Abu Muhammad al-Julani: Vom Al‑Qaida‑Kämpfer zum internen Machthaber

Abu Muhammad al-Julani, mit bürgerlichem Namen Ahmed Hussein al‑Sharaa, wurde im Oktober 1982 in Riad, Saudi-Arabien, als Sohn einer sunnitisch-syrischen Familie aus den Golanhöhen geboren. 1989 kehrte seine Familie zurück nach Damaskus. Aus einer gutsituierten Familie ändert sich sein Lebensweg mit dem Beginn des Irakkriegs. Vom bürgerlichen Medizinstudenten zum Jihadisten zum moderaten Politiker mit besten Beziehungen zum Westen. Wahrer Wandel, Planung des Westens oder versteckt sich hinter dieser modernen Fassade etwas anderes?

Die Laufbahn beginnt bei Al-Qaida im Irak

Im Jahr 2003 er schloss er sich der Al‑Qaida im Irak an und kämpfte gegen die US-Invasion. In der Organisation steig er rasch in höhere Ränge auf und war möglicherweise ein Vertrauter der Führungsriege. Al‑Qaida war verantwortlich für die Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center und damit für tausende Unschuldiger in Amerika. Auch Terroranschläge wie in Manchester 2017 gehen auf Al‑Qaida zurück. 2006 wurde er von US-Truppen gefangen genommen und saß bis 2011 in Haft. Was während seiner Haftzeit geschah ist unbekannt.

Von Al‑Qaida im Irak zur Gründung von Jabhat al‑Nusra (2012–2016)

Nach seiner Freilassung kehrte al-Julani nach Syrien zurück. 2012 gründete er mit Unterstützung Al‑Qaidas vor Ort die Jabhat al‑Nusra, die sich rasch zum führenden extremistischen Ableger im syrischen Bürgerkrieg entwickelte. Er kämpfte an der Seite Abu Bakr al-Baghdadis, verkündete jedoch im April 2013 den Bruch: al-Julani lehnte den Zusammenschluss mit dem Islamischen Staat ab und blieb Al‑Qaida treu.

Aufstieg zur Führung von ISIS-Nachfolgeorganisationen

2014 intensivierte al-Julani seine Herrschaft und distanzierte sich zunehmend von transnationalen Zielen. Die Mischung aus Guerilla‑Krieg und Repression gegen Andersdenkende, Minderheiten und Zivilisten wurde zu seinem Markenzeichen. Unter seiner Führung verübte Jabhat al-Nusra grausame Verbrechen: Christen, Schiiten und Jesiden wurden systematisch ermordet; jesidische Frauen kamen auf Sklavenmärkten für Sexsklaverei unter. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren die gezielte Verfolgung und grausame Misshandlungen religiöser Minderheiten.

Transformation zu Hayat Tahrir al‑Sham und enthemmte Gewalt

2016 brach al-Julani öffentlich mit Al‑Qaida. Aus Jabhat al-Nusra wurde Jabhat Fateh al‑Sham, im Jahr 2017 fusionierte die Gruppe mit mehreren Milizen zur Hayat Tahrir al‑Sham (HTS). Unter Scharaa/al-Julani wurde HTS der dominierende Machtfaktor in Idlib und gewann eine neue Rolle als de facto Machthaber. Formal richtete HTS lokale Dienstleistungen und eine Regierungsstruktur ein, doch die Gewalt blieb integral: Willkürliche Verhaftungen, Hinrichtungen und Unterdrückung politischer Gegner prägten das Bild.

Am 27. November 2024 begann die lang erwartete Offensive der HTS gegen den syrischen Machthaber al-Assad. Wie zu erwarten gab es von Seiten der syrischen Armee keine Gegenwehr. Die HTS nahm bereits am 29. November ungehindert Aleppo ein. Am 8. Dezember konnten die Rebellen dann kampflos die Hauptstadt Damaskus übernehmen. Der Weg zum scheinbar moderaten Führer Syriens nahm weiter seinen Lauf.

