und Sicherheitsfragen verschaffen und faktisch den Weg für eine schrittweise Annexion ebnen. Die Maßnahmen stärken insbesondere die Rolle israelischer Ministerien bei Bauprojekten und Landentscheidungen in Gebieten, die bislang unter komplexen zivil-militärischen Strukturen verwaltet wurden.

Diese Entscheidung wird als Teil einer umfassenderen Strategie gesehen, Israels Präsenz im Westjordanland zu verfestigen. Kritiker warnen, dass dies nicht nur die Perspektive eines palästinensischen Staates weiter schwäche, sondern auch bestehende internationale Vereinbarungen untergrabe. Empörende Meldungen von westlichen Leitmedien findet man kaum. International hat diese Entscheidung scharfe Verurteilungen ausgelöst. Mehrere Stimmen bezeichnen die Schritte als de-facto-Annexion, selbst wenn der Begriff offiziell nicht verwendet wird. Während israelische Stellen von administrativer Effizienz und Sicherheitsnotwendigkeit sprechen, sehen palästinensische Akteure darin eine systematische Ausweitung der Kontrolle über besetztes Gebiet, denn der neue Beschluss bedeutet, dass es israelischen Siedlern erlaubt ist, von Israel besetztes Land zu kaufen.

Diese Entwicklung fällt in eine Phase, in der auch die Waffenruhen in Gaza und im Libanon zunehmend infrage stehen. Nach einigen Berichten wurde die Gaza-Waffenruhe am 122. Tag in Folge verletzt. Dabei seien erneut mehrere Zivilisten getötet worden. In einem weiteren Bericht wird argumentiert, dass es faktisch keine echte Waffenruhe gebe, sondern vielmehr eine Phase israelischer militärischer Fortsetzung unter anderem Namen. Diese Einschätzung steht im Kontrast zu offiziellen Darstellungen, die weiterhin von einer bestehenden Feuerpause sprechen. Die Opferzahlen sprechen allerdings eine deutliche Sprache, dass es von Seiten Israels keine Pause gibt.

Auch im Südlibanon halten die Spannungen an. Heute, am 09. Februar führte ein israelischer Angriff auf ein Fahrzeug in Yanouh zum Tod von drei Personen, das jüngste Opfer war 4 Jahre alt. Auch hier werden wiederholt Zivilisten Opfer der israelischen Angriffe. Trotz formeller Vereinbarungen stattfinden, setzt Israel seine Angriffe fort – weder der Wertewesten, noch die aktuelle libanesische Regierung sprechen sich gegen diese Angriffe aus und suchen nach Möglichkeiten, diese zu unterbinden. Israel begründet solche Operationen üblicherweise mit Sicherheitsargumenten – ein Scheinargument, denn seit der offiziellen Feuerpause zwischen der Hisbollah und Israel hat es keine Angriffe aus dem Südlibanon auf Israel gegeben.

Die Kombination aus politischer Expansion im Westjordanland und militärischem Druck in Gaza und im Libanon wirft grundsätzliche Fragen auf: Wenn parallel zu bestehenden Waffenruhen täglich Angriffe erfolgen und administrative Schritte zur territorialen Ausweitung beschlossen werden, wird der diplomatische Raum für eine nachhaltige Lösung spürbar enger. Beobachter sehen darin eine bewusste Strategie, Fakten zu schaffen – sowohl auf dem Boden als auch in der Sicherheitsarchitektur der Region.

Während internationale Reaktionen vor weiterer Destabilisierung warnen, bleibt die Lage vor Ort angespannt. Für die betroffene Zivilbevölkerung in Gaza und im Südlibanon bedeutet dies weiterhin Unsicherheit, tägliche Gewalt und das Ausbleiben einer verlässlichen Perspektive auf Sicherheit.

Trump’s „Board of Peace“ für Gaza – Frieden oder Übernahme?

Der seit 2023 andauernde Krieg zwischen Israel und der Hamas hat unermessliches Leid über die Menschen im Gazastreifen gebracht. Trotz einer im Oktober 2025 vereinbarten fragilen Waffenruhe eskalierten die Gewalt und Angriffe weiterhin, darunter Luftangriffe und Schusswechsel, die erneut unzählige Todesopfer forderten — auch nach der Ankündigung des Board of Peace.

Vor diesem Hintergrund stellte der ehemalige US-Präsident Donald Trump diesen Januar den sogenannten „Board of Peace“ (deutsch: Friedensrat) für Gaza vor – eine Initiative, die als Herzstück seines 20-Punkte-Plans zur Beendigung des Gaza-Konflikts propagiert wird. Doch trotz der Namenswahl zeigt sich: Frieden bleibt auch nach Bildung dieses Gremiums unwirklich. Der Aufbau des Rats? Ohne Palästinenser.

