Deutsche Botschaft Drahtzieher bei den Protesten im Iran?

Die Unruhen infolge des umstrittenen Todes von der Iranerin Mahsa Amini Mitte September halten noch immer an. Welche als kleinere organisierte Unruhen im Iran begannen, schwappten rasch als gewaltbereite Proteste auch in westliche Länder über. Regierungsvertreter diverser westlicher Staaten bekannten sich prompt solidarisch mit den Protestierenden. Hinzu kommt, dass sie neue Sanktionen und Drohungen gegen den Iran geltend machten. Unter dem Vorwand des Einforderns von mehr Rechten für Frauen, streben sie einen politischen Systemwechsel der Islamischen Republik Iran an.

Deutsche Botschaft in Teheran soll Unruhen angezettelt haben

Seit Jahrzehnten versuchen diverse Westmächte einen politischen Systemwechsel in der Islamischen Republik Iran zu bewirken. Da die harten Sanktionen gegenüber der Islamischen Republik keine dahingehenden Erfolge zeigen, instrumentalisieren sie politische Unruhen.

Die englischsprachige, iranische Tageszeitung „Tehran Times“ gab auch in Hinblick auf die jüngsten Unruhen bekannt, dass vier europäische- und ein asiatischer Staat in die Befeuerung der anfänglichen Proteste involviert wären. Als koordinierender Part habe die deutsche Botschaft in Teheran eine zentrale Rolle eingenommen. Nach Informationen der Teheran Times kontaktierte die deutsche Botschaft die Familie Amini und ermutigte sie, sich gegen die Polizei auszusprechen. Dabei sollen sie sich an ausländische Medien wenden, um den Tod von Mahsa Amini in den Nachrichten zu halten. Die Botschaft habe Mitgliedern der Familie Amini Schutz und gar die deutsche Staatsbürgerschaft versprochen, wenn sie sich zu Wort meldeten und von den iranischen Behörden strafrechtlich verfolgt würden.

Auch eine Reihe niederländischer Staatsangehöriger seien an den Unruhen beteiligt. Laut Tehran Times befänden sich einige von ihnen in Polizeigewahrsam. Ihnen wird eine aktive Rolle bei den Unruhen zugeschrieben.

Nicht das erste Mal, dass die deutsche Botschaft unter diesem Vorwurf steht

Im Jahre 2009 berichtete die internationale Nachrichtenagentur Reuters über Vorwürfe, deutsche Diplomaten seien an regierungsfeindlichen Protesten beteiligt gewesen. Sie berief sich auf iranische Nachrichtenagenturen mit Quellen zum iranischen Geheimdienst, welche allerdings keine Einzelheiten bekannt gaben. Das Auswärtige Amt wies die Vorwürfe zurück.

Welchen Nutzen ziehen westliche Staaten aus den Unruhen im Iran?

Seit Jahrzehnten versuchen westliche Staaten vergebens die Unabhängigkeit der Islamischen Republik Iran zu unterminieren. Die Islamische Republik Iran ist mit seiner klaren antiimperialistischen politischen Haltung, verbunden mit seiner geopolitischen Lage und seinen Bündnispartnern eine Bedrohung für die Machtansprüche der USA und ihrer Verbündeten. Seit der Islamischen Revolution 1979 scheitern sämtliche Versuche des äußeren Drucks, einen politischen Wechsel in der Republik zu bewirken. Die Mehrheit des iranischen Volks stellt sich standhaft den internationalen Sanktionen. Zudem steht es hinter den verhaltenen diplomatischen Beziehungen zu den westlichen Staaten und somit hinter der Regierung. Da der von außen erzeugte Druck für die Gegner der IR Iran nicht zielführend ist, bieten inländische Unruhen einen Nährboden, um eine breitere Ablehnung der Regierung in der Bevölkerung anzustiften und diese kleine Bewegung nach außen hin als eine „Revolution“ zu promoten.

Im Sinne von „teile und herrsche“ ist es nicht verwunderlich, dass sich europäische Diplomaten im Iran offenbar als Drahtzieher von Unruhen herausstellen, um dem Ziel des politischen Regierungswechsels zu dienen. So zeigt sich die Doppelmoral westlicher Staaten vorbildhaft, wenn vermeintlich für Frauenrechte protestiert wird, es im Grunde genommen jedoch um das übergeordnete Ziel der Unterminierung der Souveränität der von ihnen unabhängigen Staaten geht. Würde es ihnen wirklich um die Rechte der Frauen gehen, müssten sie zunächst die Sanktionen aufheben, unter denen die Frauen stärker leiden, als unter dem Tuch, das sie auf ihren Haaren tragen.


