WM2022: Kulturimperialismus des Westens und anhaltende politische Berichterstattung über die iranische Nationalmannschaft 

WM2022: Kulturimperialismus des Westens und anhaltende politische Berichterstattung über die iranische Nationalmannschaft 

Die WM2022 in Katar ist so politisch wie selten zuvor. Neben der Debatte um die One Love Binde und des Bildes der deutschen Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen Japan, fallen vor allem die politischen Kommentare bei und nach den Spielen der iranischen Nationalmannschaft auf.

„Menschenrechte sind nicht verhandelbar“

Vor dem Spiel gegen Japan hatte sich die deutsche Nationalmannschaft die Hand vor dem Mund gehalten. Dies sollte eine Protestaktion gegen das Verbot, die One Love Binde bei der WM2022 in Katar tragen zu dürfen, sein.

Der DFB bezog zu der Aktion wenig später Stellung. Bei der „One Love“-Binde gehe es nicht um eine politische Botschaft, hieß es. „Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Das sollte selbstverständlich sein. Ist es aber leider immer noch nicht. Deshalb ist uns diese Botschaft so wichtig. Uns die Binde zu verbieten, ist wie den Mund zu verbieten. Unsere Haltung steht.“

Der deutschen Nationalmannschaft und allgemein der Antihaltung des Westens gegenüber Katar und seiner Moral- und Wertevorstellung bezüglich der LGBTQ+ Community wird Heuchelei vorgeworfen.

So äußerte sich Dr. Naif bin Nahar (Katarischer Staatsbürger) auf Twitter wie folgt:

Katar auf die eine oder andere Weise zu kritisieren, ist kein Thema, sondern ein Grundrecht. Das Problem hier ist Heuchelei. Habt ihr dasselbe getan, als ihr nach Frankreich, welches den Reichtum Afrikas gestohlen hat, gegangen seid? Oder Amerika, das eine Million Iraker Hunger leiden ließ?

Genauso kritisieren viele, dass der Westen eine Art Kulturimperialismus betreibt. Sie sind nicht in der Position, anderen Ländern vorzuschreiben, wie sie leben bzw. welche sexuelle Orientierung und Identitäten sie akzeptieren sollen.

Berichterstattung bei der WM2022 über die iranische Nationalmannschaft stets verbunden mit den Demonstrationen im Iran

Die Berichterstattung über die iranische Nationalmannschaft bei der WM2022 ist stets überschattet von den Demonstrationen im Iran. Selbst nach dem die Spieler, anders als im ersten Spiel gegen England, im Spiel gegen Wales die Nationalhymne mitgesungen haben, wurde es so dargestellt, als hätten sie nur ihre Lippen bewegt bzw. nur so gehandelt, da ihnen sonst nicht tragbare Konsequenzen im Iran erwarten würden.

Selbst der Nationaltrainer Irans, Carlos Queiroz ist sichtlich genervt über die anhaltenden politischen Fragen. So sagt er einer BBC-Journalisten, die einem Spieler eine Frage über die Proteste im Iran stellte: „Warum stellt ihr uns andauernd solche Fragen? Warum fragt ihr nicht Southgate (Gareth Southgate, Nationaltrainer Englands, Anm. d. Red.), was er davon hält, dass England und die USA Afghanistan verlassen haben“, bevor er den Raum verließ, ohne eine Antwort abzuwarten.

Nur „Regimetreue“ Iraner feiern nach dem Sieg gegen Wales

Viele Iraner gingen nach dem Sieg gegen Wales auf die Straßen Irans, um ausgiebig zu feiern. Masih Alinejad, eine Exil-Iranerin und Journalistin in den USA, die sich stets bemüht ein negatives Bild über den Iran zu zeichnen, sagte über die Feiern der Iraner nach dem Sieg:

„Nur unsere Gefängniswärter, Vernehmer und Mörder feiern den Sieg der Fußballmannschaft der Islamischen Republik bei der Weltmeisterschaft“. Daraufhin teilte sie ein Video von Sicherheitskräften im Iran, wie sie den Sieg gegen Wales feierten.

„Die Iraner trauern um mehr als 500 Demonstranten, darunter 50 Kinder, die von diesen Sicherheitskräften während des anhaltenden Aufstands getötet wurden“, fügte sie hinzu.

Dabei teilte sie nicht die ganzen Videos, die Menschenmassen in den verschiedensten Städten Irans zeigen, die den Sieg ihrer Nationalmannschaft feierten.

Iraner feiern den Sieg gegen Wales in Isfahan (Hintergrundmusik wurde entfernt)

Ständig versucht man die Menschen zu manipulieren und es so darzustellen, als würde die Mehrheit der Iraner gegen die Regierung sein. Solch ein Verhalten des Westens und ebenso ihr Auftreten als seien sie moralisch den anderen Ländern überlegen, so als ob der Rest der Welt ein Dschungel sei, sorgt dafür, dass viele dieser betroffenen Länder sich früher oder später immer mehr vom Westen distanzieren werden, auch auf geschäftlicher Ebene. Und gerade das rohstoffarme Deutschland, kann sich sowas in der heutigen Zeit nicht erlauben, wobei das katarische Gas Stand jetzt immer noch gut genug ist.  

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