Struktur und Mitglieder des Board of Peace

Das Board ist als dreistufiges Gremium angelegt und soll offiziell den Übergang von Krieg zu Stabilisierung und Wiederaufbau begleiten. Der Aufbau des Boards bringt aber bereits Zweifel auf, ob dies im Interesse und mit Beteiligung der Palästinenser geschehen wird.

1. Gründender Haupt-Board:
Dieses strategische Leitungsgremium umfasst mehrere prominente und politisch umstrittene Persönlichkeiten, darunter:

  • Donald Trump (Chair) mit Veto-Recht
  • Marco Rubio, US-Außenminister
  • Steve Witkoff, US-Sondergesandter
  • Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn
  • Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister
  • Marc Rowan, Investor
  • Ajay Banga, Weltbankpräsident
  • Robert Gabriel, US-Berater

2. Gaza Executive Board:
Dieses Untergremium soll die praktische Umsetzung vor Ort koordinieren. Es beinhaltet neben US-Vertretern auch Akteure aus der Region wie den türkischen Außenminister, den katarischen Diplomaten Ali Al-Thawadi, den ägyptischen Geheimdienstchef Hassan Rashad, die Emirati-Ministerin Reem Al-Hashimy und weitere internationale Akteure.

3. National Committee for the Administration of Gaza:
Ein rein technokratisch zusammengesetzter palästinensischer Ausschuss, der den täglichen Betrieb der öffentlichen Dienste in Gaza übernehmen soll.

Kritik aus verschiedenen Richtungen

Trotz dieses ausgefeilten Aufbaus gibt es breite Skepsis gegenüber dem Board:

  • Unklare Legitimität: Kritiker beschreiben das Board als stark von Washington dominiert oder sogar potenziell dazu geeignet, traditionelle multilaterale Strukturen wie die UNO zu untergraben.
  • Imperiale Tendenzen: Kommentatoren aus europäischen Medien kritisieren, dass der Rat eher einer „imperialen Kammer“ ähnelt als einem echten Friedensinstrument — insbesondere, weil die Ziele, Mandate und die Rolle Palästinenser kaum klar definiert seien und auch durch keine eigene Position vertreten wird.
  • Politisch umstrittene Mitglieder: Die Einbindung von Persönlichkeiten wie Tony Blair — der wegen seiner Rolle im Irak-Krieg stark umstritten ist — und Jared Kushner, der in der Region als Israel-nah gilt, trägt zur Kritik bei, dass das Gremium eine einseitige politische Ausrichtung habe. Ebenfalls ist der israelische Ministerpräsident Teil des Rats. Der Mann, der für die zehntausenden Toten Kinder, Frauen und Unschuldigen verantwortlich ist, soll mit über den Frieden und die Zukunft der Palästinenser in Gaza entscheiden.
  • Wenig Einfluss auf Realität vor Ort: Trotz des Namens „Board of Peace“ herrscht in Gaza weiterhin tägliche Gewalt, eingeschränkte humanitäre Versorgung und politische Unsicherheit; die vereinbarte Waffenruhe wird nicht durchgehend eingehalten und die humanitäre Lage bleibt kritisch. Medizinische Hilfsgüter werden weiterhin nur in stark begrenzter Stückzahl nach Gaza gelassen, obwohl mit der derzeitigen „Feuerpause“ notwendige Güter die Menschen sofort erreichen sollen.

Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Zusammensetzung des Boards, sondern auch gegen seine Zweckbestimmung: Während Trump und einige westliche Politiker das Gremium als mögliche Lösung für die Konflikte präsentieren, warnen Beobachter, dass es eher ein politisches Instrument als ein praktisches Friedenswerkzeug sei — eines, das weitreichende Macht in wenigen Händen bündelt und fundamentale politische Fragen vor Ort außen vor lässt.

Die Freude des Westens gilt nur Israel

Ein Geständnis der Komplizenschaft am Genozid

Der Sprecher der Bundesregierung begann die Bundespressekonferenz am Montag, den 13. Oktober mit Anteilname, die nur und ausschließlich den israelischen Geiseln und ihren Familien galt. Nicht mit einem Wort galt diese Anteilnahme den freigelassenen Palästinensern. Die meisten von ihnen muss man ebenfalls als Geiseln bezeichnen, denn sie wurden nicht anders ihrer Freiheit beraubt wie viele der israelischen Geiseln am 07. Oktober 2023. Ebenfalls wird keine Trauer bekundet gegenüber den über 70.000 getöteten Palästinensern, von denen die meisten Frauen und Kinder. Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft am Genozid?