Widersprüchliche Aufmerksamkeit aus dem Westen

Am 03. Januar 2024 kam es zum vermutlich bisher überwältigenden Bruch der westlichen Moral: Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock besuchte als erste Frau unter der „feministischen Außenpolitik“ Syriens Machthaber – al-Scharaa selbst – und reiste nach Damaskus, ohne Handschlag, aber mit großem medialem Echo. Wie lässt sich das erklären? Eine Frau, die Souveränität und Rechte für Frauen in den Mittelpunkt ihres Außenbildes stellt, trifft sich mit einem Mann, unter dessen Führung Frauen systematisch für Sexsklaverei versklavt wurden – und das ohne über die Verbrechen seiner Organisation zu sprechen. Ein schillernder Widerspruch.

Widerspruch und Fazit

Al-Julani ist längst kein regionaler Rebell mehr, sondern ein international sanktionierter Terrorist – bis nun langsam die Sanktionen und Strafforderungen ihm gegenüber enthoben werden. Menschen wurden unter seiner Führung versklavt, abgeschlachtet und vertrieben. Doch der Westen – speziell Deutschland – präsentiert ihn jetzt als legitimen Gegenpart zu Assad. Ein Mörder wird zum vertrauenswürdigen Partner erklärt. Diese offene Doppelmoral entlarvt die politische Rhetorik der feministischen Außenpolitik und der westlichen Politik generell als farce: Wofür stehen Menschenrechte, wenn sie mit einem Händedruck an einen Terroristen erkauft werden?

Die Akzeptanz al-Julani als „De-facto-Präsident“ Syriens stellt eine neue Form geopolitischer Realpolitik dar – jenseits von Idealen, jenseits von Gerechtigkeit. Der Tod von unschuldigen Menschen, darunter zahllose Frauen und Kinder, bleibt dabei auf der Strecke. Die Opfer sind nun wie so oft vom moralischen Wertewesten vergessen, denn nun haben sie eine Puppe, die für sie handelt.

Die „Humanitäre Stadt“ in Gaza oder einfach: Konzentrationslager

Israel plant die Errichtung einer sogenannten „Humanitären Stadt“ in Rafah, die bis zu 600.000 Palästinenser aufnehmen soll. Kritiker sehen darin eine beschönigende Bezeichnung für das, was faktisch einer Zwangskonzentration der Bevölkerung gleichkommt – in anderen Worten: eine Art Konzentrationslager, beschrieben in modernen, gesellschaftskonformen Phrasen. Diese Pläne wurden von Verteidigungsminister Israel Katz vorgestellt und sehen vor, dass die Bewohner nach Sicherheitsüberprüfungen in diese Zone verlegt werden, sie aber nicht mehr verlassen dürfen.

Die geplante Einrichtung soll während einer vorgeschlagenen 60-tägigen Waffenruhe entstehen, über die derzeit Israel und die Hamas in Doha indirekt verhandeln. Das neue Lager soll von „internationalen Partnern“ verwaltet werden, während das israelische Militär die Umgebung sichern würde. Die Bewohner, die derzeit in Zelten im Gebiet von Al-Mawasi leben, sollen erstmal nach Rafah umgesiedelt werden.

Die Bezeichnung „Humanitäre Stadt“ für eine Einrichtung, die Menschen nach ihrer Einweisung nicht mehr verlassen dürfen, wirft grundlegende Fragen zur Natur dieser Pläne auf. Die Pläne stehen im Widerspruch zu einer Aussage des israelischen Generalstabschefs vom Sonntag, der behauptet hatte, dass „Bevölkerungstransfer und -konzentration“ nicht das Ziel der Offensive seien.

Diese Entwicklung macht deutlich, dass Positionen, die noch vor einem Jahr als extremistische Propaganda galten, inzwischen Teil der offiziellen israelischen Rhetorik geworden sind. Die systematische Umsiedlung der palästinensischen Bevölkerung, zunächst aus Gaza und möglicherweise später auch aus dem Westjordanland, scheint zu einem festen Bestandteil der israelischen Strategie zu werden.