Iran
Deutscher Botschafter im Iran Hans-Udo Muzel



Oberster EU-Außenpolitiker: „Europa ist ein Garten, der Rest der Welt ein Dschungel“

Bei einer Rede vor Jungdiplomaten in Brügge beschrieb Josep Borrell Europa als Garten und den Rest der Welt als Dschungel. Die Gärtner in Europa müssten durch die Welt gehen und diesen Dschungel stutzen. Eine Aussage, die die imperialistische Denkweise vieler Politiker im Westen zeigt.

Europäische Gärtner müssen in die Welt ausströmen, um den Dschungel zu stutzen

Geht es nach Josep Borrell, dem obersten EU-Außenpolitiker, sollten „europäische Gärtner“ in die Welt ausströmen und den Rest der Welt, der größtenteils ein Dschungel ist, stutzen. Er ist der Meinung, dass in Europa alles funktioniert:

 „Die beste Kombination aus politischer Freiheit, wirtschaftlichem Wohlstand und sozialem Zusammenhalt“.

Josep Borrell über Europa

Anders sieht es jedoch bei dem größten Teil der restlichen Welt aus. Mit einem Grinsen im Gesicht sagt er folgendes:

„Der größte Teil der restlichen Welt ist ein Dschungel und der Dschungel könnte in den Garten eindringen, und die Gärtner sollten sich darum kümmern .“

Josep Borrell über die restliche Wert

Diejenigen die versuchen seinen Worten etwas Gutes abzugewinnen, interpretieren es als eine Analogie zwischen einer sicheren und geordneten Europäischen Union und einem gefährlichen chaotischen Rest der Welt. Deswegen müsse die EU, Bündnisse suchen, um mögliche Feindseligkeiten mit anderen Ländern zu vermeiden.

Aussagen von Borrell zeugen von einer imperialistischen und rassistischen Denkweise

Viele Politik-Experten haben sich auf den sozialen Medien kritisch gegen die Rede Borrells geäußert. Sie bezeichneten die Rede als imperialistisch und rassistisch. Man verstehe seine Aussage vor allem als Kritik an alle Länder, die die EU in der Sanktionspolitik gegen Russland nicht im ganzen Umfang unterstützen. Solche Aussagen erinnern dann gerade die ganzen ehemaligen Kolonien der heutigen EU-Länder an die Ungerechtigkeiten, den Rassismus und den Kolonialismus, denen sie von den „Gärtnern“ in den letzten Jahrhunderten erfahren mussten.

Solche Aussagen zeigen sehr deutlich den Überlegenheitsgedanken vieler Politiker und Menschen im Westen. Der zivilisierte Westen, der es sich zu Aufgabe gemacht hat, die ganze restliche zurückgebliebene Welt zu moralisieren und zu demokratisieren. Dabei wird gerne die eigene schreckliche und brutale Vergangenheit, vor allem in der Kolonialzeit, vergessen. Wenn man jemandem wirklich helfen möchte, wenn er denn Hilfe benötigt, dann muss man ihm auf Augenhöhe begegnen und von seinem selbstgebastelten hohen Ross herunterkommen.    

Borrell

Der 11.September 2001 und die aktuellen Demonstrationen im Iran

Der ehemalige US-General Wesley Clark erklärte in einem Interview aus dem Jahre 2007, dass die Bush-Administration bereits kurz nach dem 11.September 2001 einen Plan hatte innerhalb von fünf Jahren sieben Länder, darunter auch den Iran, auszuschalten.

„Wenn das einzige Werkzeug was man hat ein Hammer ist, dann muss jedes Problem so aussehen wie ein Nagel“

Der Ex-US-General Wesley Clark erläuterte in dem Interview, dass er kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11.September 2001 von einem der Generäle die Nachricht erhielt, dass sie sich entschieden haben den Irak anzugreifen. Clark fragte nach dem Grund für den Einmarsch in den Irak. Doch der General hatte selbst keine Antwort darauf. Auf Nachfrage Clarks, teilte ihm der General mit, dass sie keinerlei Informationen haben, ob die Al Qaida mit Saddam Hussein in Verbindung steht. Lediglich das sagte der General über ihre US-amerikanische Vorgehensweise:

