Der Sprecher der Bundesregierung begann die Bundespressekonferenz am Montag, den 13. Oktober mit Anteilname, die nur und ausschließlich den israelischen Geiseln und ihren Familien galt. Nicht mit einem Wort galt diese Anteilnahme den freigelassenen Palästinensern. Die meisten von ihnen muss man ebenfalls als Geiseln bezeichnen, denn sie wurden nicht anders ihrer Freiheit beraubt wie viele der israelischen Geiseln am 07. Oktober 2023. Ebenfalls wird keine Trauer bekundet gegenüber den über 70.000 getöteten Palästinensern, von denen die meisten Frauen und Kinder. Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft am Genozid?
Während das Thema Israel-Palästina in der Bundespressekonferenz besprochen wird, nennt der Sprecher immer wieder die Freilassung der 20 israelischen Geiseln als Grund zur Freude, jedoch nicht die Freilassung der vielen zu Unrecht inhaftierten/in Geiselhaft genommenen Palästinenser. Ein deutliches Muster in der westlichen Propaganda, aber auch in der geheuchelten Empathie gegenüber allen Menschen. Der Westen legte den Fokus in den vergangenen zwei Jahren fast ausschließlich auf die israelischen Geiseln, die nun endgültig von der Hamas freigelassen wurden. Die Geschichte von ihrer Freiheit und die ihrer Familien wird menschlich und umfangreich unter Tränen erzählt. Die Tränen der Freude über die Rückkehr palästinensischer Väter, Ehemänner und Söhne aus israelischer Folter- und Administrativhaft bleiben unbeschrieben und unbekannt. Diese Geschichten werden vor allem in Deutschland kaum beschrieben, fast bewusst ausgelassen und nicht wahrgenommen, obwohl viele Palästinenser, die in Deutschland leben, zu den direkten Betroffenen Familienmitgliedern gehören. Man nimmt das Leid eines Teils der eigenen Bevölkerung bewusst nicht wahr, erdrückt und erstickt es scheinbar, um den besten Freund Israel nicht zu erzürnen. Wem dient der Staat, wenn die Anteilnahme und Freude nur einer Seite gilt? Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft?
Auch wenn 2000 Palästinenser aus der israelischen Geiselhaft freigelassen wurden, verbleiben fast 11.000 weiterhin in israelischen Händen – die meisten von ihnen in so genannter Administrativhaft. Eine Haft ohne Anklage, ohne Prozess, ohne Zugriff auf einen Anwalt – entrissen aus ihren Häusern und von ihren Familien, weil sie Palästinenser sind, Erwachsene oder Kinder. Darüber kein Wort anklagendes Wort in deutschen Medien, kein Wort von Seiten der Regierung. Es klingt, als feiere man einen Frieden für Israel und die Palästinenser sollen mal glücklich sein, dass es ein Ende hat.
Weiterhin „sollen alle ihren Verpflichtungen in diesem Frieden nachkommen“. Da kommt die Frage auf: Wird Israel sich an den Waffenstillstand halten? Das haben sie im Libanon von Tag 1 an nicht getan. Täglich wird der Waffenstillstand an der nördlichen Grenze Israels gebrochen, wöchentlich werden Menschen von israelischen Drohnen und Bomben umgebracht. Kaum ein Wort davon in deutschen Medien, keine Kritik von Regierungsseite. Es wird totgeschwiegen. Zudem sei gesagt, dass sie Israel auch zuvor nicht an Waffenruhen in Gaza gehalten hat. Wen muss man also zur Einhaltung der Verpflichtungen ermahnen?
Und in der Freude spricht der Bundeskanzler wieder darüber, Kriegswaffen an Israel zu liefern, obwohl die Waffenruhe noch keine Woche gilt. Zwischen den Zeilen ein Geständnis der Komplizenschaft?