Die Situation im Westjordanland zeigt ähnliche Tendenzen. Berichte über nächtliche Razzien der israelischen Armee, bei denen mehr als 30 Personen festgenommen wurden, darunter zwei Kinder im Alter von nur neun Jahren, verdeutlichen die Härte des Vorgehens. In Jenin werden Palästinenser von der israelischen Armee gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, die anschließend häufig zerstört werden. Die westliche Welt zeigt angesichts dieser Verbrechen weder Empörung, noch Zeichen für Konsequenzen. Das Schweigen wird eher als Unterstützung gedeutet.

Besonders bemerkenswert ist, dass sich die Gewalt nicht nur gegen muslimische Palästinenser richtet, sondern auch gegen christliche Gemeinden. Anfang Juli wurde ein christliches Dorf von jüdischen Siedlern angegriffen, wobei Olivenbäume zerstört, Autos und Gebäude angezündet wurden. Die israelische Regierung äußerte sich nicht kritisch zu diesen Angriffen, geschweige denn, dass sie Schutz anbot. Auch westliche, christlich geprägte Regierungen reagierten kaum auf diese Angriffe gegen christliche Palästinenser.

Die humanitäre Lage verschlechtert sich unterdessen weiter. Seit dem heutigen Morgen wurden mindestens 26 Palästinenser bei israelischen Angriffen getötet, mindestens sechs von ihnen befanden sich dabei an Orten, wo humanitäre Hilfe verteilt wurde. Diese Zahlen verdeutlichen, dass selbst der Bezug von Grundversorgung zu einem lebensgefährlichen Unterfangen geworden ist.

Die Pläne für die „Humanitäre Stadt“ werfen schwerwiegende Fragen zum Völkerrecht und zu den Grundrechten der palästinensischen Bevölkerung auf. Die Tatsache, dass eine solche Zwangskonzentration von Menschen in der politischen Diskussion als „humanitäre“ Maßnahme dargestellt wird, zeigt, wie stark sich die Sprache und die Wahrnehmung des Konflikts verschoben haben. Der Westen ist schnell darin, die Verbrechen seiner Partner mit Phrasen wie „Recht auf Selbstverteidigung“ und „Notwendigkeit zum Selbstschutz“ zu legitimieren. Erschreckende Vorstellung in Anbetracht der Tatsache, dass diese Menschen unsere Länder regieren.

Mord in Gaza weiter Tagesordnung

Die Gewalt in Gaza nimmt kein Ende. Allein in den letzten sieben Tagen wurden laut Angaben des Journalisten Fabian Goldmann 597 Palästinenser getötet. Der traurige Wochendurchschnitt liegt damit bei über 85 Toten pro Tag.

Die Zahlen der vergangenen Woche:

HINWEIS: Dies sind Menschenleben – verpackt in einer Statistik wirkt dies weniger dramatisch, jedoch muss jedem Menschen bewusst sein: Hinter jeder Zahl steckte ein Herz, ein Verstand, Liebe zur Familie, Leid und ein tragisches Ende nach einem Überlebenskampf ohne wirkliche Aussicht auf Hilfe.

  • Montag: 70 Tote
  • Dienstag: 61 Tote
  • Mittwoch: 144 Tote
  • Donnerstag: 69 Tote
  • Freitag: 82 Tote
  • Samstag: 120 Tote
  • Sonntag: 51 Tote

Heute – Donnerstag, 26. Juni – sind es bereits 31 getötete Palästinenser (Stand: Vormittag). Das Muster ist eindeutig: Israel tötet jeden Tag Dutzende Menschen im Gazastreifen – systematisch, ununterbrochen und unter dem Mantel der „Verteidigung“. Gezielte Kopf- und Brustschüsse in Kinderkörpern zeugen aber davon, dass dies eher einem Sport für israelische Soldaten gleicht als einem Verteidigungskampf.