„Ich schätze mal, es ist so, dass wir nicht wissen, was wir wegen der Terroristen machen sollen, aber wir haben ein gutes Militär und wir können Regierungen platt machen! Ich schätze, wenn das einzige Werkzeug, welches man hat, ein Hammer ist, dann muss jedes Problem so aussehen wie ein Nagel.“

Innerhalb von fünf Jahren sollten sieben Länder ausgeschaltet werden

Einige Wochen später, als die Bombardierung Afghanistans bereits angefangen hatte, fragte Clark den General, ob die Entscheidung, den Irak anzugreifen, immer noch steht. Daraufhin teilte ihm der General mit, dass es noch viel schlimmer geworden ist. Mittlerweile hat man sich dazu entschlossen innerhalb von fünf Jahren sieben Länder auszuschalten. Angefangen mit dem Irak, dann Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und schlussendlich der Iran.

Auch erläuterte Clark eines der Hauptgründe der US-Administrationen, ständig in der Region des mittleren Ostens zu intervenieren.

Er sagte: „Hätte es dort kein Öl gegeben, wäre es wie Afrika. Niemand droht in Afrika zu intervenieren… Ob das nun die besondere Motivation für den Schlag war, kann ich nicht sagen, aber es gab definitiv immer die Haltung, dass wir in der Region intervenieren und Gewalt anwenden sollten.“

Aktuelle Demonstrationen im Iran sind nicht frei von äußeren Einwirkungen

Schaut man sich rückblickend die letzten zwanzig Jahre an, so wird recht schnell klar, dass die US-Administrationen, den im Jahre 2001 verfassten Plan noch immer verfolgen. Im Irak stürzte man Saddam Hussein und in Libyen Gaddafi. In Syrien versuchte man mehrere Jahre die Regierung von Assad, ohne jeglichen Erfolg, zu stürzen. Auch im Libanon versucht man alles, um das Land wirtschaftlich in die Knie zu zwingen.

Doch der eigentliche Dorn im Auge der US-Administrationen ist der Iran. Schließlich ist der Iran eines der wenigen Länder in der Region, die sich nicht von den US-Administrationen ausbeuten lassen. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass nach all den Sanktionen und der möglichen Wiederaufnahme des Atomvertrages, Dinge geschehen, die man als Vorwand nutzt, um dem Iran noch weiter zu schaden und endlich den langersehnten Regierungswechsel herbeizurufen. Dies ist der Grund, weshalb die aktuellen Demonstrationen im Iran so stark in den westlichen Medien thematisiert werden und die Politiker ihre Solidarität bekunden. Es geht sicherlich nicht um die Rechte der Frauen im Iran. Wenn dem so wäre, dann würden sie sich für all die wahrhaftig entrechteten Frauen auf der Welt einsetzen, in demselben Maße, wie sie sich für die Frau im Iran einsetzen.

Iran
Der ehemalige US-General Wesley Clark

USA fordern EU auf, schneller Geld an die Ukraine zu überweisen

Die USA möchten, dass die EU die versprochene Finanzspritze schneller an die Ukraine überweist. Schließlich muss die Ukraine noch sämtliche von den USA gelieferten Waffen bezahlen.

USA gelieferte Waffen an die Ukraine sind nur geleast

Der Kraftstoff, die Waffen und die Ausrüstung, die die USA an die Ukraine liefern, werden nach dem „Lend and Lease Act 2022“ nur verliehen oder verpachtet. Dies bedeutet, dass die Waffen nach dem Krieg unversehrt zurückgegeben werden müssten. Nun ist es bei einem Krieg jedoch üblich, dass die Waffen benutzt und oft beschädigt werden, sodass sie zum Ende des Krieges nicht mehr zu gebrauchen sind. Dies bedeutet natürlich, dass jemand für die Beschädigung der geliehenen Waffen aufkommen muss, bzw. dass die laufenden Leasingraten pünktlich gezahlt werden sollten, um die spätere Waffenbeschädigung zu kompensieren. Die USA möchte deswegen, dass die EU schneller Geld an die Ukraine überweist, damit diese die laufenden Rechnungen begleichen können.  

Finanzspritzen der EU an die Ukraine sollen nicht rückzahlbare Zahlungen und keine Darlehen sein

Am Rande der UN-Vollversammlung traf sich der ukrainische Premierminister Denys Schmyhal mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel. Unter anderem sprach Schmyhal über die schleppenden Zahlungen der EU mit ihm. Dabei erläuterte Schmyhal, dass die Ukraine jeden Monat etwa 3,5 Milliarden Euro benötigt. Die EU hat der Ukraine Finanzspritzen in Höhe von neun Milliarden Euro zugesagt. Eine Milliarde Euro sind bis jetzt in Kiew angekommen. Der Rest soll bis zum Jahresende fließen. Laut Schmyhal sind sowohl Darlehen als auch Zuschüsse gleichermaßen willkommen.