Donald Trump gab zudem am 13. Oktober in der Knesset eine Ansprache. Darin bat er den amtierenden israelischen Präsidenten Isaac Herzog, den wegen Korruption angeklagten Präsidenten Benjamin Netanjahu zu begnadigen, „weil es einfach so viel Sinn ergibt. Er (Netanjahu) ist einer der großartigsten Präsidenten in Zeiten des Krieges“. Dieser Bitte folgte stehender Applaus und „Bibi“-Rufe von Seiten der anwesenden Minister. Eine Verhöhnung der Menschenrechte, der Palästinenser und aller Opfer auf syrischer, libanesischer, iranischer und jemenitischer Seite.
US-Präsident Trump betonte in seiner Rede ebenfalls, wie oft Netanjahu ihn anrief, um verschiedenste Waffen zu bestellen, die man, „weil sie wahrlich die besten sind“, immer lieferte. „Und ihr habt sie gut genutzt. Dazu braucht es natürlich Personen, die wissen, wie man sie nutzt und du (Netanjahu) hast sie offensichtlich sehr gut genutzt“, ergänzte Trump daraufhin. Mindestens 70.000 tote Zivilisten, viele darunter Frauen und Kinder, über 90% von Gazas gesamter Infrastruktur zerstört, nennt der US-Präsident und gute Freund Netanjahus „gute Nutzung“. Eine weitere verhöhnende Aussage, die in der Knesset mit Applaus und Gelächter gefeiert wird. „Das ist, was Israel so stark und mächtig machte und was am Ende zu Frieden führte.“
Ein deutliches Geständnis der Komplizenschaft am Genozid.
Am 29. Januar 2024 wurde die damals sechsjährige Hind Rajab auf der Flucht aus Gaza Stadt ermordet – beschossen von einem israelischen Panzer. Die Szenen ihres letzten Hilferufs gingen um die Welt: ein Kind gefangen in einem Auto unter Beschuss, weinend, flehend und voller Angst zwischen ihren bereits toten Verwandten. Ihre Stimme hallt bis heute als Zeugnis eines unfassbaren Verbrechens nach. Nicht jedoch in den Ohren der Politik. Das Verbrechen scheint vergessen.
Die Tragödie und ihre filmische Aufarbeitung
Was war geschehen? Die israelische Armee rief zur Evakuierung von Gaza Stadt auf. Alle Zivilisten müssen bestimmte Bereiche verlassen, die nun als aktive Kriegszonen gelten. Die Route von Hinds Familie war durch ein zusammengefallenes Gebäude blockiert. Der Onkel drehte das Auto, fuhr einige hundert Meter nach Norden. Dann geschah es. Das Auto wurde zusammen mit Hind und mehreren Familienmitgliedern von einem israelischen Panzer beschossen. Ihre Cousine Layan überlebte den ersten Einschlag, rief die Palestine Red Crescent Society, doch der Kontakt brach ab. Layan starb neben ihrer Cousine Hind. Hind blieb am anderen Ende der Leitung, allein – Stunden vergingen. Die Sanitäter klärten die Route und die Rettungsaktion mit dem israelischen Militär ab und bekommen grünes Licht. Als sie sich dem Auto von Hind nähern, schießt der Panzer erneut. Erst nach zwölf Tagen wurden Hind und die eingesetzten Sanitäter tot aufgefunden. Untersuchungen deuten auf eine gezielte Tötung hin: das Fahrzeug war von hunderten Kugeln durchlöchert, der Rettungswagen durch eine amerikanische Panzergranate zerstört. Ein mögliches Kriegsverbrechen, so unabhängige Experten des UN-Menschenrechtsbüros (OHCHR).
Als filmisches Gedenken entstand “The Voice of Hind Rajab” unter der Regie von Kaouther Ben Hania. Der Film lässt fast ausschließlich Hind’s letzten Anruf in einem PRCS-Callcenter und die Reaktionen der Rettungskräfte hören – ein dokumentarisches Drama ohne visuelle Darstellung der Gewalttat. Er feiert seine Premiere beim Festival von Venedig 2025 und wurde als Tunesiens Oscar-Beitrag eingereicht.