Wie aus mehreren Berichten hervorgeht, sind fast alle Opfer nicht durch Kampfhandlungen ums Leben gekommen, sondern durch gezielte Angriffe auf Zivilisten. Die israelische Armee bombardiert weiterhin Wohngebiete, Zeltlager und selbst Hilfsverteilungsstellen. Immer wieder sterben dabei auch Kinder – nicht, weil sie „aus Versehen“ getroffen werden, sondern weil sie mit ihren Familien dort stehen, wo es Nahrung gibt oder Zuflucht suchen, wo die israelische Armee eine „Sicherheitszone“ zugeteilt hat. Die Zustände gleichen einem dystopischen Horrorfilm – Menschen, die hungern und gleichzeitig an den Ausgabestellen erschossen werden. Kinder sind unter den Opfern, weil sie mit ihren Eltern anstehen, weil sie nach Essen suchen oder einfach, weil sie in Gaza leben.

Statt humanitäre Maßnahmen zu stärken, fordern israelische Minister das Gegenteil. Der rechtsradikale Minister Itamar Ben-Gvir forderte erneut einen vollständigen Stopp aller Hilfslieferungen nach Gaza – und begründete dies mit der angeblichen Notwendigkeit, Druck auszuüben. „Kein Wasser, kein Treibstoff, keine Lebensmittel“, fordert Ben-Gvir. Eine Politik der Kollektivbestrafung, die gegen internationales Völkerrecht verstößt, aber international folgenlos bleibt.

Israel verfolgt weiterhin ein klares Ziel: Gaza soll zerstört, seine Bevölkerung vertrieben werden. Auch das Westjordanland bleibt nicht verschont. Israelische Siedler verübten in den letzten Tagen tödliche Angriffe auf Palästinenser, auch hier gab es Todesopfer, jedoch keine Konsequenzen aus der internationalen Gemeinschaft.

Dieser Krieg ist eher ein Massaker gegen eine wehrlose Bevölkerung. Der jüngste Waffengang mit dem Iran hat gezeigt, dass Israel mit einem Gegner auf Augenhöhe keine zwei Wochen durchhält. Gegen den Iran musste sich Israel massiver Gegenwehr stellen, militärische Ziele wurden auf eigenem Boden getroffen, israelische Städte beschädigt – ein Szenario, das sich in Gaza nicht stellt. Hier können israelische Soldaten ungehindert gegen die palästinensische Bevölkerung vorgehen, Hilfsgüter blockieren und die Menschen aushungern.

Und trotz dieser offenen Gewalt erfährt Israel weiterhin Unterstützung durch westliche Staaten – allen voran Deutschland. Während deutsche Politiker die „Sicherheitsinteressen Israels“ betonen, fließen Waffenlieferungen und politische Rückendeckung. Die Stimmen der Kritik bleiben schwach, folgenlos und oft selektiv.

Das Fazit ist bitter: Gaza wird belagert, bombardiert und systematisch zerstört – mit Duldung und Unterstützung des Westens. Die Frage ist nicht mehr, ob das, was geschieht, eine Katastrophe ist. Die Frage ist, wie lange die Welt noch wegsehen will und ob mit der Zeit alle Palästinenser einem Mord durch Hunger oder durch Bomben und Waffen entgegengehen müssen.

Kriegsende nach zwölf Tagen?

Nach nur zwölf Tagen voller Zerstörung und geopolitischer Erschütterungen endet der Krieg zwischen dem Iran, Israel und den USA mit einem vorläufigen Waffenstillstand – ausgehandelt und forciert von den Vereinigten Staaten.

Der Wendepunkt kam nach einem iranischen Angriff auf einen US-Militärstützpunkt in Katar, der jedoch unter ungewöhnlichen Umständen fast folgenlos blieb: Laut Berichten hatte der Iran die USA und Katar vorgewarnt. Die Raketen konnten weitgehend abgefangen werden, es kam zu keinen Todesopfern.