Die US-Beamten, die bei der UN-Vollversammlung ihren Unmut wegen der schleppenden Zahlungen ausdrückten, empfahlen jedoch das Geld als nicht rückzahlbare Zuschüsse auszuzahlen und nicht als Darlehen. Außerdem solle die EU einen Mechanismus einrichten, über den dann automatisch jeden Monat Geld in die Ukraine fließt.

USA profitieren von dem Krieg, während die EU wirtschaftlich stetige Verluste einfährt

Wenn eine Sache in diesem Krieg nochmal deutlich geworden ist, dann ist es die Tatsache, dass die USA ganz genau wissen, wie sie von diesem Krieg wirtschaftlich, aber auch militärisch profitieren können. Dabei nehmen sie keine Rücksicht auf die Verbündeten in der EU. Während die USA sich ihre Waffenexporte teuer bezahlen lässt und nun auch teures LNG Gas in die EU exportieren möchte, ist es die EU, die diese Rechnungen bezahlen soll. Außerdem können die USA neue Waffen auf dem Kriegsfeld ausprobieren und ihre Nutzbarkeit prüfen, ohne einen einzigen US-Soldaten einsetzen oder gar opfern zu müssen. Mittlerweile ist der Dollar auch mehr wert als der Euro.

Die Menschen der EU, allen voran Deutschland, sollen ohne eine Gegenleistung helfen und als Dank wird einem am Ende sogar vorgeworfen, als Feind der Ukraine zu agieren. Während viele deutsche Firmen nicht wissen, wie sie den kommenden Winter, aufgrund der hohen Energiekosten überstehen sollen, reiben sich US-amerikanische Firmen auf Kosten der Europäer kräftig die Hände. Dies ist das Ergebnis einer Politik, die nicht im Interesse des eigenen Volkes betrieben wird. Eine Außenpolitik die nicht auf Augenhöhe stattfindet, sondern der Beziehung eines Vasallen mit seinem Herrn gleicht.  

EU

Die Normalisierung der Beziehung zu Israel und ihre Folgen (Teil 2) 

Die Normalisierung der Beziehung der muslimisch geprägten Länder zu Israel schreitet immer weiter voran. Ein großer Wendepunkt stellt das sogenannte Abraham-Abkommen dar. Diese Abkommen soll für Frieden zwischen den Unterzeichnern sorgen, dabei wird insgeheim auch eine Allianz gegen den Iran gegründet.

Handelsgeschäfte und Aufhebung von Sanktionen durch die normale Beziehung zu Israel

Im letzten Teil sprachen wir über die Türkei und ihrer Wiederaufnahme der Beziehung zu Israel. Die Türkei ist aber nicht das erste muslimisch geprägte Land, welches die Beziehung zu Israel normalisiert. Neben Jordanien und Ägypten, die bereits seit langem Frieden mit Israel geschlossen haben, wurde im Jahre 2020 das sogenannte Abraham Abkommen zu Papier gebracht. Unterzeichnet haben dieses Abkommen bis jetzt Bahrain, VAE (Vereinigte Arabische Emirate), Israel, USA und der Sudan. Wichtigster Absatz dieses Abkommens ist, dass die unterzeichnenden Länder die Bedeutung der Erhaltung und Stärkung des Friedens auf der Grundlage des gegenseitigen Verständnisses und der Koexistenz anerkennen. Natürlich sollen weitere Länder wie Saudi-Arabien, Katar aber auch die Türkei folgen.

Beim dem Sudan, dem aktuell letzten Unterzeichner, gab es seitens der USA ein lukratives Angebot. Schließlich bewerteten die USA den Sudan als Land, das den Terrorismus unterstützte. Dementsprechend gab es auch Sanktionen, die das Land wirtschaftlich in eine sehr brenzlige Lage brachten. Das Angebot der USA war es, den Sudan von der Terrorliste zu streichen und ihnen Geld und Handelsverträge zu geben, wenn sie den Frieden mit Israel unterschreiben. Anfänglich warfen die Sudanesen den USA eine versuchte Erpressung vor. Mittlerweile haben sie jedoch dem Frieden zugestimmt. 