Initiativen gegen Straflosigkeit
In Brüssel hat die Hind Rajab Foundation Klage beim Internationalen Strafgerichtshof (ICC) eingereicht – gegen jene Militärangehörigen, die den Angriff befohlen haben sollen. Bisher bleiben geforderte Untersuchungen und Aufklärungen ohne Ergebnis. Ein grausames Zeichen gegen die Menschlichkeit und ein Freibrief für Israel.
Während Kunst und Zivilgesellschaft aktiv werden, bleibt die Regierung in Berlin – wie auch die internationale Politikgemeinschaft – bei milden Worten stehen. Im gleichen Atemzug, in dem Menschenrechtsorganisationen eine sich zuspitzende Katastrophe dokumentieren, verweigert sich die Politik konsequenter Maßnahmen. Die Opferstatistik ist klar: In Gaza werden im Schnitt 28 Kinder täglich getötet – seit Beginn des Krieges über 18.000.
Unaufgeklärtes Verbrechen: Ein Kriegsjahrestag ohne Gerechtigkeit
Mehr als ein Jahr nach dem Mord an Hind Rajab steht fest: Niemand wurde für ihr Todesopfer zur Verantwortung gezogen. Diese Untätigkeit steht in scharfem Kontrast zu globalen Slogans wie „Nie wieder“ oder „Waffenstillstand jetzt“. Deutschland könnte gerade an dieser Stelle politischen Druck aufbauen, etwa durch Handelsstopps oder Sanktionen – doch bislang bleibt es bei Appellen.
Hind Rajab ist mehr als nur ein weiteres Opfer: Sie ist ein Symbol für das Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung – und zugleich ein Mahnmal, wie unzureichend Rechenschaft hergestellt wird. Solange führende Staaten schweigen oder sich mit unverbindlichen Formulierungen begnügen, bleibt der Eindruck: Ein Blankocheck für das Töten ist erlaubt – für Israel und solange es politisch opportun ist. Und damit setzt sich der Kreislauf fort.
Von Barcelonas Hafen aus ist am Sonntag die Global Sumud Flotilla in See gestochen. Es ist der bislang größte Versuch, die seit 18 Jahren bestehende Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Rund 5.000 Menschen aus über 30 Ländern unterstützen die Mission. An Bord der Schiffe befinden sich humanitäre Güter, medizinische Hilfsmittel und symbolische Delegationen, darunter auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie betonte vor der Abreise, dass es darum gehe, „das Schweigen zu brechen“ und den eingeschlossenen Menschen in Gaza Hoffnung und konkrete Hilfe zu bringen.
Die Initiative wird von Aktivisten als „globales Symbol des Widerstands“ beschrieben. Sie ist die größte Flottille, die jemals den Versuch unternahm, Israels Abriegelung von Gaza zu überwinden. Unter den Teilnehmenden finden sich Vertreter von Menschenrechtsgruppen, Ärzte, Geistliche und Politiker.
Die Realität in Gaza: Zerstörung, Hunger, Tod
Die Dringlichkeit dieser Mission wird durch die aktuelle Lage im Gazastreifen unterstrichen. Allein in den letzten 24 Stunden töteten israelische Angriffe mindestens 78 Menschen in verschiedenen Teilen des Gazastreifens. Gaza-Stadt werde Stück für Stück „zu Feldern aus Schutt“ reduziert. Scheinbar ein Unternehmen der israelischen Regierung, um den Menschen in Gaza weiter die Hoffnung zu rauben. Je wieder zurück in ihre Häuser und in ihr normales Leben zurückzukehren.
Noch dramatischer: Laut Ärzte ohne Grenzen wurde ein Wassertransporter beschossen, während Zivilisten in der Hitze Wasser sammelten. Mehrere Menschen starben, andere wurden verletzt. Ein Vertreter der Organisation sprach von einem „brutalen Schlag gegen Menschen, die um das nackte Überleben kämpfen“. Solche gezielten Angriffe auf lebensnotwendige Infrastruktur lassen den Begriff „humanitäre Krise“ längst unzureichend erscheinen. In den deutschen Medien findet sich zu diesem grausamen Vorfall kein Bericht und keine Empörung. Auch deutsche Politiker verurteilten diesen Angriff nicht. Die Masse an Angriffen und Gräueltaten scheint bereit ein Fakt zu sein, über den man nicht mehr berichten braucht und den man täglich einfach hinnimmt.