Dieser kalkulierte Schritt schien für Washington das entscheidende Argument zu liefern, den Krieg zu beenden – bevor ein regionaler Flächenbrand nicht mehr kontrollierbar gewesen wäre. Präsident Donald Trump wandte sich nach Eintreten der Waffenruhe mahnend an beide Seiten, vor allem jedoch in drastischen Worten an Israel: „ISRAEL. WERFT DIESE BOMBEN NICHT AB. WENN IHR DIES TUT, STELLT DIES EINE GROBE VERLETZUNG DAR. BRINGT EURE PILOTEN JETZT NACH HAUSE!“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Eine klare Ansage an den Verbündeten, dessen Verteidigungsministerium zuvor noch „intensive Gegenschläge“ gegen angebliche iranische Verstöße gegen die Waffenruhe angekündigt hatte.

Nach außen inszenieren sich die USA und Israel nun als Sieger. Man habe, so heißt es, das iranische Atom- und Raketenprogramm „neutralisiert“. Doch dieser Triumph ist fraglich. Der Iran hat trotz militärischer Unterlegenheit effektiv zurückgeschlagen und insbesondere in Israel empfindliche Schäden verursacht. Dass Teheran sich nicht kampflos beugen würde, wurde zur Realität. Ein Regimewechsel, den viele im Westen stillschweigend als Endziel begrüßten, ist nicht eingetreten. Im Gegenteil: Große Teile der Bevölkerung scheinen zusammengewachsen zu sein. Der Iran hat ebenfalls angekündigt, sich aus allen atom- und waffenbezogenen Verhandlungen zurückzuziehen – stoppen werde man diese Programme sicher nicht. Man wird es eher als Notwendigkeit erachten, sie anzukurbeln, um die Verteidigung vor zukünftigen Schlägen zu sichern.

Die bittere Ironie: Der Krieg selbst könnte die Entwicklung dieser Programme eher beschleunigen. Denn nichts hat den Iran so sehr davon überzeugt, dass seine Souveränität gefährdet ist, wie die gezielten Luftangriffe auf zivile Infrastruktur im iranischen Kernland. Nach iranischen Angaben wurden über 600 Zivilisten getötet – darunter auch viele Kinder. Im Vergleich dazu fielen auf israelischer Seite deutlich weniger Opfer, was den Vorwurf stützt, dass Israel bei seinen Angriffen kaum zwischen militärischen und zivilen Zielen unterscheidet.

Dieser Umgang mit Zivilisten zeigt sich auch in Gaza. Während sich die Welt auf Teheran, Tel Aviv und Washington konzentrierte, wurden im Gazastreifen seit dem heutigen Morgen (24. Juni) weitere 70 Menschen getötet – teils bei der Verteilung von Hilfsgütern, teils in gezielten Luftschlägen. Der Waffenstillstand zwischen Israel und Iran bedeutet für Palästinenser im belagerten Gaza erstmal nichts. Die Belagerung, die systematische Zerstörung der Infrastruktur, das Aushungern der Bevölkerung – all das geht weiter.

Nicht nur menschlich, auch rechtlich ist der größte Verlierer dieses Krieges klar das Völkerrecht. Die Ereignisse der letzten zwei Wochen zeigen deutlich, dass universelle Regeln nur noch dann gelten, wenn sie den Interessen der Mächtigen dienen. Die Welt hat erlebt, wie die USA und Israel mit Rückendeckung westlicher Verbündeter das Prinzip der staatlichen Souveränität aushebelten – ohne Konsequenzen.

Ob dieser Waffenstillstand hält, bleibt ungewiss. Die tieferen Ursachen des Konflikts wurden nicht beseitigt.

USA greifen Iran an: Beginn des dritten Weltkriegs?

In der Nacht zum Sonntag, dem 22. Juni 2025 hat die Regierung der Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump den Iran angegriffen und damit offiziell ihren Eintritt in den Krieg zwischen Israel und Iran erklärt. Ziel der US-amerikanischen Luftangriffe waren drei Atomanlagen in Natanz, Isfahan und Fordo. Wie groß die Schäden tatsächlich sind, bleibt bislang unklar und kann von unabhängiger Seite nicht verifiziert werden. Dennoch sprach Trump auf seiner Social-Media-Plattform von einem „präzisen, erfolgreichen Einsatz“.