„Israel hat die Normalisierung ohne Gegenleistung erhalten“

Dabei verlangte vor 20 Jahren die Arabische Liga von Israel für die Normalisierung der Beziehung zu ihnen, dass Israel die Besatzung aller arabischen Gebiete beendet. Außerdem sollten die Palästinenser einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt bekommen. Beide Forderungen blieben bis heute unerfüllt. Und trotzdem unterzeichneten die oben erwähnten Länder das Abraham Abkommen. Dies kommt der Anerkennung der Besatzung gleich.

So sagt Hanan Ashrawi, die der Führung der Palästinensischen Befreiungsorganisation angehört, über die Normalisierung:

„Sie ist eine implizite Anerkennung der Besatzung, der Annexion Jerusalems sowie der Gesetzlosigkeit und Straffreiheit Israels. Israel hat die Normalisierung ohne Gegenleistung erhalten. Das wird Israel stärken und gleichzeitig internationales Recht in der Region schwächen.“

Hanan Ashrawi von der PLO

Palästinensische Bestrebungen interessieren die arabischen Führer nicht

Laut Völkerrecht sind die Siedlungen im besetzten Westjordanland illegal. Jedoch hat der israelische Politikwissenschaftler Emmanuel Navon, der die Siedlungen als ein Teil Israels ansieht, eine andere Meinung. Er lebt selbst in der Siedlung Efrat südlich von Jerusalem. Für den Frieden in Israel bräuchte man nämlich kein Abkommen mit den Palästinensern:

„Natürlich ist es wünschenswert, eine Lösung mit den Palästinensern zu finden. Aber die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass der Konflikt für Israel auch ohne eine Lösung beherrschbar ist. Die Annahme, dass ein fehlendes Abkommen mit den Palästinensern einem Desaster für Israel gleichkommt, dass es dann keinen Frieden gibt, stimmt einfach nicht.“

israelische Politikwissenschaftler Emmanuel Navon

Außerdem sagt er offen, dass die arabischen Führer kein Interesse an der palästinensischen Sache haben:

„Seien wir ehrlich: Von den arabischen Führern kommen Lippenbekenntnisse gegenüber den palästinensischen Bestrebungen. Aber in Wahrheit interessiert es sie nicht. Jeder weiß das.“

israelische Politikwissenschaftler Emmanuel Navon

Das Abraham Abkommen dient auch als Allianz gegen den Iran  

Israel ist nicht das einzige Land, welches gegen ein Atomabkommen mit dem Iran ist. Auch in Saudi-Arabien und den VAE ist man davon überzeugt, dass Trumps einseitiger Ausstieg aus dem Atomabkommen und die Sanktionen gegen den Iran genau richtig waren.

Der Politologe Karim al-Makdisi von der Amerikanischen Universität Beirut schließt es deshalb nicht aus, dass das Abraham-Abkommen früher oder später zu einer offenen israelischen Militärpräsenz am Golf führt. 

„Die Kampagne des maximalen Drucks auf den Iran geht weiter. Und nun bringt man die Golf-Araber mit den Israelis zusammen, Israel zuliebe. Das ist nicht Teil einer Strategie für Stabilität und Frieden, sondern die eine Seite wird bestraft, die andere belohnt. Aus meiner Sicht bedeutet das eine größere Instabilität.“

Politologe Karim al-Makdisi

Da kommen die aktuellen Destabilisierungsversuche durch den Tod von Mahsa Amini im Iran gerade richtig, um die laufenden Atomverhandlungen mit dem Iran, unter der Biden-Regierung, endgültig zu kippen.

Die französische Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux bezeichnet Israel als Apartheidsstaat

Auf der anderen Seite sehen wir die 82-jährige französische Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux, die eine Normalisierung der Beziehung mit  Israel ablehnt. Sie unterzeichnete einen Brief aus dem Jahr 2018 zu dieser Thematik. In diesem Brief steht unter anderem:

 „Es ist eine moralische Verpflichtung für jeden Menschen mit Gewissen, die Normalisierung der Beziehungen zum Staat Israel abzulehnen“

Wiederholt bezeichnete die Literaturnobelpreisträgerin Israel als „Apartheidsstaat“ und zog einen Vergleich zum ehemaligen Apartheids-Regime in Südafrika. 

Man muss also kein Muslim sein, um sich für die Unterdrückung der Palästinenser einzusetzen. Umso trauriger ist es jedoch zu sehen, wie sich Muslime für weltliche Vorteile, direkt oder indirekt, gegen die eigenen Glaubensgeschwister stellen und sich somit eine Teilschuld aufbürden.