Opferzahlen der vergangenen Woche
Die Zahlen der letzten sieben Tage verdeutlichen die systematische Dimension der Gewalt:
Montag: 70 Tote
Dienstag: 61 Tote
Mittwoch: 144 Tote
Donnerstag: 69 Tote
Freitag: 82 Tote
Samstag: 120 Tote
Sonntag: 51 Tote
Diese erschütternden Zahlen wurden von unabhängigen Beobachtern dokumentiert und verbreitet. Sie machen deutlich: In Gaza sterben Tag für Tag dutzende Zivilisten, viele davon Kinder und Frauen, teils unter den Augen der Weltöffentlichkeit.
Politische Reaktionen – oder das Fehlen derselben
Während die Schiffe der Global Sumud Flotilla Kurs auf Gaza nehmen, bleibt die internationale Staatengemeinschaft bei reinen Appellen. Al Jazeera spricht von einem „Schweigen der Mächtigen“, das an Zynismus grenzt. Zwar äußern Regierungen Besorgnis, doch keine Sanktionen, kein politischer Druck folgen den Erklärungen. Auch die EU bleibt bei Mahnungen, während die Lage vor Ort täglich eskaliert.
Hier entsteht ein deutlicher Widerspruch: Während Aktivisten aus aller Welt ihre körperliche Unversehrtheit riskieren, um humanitäre Hilfe durchzubringen, beschränken sich Regierungen darauf, Israels Vorgehen rhetorisch „kritisch zu begleiten“, ohne Konsequenzen folgen zu lassen. Völkermord geht demnach einfach durch. Die internationale Politik versagt in ihrem Grundsatz der Gerechtigkeit und des Schutzes der Menschen.
Fazit: Hoffnung und Doppelmoral
Die Global Sumud Flotilla ist ein starkes Symbol für internationalen Widerstand gegen eine Blockade, die längst als kollektive Bestrafung und damit als Bruch des Völkerrechts gilt. Doch während die Schiffe aus Barcelona auslaufen, sterben in Gaza täglich Menschen – durch Bomben, Hunger oder gezielte Angriffe auf Hilfslieferungen.
Die Botschaft der Flottille lautet: Die Welt darf nicht länger zuschauen. Doch die Realität zeigt: Bisher tut sie genau das. Sie schauen zu, Live im Fernsehen und auf ihren Smartphones. Die westliche Politikgemeinschaft schweigt oder rechtfertigt – und überlässt es mutigen Aktivisten, den Versuch zu unternehmen, wenigstens einen Hoffnungsschimmer nach Gaza zu tragen.
Die Gewalt in Gaza nimmt kein Ende. Allein in den letzten sieben Tagen wurden laut Angaben des Journalisten Fabian Goldmann 597 Palästinenser getötet. Der traurige Wochendurchschnitt liegt damit bei über 85 Toten pro Tag.
Die Zahlen der vergangenen Woche:
HINWEIS: Dies sind Menschenleben – verpackt in einer Statistik wirkt dies weniger dramatisch, jedoch muss jedem Menschen bewusst sein: Hinter jeder Zahl steckte ein Herz, ein Verstand, Liebe zur Familie, Leid und ein tragisches Ende nach einem Überlebenskampf ohne wirkliche Aussicht auf Hilfe.
Montag: 70 Tote
Dienstag: 61 Tote
Mittwoch: 144 Tote
Donnerstag: 69 Tote
Freitag: 82 Tote
Samstag: 120 Tote
Sonntag: 51 Tote
Heute – Donnerstag, 26. Juni – sind es bereits 31 getötete Palästinenser (Stand: Vormittag). Das Muster ist eindeutig: Israel tötet jeden Tag Dutzende Menschen im Gazastreifen – systematisch, ununterbrochen und unter dem Mantel der „Verteidigung“. Gezielte Kopf- und Brustschüsse in Kinderkörpern zeugen aber davon, dass dies eher einem Sport für israelische Soldaten gleicht als einem Verteidigungskampf.