Noch zwei Tage zuvor hatte der Präsident in einem Interview erklärt, er wolle dem Iran „noch zwei Wochen Zeit geben“, um sein Atomprogramm zu stoppen. In demselben Atemzug verwarf er die Einschätzungen der IAEA und seiner eigenen amerikanischen Geheimdienste, die keine Hinweise auf ein aktives iranisches Atomwaffenprogramm gefunden hatten. Trump erklärte diese Berichte kurzerhand für Lügen und bezichtigte den Iran durchgehend zu lügen. Ein Vorwurf, der ihm am besten steht, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Dass dieselbe Regierung, die vor wenigen Tagen noch auf eine diplomatische Lösung setzen wollte, nun den militärischen Erstschlag wählt, stellt die Suche nach einer diplomatischen Lösung westlicher Außenpolitik infrage. In klassischer Rhetorik forderte Trump nur wenige Stunden nach dem Angriff den Iran auf, „an den Verhandlungstisch zurückzukehren“. Aus Sicht Teherans jedoch ist diese „Einladung“ nichts als Zynismus. Schon zuvor hatte die iranische Regierung betont, dass ein amerikanischer Angriff auf iranisches Territorium mit voller Vergeltung beantwortet werde.

Die iranische Führung kündigte nach dem US-Angriff an, den Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag (NPT) zu prüfen und erklärte, dass „alle US-Militärbasen in der Region sowie Israels geheime Nuklearanlagen in Reichweite unserer Raketen liegen“. Zudem droht der Iran nun aktiv mit der Schließung der Straße von Hormus – ein strategischer Engpass, durch den etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt. Die wirtschaftlichen und politischen Folgen wären global spürbar.

Bereits beim völkerrechtswidrigen israelischen Luftangriff vom 13. Juni zeigte der Iran, dass er militärisch reagiert, wenn das Land angegriffen wird. Damals schlugen mehrere Raketen direkt in Tel Aviv ein – trotz des viel gepriesenen israelischen Abwehrsystems. Die Botschaft war eindeutig: Teheran wird keine stillschweigende Zielscheibe bleiben.

Mit dem Eintritt der USA steht der Konflikt nun auf einer neuen Eskalationsstufe. Was als israelisch-iranische Auseinandersetzung begann, entwickelt sich zunehmend zu einem internationalen Flächenbrand. Ob diese Eskalation in einen regionalen Krieg oder gar eine globale Krise mündet, hängt nun davon ab, ob Diplomatie in letzter Minute überhaupt noch eine Rolle spielt – oder ob militärische Logik die Politik endgültig verdrängt hat.

Nun schaut die gesamte Welt auf die kommenden 24 Stunden. Wird der Iran amerikanische Militärbasen angreifen? Mit welcher Härte werden die Schläge ausgeführt? Wird der Iran tatsächlich die Straße von Hormus schließen und welche Auswirkungen wird das auf die Welt und den Verlauf des Krieges haben? Ist dies endgültig der Beginn des dritten Weltkriegs?

Krieg gegen Iran – Gaza bleibt im blutigen Schatten

Israels Angriff auf den Iran – Völkerrechtliche Bruchlinien

In der Nacht auf Freitag hat Israel eine weitreichende militärische Aktion gegen Ziele im Iran gestartet. Dabei wurden nicht nur militärische Ziele angegriffen und auch nachvollziehbare Gründe fehlen für den Angriff. Bereits aus den offiziellen Reaktionen und der Berichterstattung ergeben sich erhebliche völkerrechtliche Bedenken:

1. Angriff auf zivile Atomanlagen (Art. 56 HK I)
Laut Haager Landkriegsordnung sind „Zivile Anlagen, die für das Überleben der Zivilbevölkerung notwendig sind (z. B. Wasser, Strom, Nahrungsmittelversorgung, Gesundheitsversorgung oder Atomenergieanlagen)“ geschützt. Israel bombardierte Nuklear- und Forschungsanlagen – auch Fordow und Natanz – was als Bruch des Schutzes gilt.