Israel
Unterzeichnung des Abraham Abkommens vor dem Weißen Hause, September 2020
Tom Brenner / Reuters

Die Normalisierung der Beziehung zu Israel und ihre Folgen (Teil 1) 

Mit der Türkei erweitert sich die Liste der muslimisch geprägten Länder, die ihre Beziehung zu Israel normalisieren. Diese Normalisierung sorgt dafür, dass die Menschen eine Gleichgültigkeit für die Unterdrückung des palästinensischen Volkes entwickeln. In diesem Teil geht es um die Normalisierung der Beziehung zwischen der Türkei und Israel.

Erdogan galt für viele als Held, der sich für die Palästinenser einsetzte

Im Jahre 2009 ging Erdogan für seine bekannten „One-Minute“ Rede gerade unter den Muslimen viral. Er wurde als Held gefeiert, der sich für die Palästinenser einsetzte.

Doch schon damals pflegten die Türkei und Israel ein gemeinsames Bündnis. Dieses Bündnis wurde im Jahre 2010 erschüttert. Auslöser dafür war die Erstürmung eines Gaza-Solidaritätsschiffs durch die israelische Marine. Bei der Erstürmung tötete die israelische Marine zehn türkische Staatsbürger. Sechs Jahre später kam es zu einer ersten Wiederannäherung. Aber auch diese hielt nicht lange. Seit der Gaza-Krise 2018, die aufgrund der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem eskalierte, hatten die beiden Länder keine Botschafter mehr im jeweils anderen Land.  

Im Jahre 2017 sagte der türkische Präsident Erdogan noch folgendes über Israel:  

„Was ist der Unterschied zwischen den aktuellen Praktiken der israelischen Führung und der rassistischen und diskriminierenden Politik, die damals in Amerika und bis vor kurzem in Südafrika gegen Schwarze angewandt wurde?“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

Außerdem nannte er Israel einen terroristischen Staat:

„Palästina ist ein unschuldiges Opfer (…) Was Israel anbelangt, das ist ein terroristischer Staat, ja, terroristisch!“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

Die Heuchelei Erdogans zeigt sich in der Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen mit Israel

Israels Regierungschef Lapid und der türkische Staatschef Erdogan haben sich am Rande der UN-Vollversammlung in New York getroffen. Es war das erste Treffen seit fast 15 Jahren zwischen dem türkischen Präsidenten und einem israelischen Ministerpräsidenten. Laut Lapid war es ein „produktives Treffen“ gewesen. Außerdem schrieb er:

„Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei sind ein Schlüssel für regionale Stabilität und bringen beiden Ländern greifbare Vorteile“

Israels Regierungschef Jair Lapid

Und:

 „Wir haben darüber gesprochen, wie wir die Beziehungen beider Länder nach Jahren der Krise voranbringen können.“

Israels Regierungschef Jair Lapid

Die Normalisierung der Beziehung zu Israel erzeugt eine Gleichgültigkeit für die Unterdrückung des palästinensischen Volkes

Durch die Normalisierung der Beziehung der Türkei und anderer muslimisch geprägten Länder zu Israel, entsteht bei den Menschen eine Gleichgültigkeit für die Unterdrückung des palästinensischen Volkes. Nach außen hin wird den Nicht-Muslimen nämlich vermittelt, dass die Muslime, die ständig darüber sprechen eine Gemeinschaft (Umma) zu sein, sich nur um ihre eigenen landespezifischen Interessen kümmern und den Unterdrückten in der muslimischen Gemeinschaft nicht zu Hilfe eilen. Und die Muslime selbst, die sehen, wie ihre Führer Israel die Hand ausstrecken, sehen die eigenen wirtschaftlichen Vorteile und vergessen das Leid ihrer palästinensischen Geschwister. Dieser Zustand der Gleichgültigkeit lässt sie jedoch eine Teilschuld an der Unterdrückung der Palästinenser haben.

Im nächsten Teil geht es um das Abraham-Abkommen und was dies mit dem Iran zu tun hat und wie sich die aktuelle Literaturnobelpreisträgerin gegen Israel ausspricht.

Israel
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (rechts) und der israelische Präsident Isaac Herzog auf einer Konferenz in der türkischen Stadt Ankara. picture alliance / Xinhua News Agency | Mustafa Kaya, Picture Alliance