Wie aus mehreren Berichten hervorgeht, sind fast alle Opfer nicht durch Kampfhandlungen ums Leben gekommen, sondern durch gezielte Angriffe auf Zivilisten. Die israelische Armee bombardiert weiterhin Wohngebiete, Zeltlager und selbst Hilfsverteilungsstellen. Immer wieder sterben dabei auch Kinder – nicht, weil sie „aus Versehen“ getroffen werden, sondern weil sie mit ihren Familien dort stehen, wo es Nahrung gibt oder Zuflucht suchen, wo die israelische Armee eine „Sicherheitszone“ zugeteilt hat. Die Zustände gleichen einem dystopischen Horrorfilm – Menschen, die hungern und gleichzeitig an den Ausgabestellen erschossen werden. Kinder sind unter den Opfern, weil sie mit ihren Eltern anstehen, weil sie nach Essen suchen oder einfach, weil sie in Gaza leben.
Statt humanitäre Maßnahmen zu stärken, fordern israelische Minister das Gegenteil. Der rechtsradikale Minister Itamar Ben-Gvir forderte erneut einen vollständigen Stopp aller Hilfslieferungen nach Gaza – und begründete dies mit der angeblichen Notwendigkeit, Druck auszuüben. „Kein Wasser, kein Treibstoff, keine Lebensmittel“, fordert Ben-Gvir. Eine Politik der Kollektivbestrafung, die gegen internationales Völkerrecht verstößt, aber international folgenlos bleibt.
Israel verfolgt weiterhin ein klares Ziel: Gaza soll zerstört, seine Bevölkerung vertrieben werden. Auch das Westjordanland bleibt nicht verschont. Israelische Siedler verübten in den letzten Tagen tödliche Angriffe auf Palästinenser, auch hier gab es Todesopfer, jedoch keine Konsequenzen aus der internationalen Gemeinschaft.
Dieser Krieg ist eher ein Massaker gegen eine wehrlose Bevölkerung. Der jüngste Waffengang mit dem Iran hat gezeigt, dass Israel mit einem Gegner auf Augenhöhe keine zwei Wochen durchhält. Gegen den Iran musste sich Israel massiver Gegenwehr stellen, militärische Ziele wurden auf eigenem Boden getroffen, israelische Städte beschädigt – ein Szenario, das sich in Gaza nicht stellt. Hier können israelische Soldaten ungehindert gegen die palästinensische Bevölkerung vorgehen, Hilfsgüter blockieren und die Menschen aushungern.
Und trotz dieser offenen Gewalt erfährt Israel weiterhin Unterstützung durch westliche Staaten – allen voran Deutschland. Während deutsche Politiker die „Sicherheitsinteressen Israels“ betonen, fließen Waffenlieferungen und politische Rückendeckung. Die Stimmen der Kritik bleiben schwach, folgenlos und oft selektiv.
Das Fazit ist bitter: Gaza wird belagert, bombardiert und systematisch zerstört – mit Duldung und Unterstützung des Westens. Die Frage ist nicht mehr, ob das, was geschieht, eine Katastrophe ist. Die Frage ist, wie lange die Welt noch wegsehen will und ob mit der Zeit alle Palästinenser einem Mord durch Hunger oder durch Bomben und Waffen entgegengehen müssen.
Israelischer Angriff auf Hilfsverteilung tötet Dutzende
Massaker in Rafah – In der südlichen Stadt Rafah, einem der letzten Zufluchtsorte im belagerten Gazastreifen, endete die Hoffnung auf Nahrung in einem Massaker. Bei mehreren Angriffen auf Verteilstellen für Hilfsgüter wurden in den vergangenen Tagen Dutzende Palästinenser getötet, viele durch gezielte Schüsse. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen berichtet von einem erschütternden Bild der Gewalt: „Das Bild ist anders als sonst. Die Opfer, die wir behandeln, wurden nicht bei einem Bombenangriff verletzt – sie wurden erschossen“, so eine Mitarbeiterin der Organisation in einer offiziellen Mitteilung.