2. Präventivschlag ohne immanente Selbstverteidigung  
Bis heute ist unklar, wann der Iran tatsächlich Israel direkt angegriffen hätte, ohne dass Israel zuvor den Iran oder seine Souveränität attackierte. Ohne akute Bedrohung wäre ein Angriff völkerrechtswidrig.

3. Iran strebt laut IAEA offenbar keine Bombe an
Iran weist zwar laut dem letzten IAEA-Bericht Mängel bei der Einhaltung der Richtlinien auf. Dies hatten sie jedoch angekündigt. Ebenfalls schreibt die IAEA in ihren Bericht, dass es keinen Beleg für heimliches Atomwaffenstreben des Irans gibt.

4. Angriff auf zivile Infrastruktur und Nicht-Militärs
Bei den Angriffen Israels auf Teheran gab es Tote unter Zivilisten und Wissenschaftlern, die nichts mit dem Militär zu tun hatten. Beim gestrigen Angriff auf die nationale Medienanstalt des Irans meldet die iranische Regierung drei getötete Mitarbeiter. Dass Journalisten Ziel von israelischen Angriffen sind, ist nichts Neues. In Gaza tötete Israel gezielt bisher über 200 Journalisten seit Beginn der israelischen Offensive in Gaza.

Israel beruft sich bei seinem Vorgehen immer wieder auf Selbstverteidigung, wirft sich selbst dauerhaft in die Opferrolle. Die G7-Staaten stehen Israel bei seiner Argumentation und bei seinem Vorgehen bei. Statements von G7 und pressewirksame Appelle der westlichen Medien zielen darauf ab, den Angriff als notwendig zu legitimieren, ohne auch nur eine milde Kritik an das sich immer wiederholende verstoßen gegen internationales Völkerrecht anzuschließen.

Gazastreifen – Völkermord in Zeitlupe geht weiter

Während die Weltöffentlichkeit auf den Iran blickt, setzt Israel im Gazastreifen unvermindert sein brutales Vorgehen fort. Die Lage ist verheerend. Weiterhin werden Palästinenser gezielt bei den Hilfsverteilungen getötet. Gestern wurden mindestens 30 Zivilisten von israelischen Soldaten erschossen, als sie versuchten, Lebensmittel zu erhalten.

Dabei haben die Palästinenser keine Wahl. Sie werden systematisch ausgehungert. Die Hilfslieferungen bleiben blockiert und medizinische Versorgung fehlt. Die Menschen stehen vor der Frage: verhungern oder totgeschossen werden um Nahrung zu bekommen.

Das Vorgehen im Gazastreifen entspricht klar international definierten Verbrechen: Die systematische Tötung Zivilisten wird mittlerweile von westlichen Politikern zwar stärker kritisiert, aber ohne tatsächliche Handlung gegen Israel können diese Worte nur noch belächelt werden. Der West hat kein Interesse an der Rettung palästinensischer Leben – dieses Zeichen sendet er.

Doppelmoral und Doppelstandard des Westens

Diese Doppelstandards offenbaren ein moralisches und rechtliches Vakuum:

Iran-Angriff – kein kritisches Wort. Israel bleibt unangreifbar.

Gazastreifen – Monate humanitäre Blockade, Erschießungen bei Nahrungsabgabe – kein Aufschrei, keine Sanktionen.

Internationale Reaktionen – leere Worte statt Forcierung von Recht und Konsequenzen.

Fazit

Während Israel für den Angriff auf Iran von westlichen Regierungen weitgehend unterstützt wird, wird gleichzeitig ein brutaler Krieg gegen die Palästinenser in Gaza fortgesetzt – mit null Konsequenzen. Diese selektive Empörung und Duldung eskalierender Gewalt spiegelt nicht nur Doppelmoral wider, sondern untergräbt das Fundament des Völkerrechts und verletzt die Glaubwürdigkeit internationaler Ordnung. Der Westen ist Mittäter.