Während das Thema Israel-Palästina in der Bundespressekonferenz besprochen wird, nennt der Sprecher immer wieder die Freilassung der 20 israelischen Geiseln als Grund zur Freude, jedoch nicht die Freilassung der vielen zu Unrecht inhaftierten/in Geiselhaft genommenen Palästinenser. Ein deutliches Muster in der westlichen Propaganda, aber auch in der geheuchelten Empathie gegenüber allen Menschen. Der Westen legte den Fokus in den vergangenen zwei Jahren fast ausschließlich auf die israelischen Geiseln, die nun endgültig von der Hamas freigelassen wurden. Die Geschichte von ihrer Freiheit und die ihrer Familien wird menschlich und umfangreich unter Tränen erzählt. Die Tränen der Freude über die Rückkehr palästinensischer Väter, Ehemänner und Söhne aus israelischer Folter- und Administrativhaft bleiben unbeschrieben und unbekannt. Diese Geschichten werden vor allem in Deutschland kaum beschrieben, fast bewusst ausgelassen und nicht wahrgenommen, obwohl viele Palästinenser, die in Deutschland leben, zu den direkten Betroffenen Familienmitgliedern gehören. Man nimmt das Leid eines Teils der eigenen Bevölkerung bewusst nicht wahr, erdrückt und erstickt es scheinbar, um den besten Freund Israel nicht zu erzürnen. Wem dient der Staat, wenn die Anteilnahme und Freude nur einer Seite gilt? Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft?

Auch wenn 2000 Palästinenser aus der israelischen Geiselhaft freigelassen wurden, verbleiben fast 11.000 weiterhin in israelischen Händen – die meisten von ihnen in so genannter Administrativhaft. Eine Haft ohne Anklage, ohne Prozess, ohne Zugriff auf einen Anwalt – entrissen aus ihren Häusern und von ihren Familien, weil sie Palästinenser sind, Erwachsene oder Kinder. Darüber kein Wort anklagendes Wort in deutschen Medien, kein Wort von Seiten der Regierung. Es klingt, als feiere man einen Frieden für Israel und die Palästinenser sollen mal glücklich sein, dass es ein Ende hat.

 Weiterhin „sollen alle ihren Verpflichtungen in diesem Frieden nachkommen“. Da kommt die Frage auf: Wird Israel sich an den Waffenstillstand halten? Das haben sie im Libanon von Tag 1 an nicht getan. Täglich wird der Waffenstillstand an der nördlichen Grenze Israels gebrochen, wöchentlich werden Menschen von israelischen Drohnen und Bomben umgebracht. Kaum ein Wort davon in deutschen Medien, keine Kritik von Regierungsseite. Es wird totgeschwiegen. Zudem sei gesagt, dass sie Israel auch zuvor nicht an Waffenruhen in Gaza gehalten hat. Wen muss man also zur Einhaltung der Verpflichtungen ermahnen?

Und in der Freude spricht der Bundeskanzler wieder darüber, Kriegswaffen an Israel zu liefern, obwohl die Waffenruhe noch keine Woche gilt. Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft?

Donald Trump gab zudem am 13. Oktober in der Knesset eine Ansprache. Darin bat er den amtierenden israelischen Präsidenten Isaac Herzog, den wegen Korruption angeklagten Präsidenten Benjamin Netanjahu zu begnadigen, „weil es einfach so viel Sinn ergibt. Er (Netanjahu) ist einer der großartigsten Präsidenten in Zeiten des Krieges“. Dieser Bitte folgte stehender Applaus und „Bibi“-Rufe von Seiten der anwesenden Minister. Eine Verhöhnung der Menschenrechte, der Palästinenser und aller Opfer auf syrischer, libanesischer, iranischer und jemenitischer Seite.

US-Präsident Trump betonte in seiner Rede ebenfalls, wie oft Netanjahu ihn anrief, um verschiedenste Waffen zu bestellen, die man, „weil sie wahrlich die besten sind“, immer lieferte. „Und ihr habt sie gut genutzt. Dazu braucht es natürlich Personen, die wissen, wie man sie nutzt und du (Netanjahu) hast sie offensichtlich sehr gut genutzt“, ergänzte Trump daraufhin. Mindestens 70.000 tote Zivilisten, viele darunter Frauen und Kinder, über 90% von Gazas gesamter Infrastruktur zerstört, nennt der US-Präsident und gute Freund Netanjahus „gute Nutzung“. Eine weitere verhöhnende Aussage, die in der Knesset mit Applaus und Gelächter gefeiert wird. „Das ist, was Israel so stark und mächtig machte und was am Ende zu Frieden führte.“

Ein deutliches Geständnis der Komplizenschaft am Genozid.