Am Dienstag wurden laut einigen Nachrichtenquellen 31 Menschen an einem von den USA unterstützten Hilfsverteilungspunkt getötet. Die Szene erinnert nicht an einen unkontrollierten Menschenandrang, sondern an ein kontrolliertes Töten in einer ohnehin humanitären Katastrophe. Die israelische Armee bestreitet eine direkte Verantwortung, doch Augenzeugen, Ärzte und Helfer vor Ort sprechen von gezielten Angriffen. Verurteilungen oder gar Konsequenzen von der deutschen Regierung bleiben aus.
Diese tödliche Eskalation ist nur der jüngste Ausdruck eines Systems, das zunehmend als absichtsvoll desorganisiert beschrieben wird. In einem Online-Bericht heißt es, das Chaos bei der Verteilung von Hilfsgütern sei „kein Systemfehler – das System ist darauf ausgelegt, zu scheitern“. Was in Rafah geschieht, sei keine Folge von Versagen, sondern eine bewusste Strategie zur Zermürbung der Bevölkerung.
Palästinenser, die versuchen, an Nahrung zu gelangen, berichten von ihrer Entmenschlichung. „Wir werden behandelt wie Tiere“, sagt ein Überlebender. Für viele sei die Versorgungslinie keine Hoffnung, sondern eine letzte, gefährliche Wette auf das Überleben. Einige Familien warten stundenlang in der brütenden Hitze, ohne zu wissen, ob sie mit Nahrung oder mit einem Leichnam nach Hause zurückkehren. Diesmal ist das Bild ein anderes. Es sind nicht Frauen und Kinder, die mit Schusswunden zu den Ärzten gebracht werden, es sind Männer – Familienväter, die auf der Suche nach Nahrung beschossen oder erschossen wurden.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verurteilt die zunehmende Militarisierung der humanitären Hilfe in Gaza. In einem aktuellen Beitrag kritisiert die Organisation, dass humanitäre Unterstützung unter israelischer Aufsicht nicht neutral sei und „entmenschlichend und ineffektiv“ funktioniere. Der Zugang zu Hilfsgütern sei zur Waffe geworden – kontrolliert, reguliert und gefährlich.
Die Folgen dieser Blockadepolitik sind sichtbar und tödlich: Weiterhin stehen tausende Menschen kurz vor dem Hungertod, darunter viele Kinder, Schwangere und Kranke. Frauen bringen ihre Kinder unter unhygienischen Bedingungen zur Welt, oft ohne medizinische Betreuung oder Nahrung – eine Situation, die Ärzte ohne Grenzen als „vorsätzliche Aushungerung“ beschreibt, andere nennen es eine bewusste Zermürbung der leidenden Bevölkerung.
Israel setzte am Dienstag die Verteilung von Hilfsgütern in ganz Gaza für einen Tag vollständig aus – mitten in einer Phase der akuten Unterversorgung. Die Vereinten Nationen und zahlreiche Hilfsorganisationen schlagen seit Wochen Alarm, doch bislang ohne politische Konsequenz. Diese werden wahrscheinlich auch weiterhin ausbleiben. Auch auf mehrfachem Nachfragen bei der Bundespressekonferenz in den vergangenen Wochen gingen die Regierungssprecher der direkten Beantwortung der Frage nach Konsequenzen aus dem Weg – „Wir bemühen uns darum, dass Hilfsgüter nach Gaza kommen und sind mit unseren israelischen Partnern im Austausch.“, lautet die Aussage. Partner ist immerhin die richtige Bezeichnung.
In einer Welt, in der das Recht auf Nahrung ein fundamentales Menschenrecht ist, wird dieses den Palästinensern systematisch verwehrt. Die Hilfsverteilung, die Hoffnung bringen sollte, ist zum Schlachtfeld geworden. Rafah ist zum Symbol geworden für die brutale Logik eines Krieges, in dem selbst die Verzweiflung tödlich enden kann.
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